Der Fall Gräve bleibt auf dem politischen Parkett ein Thema

Obwohl der Vertrag mit der Berner Theater-Chefin aufgelöst wurde, ist der Fall politisch noch nicht abgeschlossen.

Stephanie Gräve ist zwar weg, der Konflikt um ihre Absetzung bleibt politisch aber ein Thema.

Stephanie Gräve ist zwar weg, der Konflikt um ihre Absetzung bleibt politisch aber ein Thema. Bild: Manu Friederich

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Die abgesetzte Schauspielchefin des Berner Stadttheaters, Stephanie Gräve, beschäftigt die Politik auch nach ihrem Abgang. In einer kleinen Anfrage wirft Stadträtin Gisela Vollmer (SP) verschiedenen Fragen zum Thema auf. «Der Fall ist zwar abgeschlossen, aber für die künftige Zusammenarbeit zwischen Konzert Theater Bern (KTB) und Stadt und Kanton müssen dringend Aufgaben und Abgrenzungen zwischen Stiftungsrat und Direktion geklärt werden», sagt Vollmer. Weil mit dem Rücktritt von Stiftungsratspräsident Benedikt Weibel auf Ende Jahr ein Wechsel an der KTB-Spitze anstehe, sei jetzt ein guter Zeitpunkt um sich mit gewissen Fragen auseinanderzusetzen, so Vollmer.

Die Stadträtin will in ihrer am Donnerstag eingereichten Anfrage wissen, warum der Stiftungsrat des KTB die im Leistungsvertrag vereinbarte 30-Prozent-Frauenquote nicht erfülle. Im siebenköpfigen Gremium ist mit Katrin Diem nur eine Frau vertreten. Zudem fragt sie, ob die Gleichstellungsstelle der Stadt Bern in den Konflikt zwischen der Schauspielchefin und ihrem Vorgesetzten Stephan Märki einbezogen wurde.

Mehr Sachverständige im Stiftungsrat

Weiter macht Vollmer deutlich, dass es ihr nicht nur um die geschlechtergerechte Zusammensetzung des Stiftungsrats geht: «Es wäre auch wichtig, auf eine bessere Vertretung von Kulturschaffenden im Stiftungsrat zu achten.» Es brauche Sachverständige, die den Betrieb von innen kennen würden, sagt sie auf Anfrage.

Als letzten Punkt thematisiert Vollmer die strategische und operative Vermischung im Stiftungsrat. Konkret spricht sie damit an, dass Stiftungsrat Marcel Brülhart die Institution auch juristisch im Fall Gräve vertrat und dafür auch ein Gehalt erhalten haben soll. «Diese Vermischung finde ich problematisch», sagt Vollmer. Bis dahin sei sie davon ausgegangen, dass juristische Mandate extern vergeben würden.

Die Leiterin der Schauspielsparte wurde im Januar auf Wunsch von Intendant Stephan Märki vom KTB-Stiftungsrat freigestellt – die beiden hätten nicht zusammengepasst, rein persönlich, wie der Stiftungsrat später erklärte. Im Juli wurde der Vertrag von Gräve nach langen Verhandlungen aufgelöst: Sie erhält eine Entschädigung, die der Höhe ihres Lohns bis Ende 2017 entspricht. Diese Summe dürfte schätzungsweise 200'000 Franken betragen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.08.2016, 19:05 Uhr

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