Der Filmemacher arbeitet neben dem T-Shirt-Designer

An der Berner Effingerstrasse entsteht ein Café mit integriertem Gemeinschaftsbüro.

Matthias Tobler, Domenica Winkler und Marco Jakob (v.l.) im Schaufenster des künftigen «Effinger».

Matthias Tobler, Domenica Winkler und Marco Jakob (v.l.) im Schaufenster des künftigen «Effinger». Bild: Manu Friederich

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Lange präsentierten sich die Geschäftsräume an der Effingerstrasse 10, wo einst der Interdiscount eingemietet war, mit verschlossenen, versprayten Gitterrollläden. Jetzt aber sind die Läden oben, der Blick durchs Schaufenster zeigt Baugerüste, Staub und Holzlatten: eine veritable Baustelle. Wenn mit der Bewilligung alles gut geht, soll hier schon im kommenden Winter unter der Anschrift «Effinger» Kaffee getrunken und gearbeitet werden.

Aus der Altstadt in den Westen

Noch liegt das Hauptquartier der «Effinger»-Macher an der Aarbergergasse in Bern. Hier testen sie ihr Geschäftsmodell bereits im Kleinen: Zuoberst im Ryfflihof befindet sich ein Coworking-Space, eine Art Gemeinschaftsbüro, das von Freischaffenden verschiedener Berufsgruppen temporär oder länger genutzt wird. Dies mit Fokus auf den Austausch unter den Anwesenden. An der Aarbergergasse etwa arbeitet eine Texterin neben T-Shirt-Designern und einem Filmer. Dasselbe soll auch an der Effingerstrasse entstehen – hier aber kombiniert mit einem Café. Gestartet ist das Projekt Anfang 2014: Die Mitinitiatoren Matthias Tobler und Marco Jakob träumten von einem grossen Coworking-Space mit Gastrobereich – Domenica Winkler und Salome Hostettler von einem Café mit einigen Arbeitsplätzen. Durch einen gemeinsamen Freund kamen sie zusammen.

Die Gruppe vereint Gastro- und Start-up-Erfahrung; Matthias Tobler etwa ist Mitgründer des christlichen Hilfswerkes «JAM Schweiz». Bald öffneten sie das Projekt für eine grössere Gemeinschaft und luden Interessierte zur Mitarbeit ein. Bis zu 30 Leute seien jeweils an diese Abende gekommen, sagt Tobler. Gleichzeitig begannen sie, das Coworking-Konzept an einzelnen Tagen zu testen – etwa in einer Wohnung, die ferienhalber leer stand.

Gemeinschaft ist wichtig

Sie wollten kein gewöhnlicher Coworking-Space mit Mietern und Vermietern sein, sagt Tobler: «Im Zentrum steht die Community.» Firmengründer sollen von der Erfahrung anderer profitieren, Arbeitsplatzmieter sollen sich einbringen, den Raum mitgestalten und Verantwortung für einzelne Bereiche übernehmen. Grosse Entscheide werden gemeinsam besprochen. Kleinere Änderungen wollen die Verantwortlichen weitgehend selbst verwirklichen. Diese «Soziokratie» soll eine Organisation ohne Abstimmungen und formelle Hierarchien ermöglichen.

Ein Jahr lang haben die Initianten nach einem geeigneten Lokal gesucht – im Erdgeschoss, zentral und bezahlbar. Der ehemalige Interdiscount-Laden bietet all dies und auch genug Platz. Während im vorderen Bereich das Café eingerichtet wird, entstehen weiter hinten die flexiblen Arbeitsflächen und die fixen Arbeitsplätze für die Gemeinschaftsmitglieder. Dazu gibt es ein Künstleratelier, eine Werkstatt und einen Sitzungsraum. Zum Start sollen zwölf Mitglieder die fixen Arbeitsplätze besetzen und die Community mitgestalten. Die restlichen 18 Arbeitsplätze stehen allen Interessierten zur tageweisen Miete offen. Auch das Café wird allen offen stehen. «Wir wollen ein Treffpunkt für das Quartier werden», sagt Winkler.

www.effinger.ch (Der Bund)

Erstellt: 27.08.2015, 07:00 Uhr

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