Der Aufstand der Berner Architekten

Die freihändige Vergabe beim Umbau des Berner Kunstmuseums stösst auf Kritik.

Das Berner Kunstmuseum braucht eine neue Klimaanlage.

Das Berner Kunstmuseum braucht eine neue Klimaanlage. Bild: Franziska Rothenbühler

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Das Berner Kunstmuseum will seine Liegenschaft an der Hodlerstrasse für 40 Millionen Franken sanieren und erweitern. Den Grossauftrag hat das Museum eigenhändig vergeben. Das stösst über 30 Berner Architekturbüros sauer auf. Deshalb haben sie bei der kantonalen Erziehungsdirektion gemeinsam eine Beschwerde eingereicht. Sie verlangen darin eine korrekte Ausschreibung des Architekturauftrags und dann die Neuvergabe.

«Das Kunstmuseum ist eine Kulturinstitution von nationaler Bedeutung und eines der wichtigsten öffentlichen Gebäude im Kanton Bern», sagt der Präsident der Berner Sektion des schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins, Christopher Berger. Das Museum stelle höchste Ansprüche an die Qualität seiner Sammlung, dieselben Ansprüche müssten auch für das «baukulturelle Verständnis» des Kunstmuseums gelten. «Bei einer Bauaufgabe dieser Grössenordnung und Komplexität können diese Ansprüche nur in einem qualifizierten Verfahren erreicht werden, weil damit der Wettbewerb der Ideen sichergestellt ist», sagt Berger. Auch weitere Berner Architekten sagen auf Anfrage, es sei ein «Skandal», dass man sich beim Museum so wenig für die Architektur des Hauses interessiere. Weltweit seien die besten Museen über Architekturwettbewerbe entstanden und nicht, weil der Museumsdirektor einen Architekten kenne.

Die Klimaanlage ist marode

Die freie Vergabe begründete man beim Museum an einer Medienkonferenz im Juni mit der zeitlichen Dringlichkeit der Arbeiten. Man befürchtet einen baldigen Ausstieg der maroden Klimaanlage, sagte der Stiftungsratspräsident des Kunstmuseums, Jürg Bucher. Eine Ausschreibung verzögere aber den Beginn der dringend nötigen Arbeiten. Dass man den Auftrag an das Berner Architekturbüro Jordi und Partner vergeben hat, begründet er so: «Der Stiftungsrat baut auf früheren Vorarbeiten auf, die von diesem Büro geleistet wurden», sagte Bucher. Die Vorschriften über das öffentliche Beschaffungswesen würden eingehalten, denn bei dringlichen Arbeiten könne nämlich auf eine Ausschreibung verzichtet werden.

An dieser Argumentation hält man beim Museum fest. Doch diese Vorgehensweise stösst nun eben auf Kritik: «Wir glauben ja, dass die Arbeiten dringlich sind», sagt Berger. Aber man wisse schon seit längerem, dass die Klimaanlage marode sei. Deshalb sucht der Architektenverein nun Kontakt zum Museum. Mitte August wollen sich die Architekten mit den Verantwortlichen des Museums zu einer Aussprache treffen. «Wir sind am Gespräch sehr interessiert, und auch an der Kritik», sagte Präsident Bucher am Freitag.

Kanton muss nun entscheiden

Den Architekten geht es neben dem baukulturellen auch um den rechtlichen Aspekt. Das Kunstmuseum will, dass sich der Kanton mit 32 Millionen Franken an der Modernisierung beteiligt. Weil der Anteil der öffentlichen Gelder über 50 Prozent liegt, unterliegt das Projekt auch dem Gesetz für öffentliches Beschaffungswesen. «Das Museum muss für ein Bauvorhaben dieser Grössenordnung die Architekturleistung gemäss geltenden Bestimmungen ausschreiben», sagt Berger.

Nach Eingang der Beschwerde ist es nun an der Erziehungsdirektion zu entscheiden, ob das Bauprojekt wirklich als dringlich einzustufen ist. Bei der Direktion bestätigt man den Eingang der Beschwerde, will sich aber vorerst nicht weiter zum laufenden Verfahren äussern.

Nur Notfälle gelten als dringlich

Rückendeckung bekommen die Architekten von Anton Funk von der Berner Fachstelle Beschaffungswesen. Er zeigt sich skeptisch über die Art und Weise, in der sich das Museum vor einer Ausschreibung drückt: «Als dringlich gelten eigentlich Notfälle, beispielsweise wenn in einem Schulhaus im Januar die Heizung ausfällt.» Dann müsse man diese Reparaturarbeiten nicht öffentlich ausschreiben. Wenn man aber seit Jahren wisse, dass die Klimaanlage auszusteigen drohe, dann müsse man eher von einer selbst verschuldeten Dringlichkeit sprechen, sagt Funk. Auch sei die Aussage, dass eine Ausschreibung das Bauvorhaben lange verzögere, nicht unbedingt zutreffend. «Eine Ausschreibung dauert nicht Jahre, sondern eher wenige Monate», so Funk.

Mit der geplanten Erweiterung soll das Kunstmuseum über genügend Platz verfügen, um das eigene und das ihm anvertraute umfangreiche Sammlungsgut an Gegenwartskunst gebührend präsentieren zu können. Geplant ist, dass zusätzliche 600 Quadratmeter Fläche für die Sammlung Gegenwartskunst und rund 350 Quadratmeter Lagerfläche genutzt werden können. Noch ist das Bauprojekt aber nicht beschlossene Sache. Im Spätherbst entscheidet der Stiftungsrat des Museums definitiv, ob der Ausbau in Angriff genommen werden soll. (Der Bund)

Erstellt: 29.07.2017, 08:14 Uhr

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