Der Berner Bahnhof der Zukunft macht sich bemerkbar

Am Bahnhof Bern sind die ersten Arbeiten an einem grossen Ausbauprojekt sicht- und spürbar.

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An verschiedenen Orten rund um den Bahnhof werden derzeit so quasi die Baustellen «gebaut». Diese müssen minutiös geplant sein, damit die eigentlichen Bauarbeiten später den Bahnbetrieb nicht stören. Direkt neben den vielbefahrenen Gleisen bei der Einfahrt des Bahnhofs Bern schraubt sich am Donnerstag lärmend der Kopf einer riesigen Bohrmaschine in den Boden. Das entstandene Loch wird mit Betonpfählen ausgefüllt.

Mit der Zeit entsteht so eine Wand aus Betonelementen, die überdeckelt werden kann. Während unter dem Deckel später die eigentlichen Grab- und Bauarbeiten stattfinden, wird an der Oberfläche der Bahnbetrieb seinen gewohnten Gang nehmen. Das milliardenschwere Grossprojekt «Zukunft Bahnhof Bern» gleicht einer Operation am offenen Herzen. Unter laufendem Betrieb des zweitgrössten Bahnhofs der Schweiz werden drei Bauherren grosse Teilprojekte realisieren. Damit soll der Bahnhof Bern fit gemacht werden für die Zukunft. Schon heute stösst er an räumliche und betriebliche Grenzen. Und Prognosen sagen voraus, dass in den kommenden Jahren nochmals deutlich mehr Menschen den Bahnhof Bern nutzen werden.

Die RBS hat mit Platzproblemen zu kämpfen:

In einer ersten Phase baut der Regionalverkehr Bern-Solothurn unter den Gleisen der SBB einen neuen Bahnhof. Die SBB realisiert eine zusätzliche Personenunterführung und zwei neue Bahnhofzugänge von der Länggasse und vom Bubenbergplatz her. Die Stadt Bern nimmt die nötigen Anpassungen im öffentlichen Raum vor, um die Pendlerströme zu bewältigen. In einem zweiten Ausbauschritt ab 2040 soll der SBB-Bahnhof seitlich um vier Gleise erweitert werden.

Drei Badetücher

Eingequetscht zwischen Bahngleisen und Gebäuden befindet sich zwischen Bahnhof und Inselspital, mitten in der Stadt, ein weiterer Angriffspunkt. Die fürs Bauen zur Verfügung stehende Fläche sei «gefühlte drei Badetücher gross», wie RBS-Gesamtprojektleiter Adrian Wildbolz am Donnerstag vor den Medien scherzte.

Für den Zugang zur engen, winzigen Baustelle wird eine befahrbare Rampe gebaut. Sie führt von der Laupenstrasse her über die Fahrleitungen der Bahn. Eine Installationsplattform, wenn auch keine befahrbare, braucht es auch für die Baustelle auf der Grossen Schanze. Dort setzt die SBB an mit dem Bau ihres Teilprojekts, einer neuen Unterführung und zwei Ausgängen an der Länggasse und am Bubenbergplatz.

So baut die SBB:

Da für die diversen Bauarbeiten in den nächsten Jahren immer wieder Gleise gesperrt werden müssen, verlängert die SBB das Perron 9/10 um rund 370 auf 690 Meter. So steht langen Zügen immer ein Gleis zur Verfügung. Für die Reisenden wird ein zusätzlicher Personenaufgang zur «Welle» gebaut.

Recke muss rücken

Die Stadt Bern ihrerseits muss abgestimmt auf den Ausbau des Bahnhofs Bern den Verkehr im Umfeld des Bahnhofs neu organisieren. Bis 2025 sind Massnahmen geplant, um die wachsenden Pendlerströme «rasch, sicher und barrierefrei» zum und vom Bahnhof zu führen, wie Simon Bühler, Projektleiter auf Seiten der Stadt Bern, erklärte.

Der Stadt Bern steht eine wichtige Abstimmung bevor:

Eine der Massnahmen der Stadt ist eine Verlängerung der Fussgängerpassage der SBB unter dem Bubenbergplatz hindurch zum Hirschengraben. Für den Ausgang am Hirschengraben müsste allerdings ein Schwergewicht verschoben werden: Schultheiss und Feldherr Adrian von Bubenberg, bernischer Held der Schlacht bei Murten im Jahr 1476.

Doch: «So lange eine Ader in uns lebt, gibt keiner nach», steht ominös auf dem Steinsockel am Hirschengraben, der die überlebensgrosse Bronzefigur des Kriegers und Staatsmanns trägt. Die von Bubenberg zugeschriebene Durchhalteparole in den Burgunderkriegen, mag dem Feldherrn im mittelalterlichen Schlachtgetümmel hilfreich gewesen sein, gegen das moderne Pendlergetümmel zieht der wackere Recke aber den Kürzeren: er muss weichen. Immerhin: das Denkmal soll an anderer Stelle Platz finden.

mer/sda

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