Der Botanische Garten erhält das lang ersehnte Sommercafé

Schluss mit Snacks aus dem Automaten: Nun gibt es im Boga das Café Fleuri. Es hat bis im Oktober geöffnet.

Eva Hefti in ihrem Café im Botanischen Garten Bern.

Eva Hefti in ihrem Café im Botanischen Garten Bern.

(Bild: Valérie Chételat)

Hanna Jordi

Im letzten Jahr besuchte Eva Hefti einen Vortrag des Neurobiologen Gerald Hüther: «Er sagte, man soll im Leben die Dinge machen, die einen wirklich begeistern.» Der Satz gab Eva Hefti zu denken: Sie hatte zwar einen guten Job bei der BKW: In der Personalabteilung war die Betriebswirtschafterin für die Weiterbildung von künftigen Führungskräften zuständig. Doch so richtig begeistert war sie nicht mehr von ihrer Tätigkeit – auch weil der bernische Stromkonzern auf die Ereignisse in Fukushima nicht mit einem grundlegenden Richtungswechsel reagierte, wie es sich Hefti erhofft hatte.

Es war nicht der Grund, aber es war ein Faktor, warum sie im Herbst letzten Jahres zum Telefonhörer griff und den Direktor des Botanischen Gartens anrief. Sie unterbreitete ihm eine Idee, die ihr seit zwei Jahren im Kopf herumgeisterte: im Boga ein kleines Café zu eröffnen. Bei Besuchen der grünen Oase habe sie nämlich schon mehrmals für sich gedacht: «Es ist ein so schöner, inspirierender Ort – was fehlte, ist ein ebenso schönes Café.» Wer den Botanischen Garten in Bern besuchte und plötzlich vom Hunger oder Durst geplagt wurde, der konnte sich bisher einzig an einem Snack-Automaten verköstigen.

Mobiler Küchencontainer

Und jetzt, da das Café Fleuri seit fast zwei Wochen in Betrieb ist, sagt sie: «Es fühlt sich gar nicht so an, als hätte ich etwas enorm Mutiges getan, sondern genau das Richtige.» In Bern hat sich offenbar bereits herumgesprochen, dass nun ein mobiler Küchencontainer vor dem Sukkulentenhaus steht, in dem Salate, Suppen, Müesli und erfrischende Getränke serviert werden. «An den schönen Tagen lief es super», sagt Hefti – an Regentagen dagegen noch etwas harzig. Die Leute wüssten wohl auch noch nicht, dass man bei Schlechtwetter ins trockene und warme Schauhaus ausweichen könne. 30 Plätze stehen bei schönem Wetter zur Verfügung. Der Botanische Garten hat die farbigen Sitzmöbel beigesteuert.

Café entspricht einem Bedürfnis

Beim Botanischen Garten stiess Heftis Initiative von Beginn weg auf grosses Interesse. Viele Gäste hätten einen Ort vermisst, um sich verpflegen zu können, bestätigt Verena Gysin, die für Kultur und Kommunikation im Botanischen Garten zuständig ist. «Leider mussten wir die Leute immer enttäuschen.» Die Versuche des Boga, ein Café zu eröffnen, waren bisher stets versandet, weil der Betrieb des Botanischen Gartens befristet war. «Der aktuelle Leistungsvertrag mit der Erziehungsdirektion des Kantons Bern dauert indes bis 2013, das ermöglicht eine langfristigere Planung», legt Gysin dar.

Gönnersuche im Internet

Dass ein Bedürfnis vorhanden ist, zeigte sich bereits, als sich Hefti auf die Suche nach potenziellen Geldgebern machte. 15 Prozent der Anschaffungskosten für den Küchenwagen im Wert von rund 45 000 Franken sammelte sie auf der Internet-Plattform 100 Days: Dort können findige Personen ihre Projekte bewerben und während einer Dauer von 100 Tagen Gönner suchen. Dafür winkt den Gönnern nicht nur die unendliche Dankbarkeit der Unternehmer, sondern auch kleine Lockmittel wie Getränkegutscheine. «Ich rechnete damit, dass sich Freunde und Familienmitglieder zu einer Spende hinreissen lassen würden», sagt Hefti, «doch schliesslich klinkten sich auch viele Dritte ein.» In nur 40 Tagen hatte sie die nötigen 6750 Franken beisammen, gespendet hatten 73 Personen. «Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich die Summe vielleicht etwas höher angesetzt», so die gelernte Betriebswirtin lachend. Für den Rest hat sie Darlehen aufgenommen.

Angst, dass sie ihre Investition noch bereuen könnte, hat sie nicht: «Das Wohlwollen, das mir mit meinem Projekt täglich entgegenschlägt, stimmt mich sehr zuversichtlich.»

Unterstützt wird die junge Unternehmerin von zwei gelernten Gastronominnen: Lena Werder und Andrea Jenni. Gemeinsam werden sie kochen und wirten. Auch ein Mittagessen serviert das Trio – und zwar stets im Weckglas: Linsensalat, Glasnudelsalat mit Sojasprossen oder Pastasalat mit Pesto-Rosso-Sauce sowie täglich eine Suppe – oder Joghurts mit Früchte-Coulis-Einlage.

Der Bund

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