Der Anfang vom Ende

Gurten-Reporter Martin Erdmann führt Tagebuch.

Ort des Grauens: Ein Cashless-Point wie er am diesjährigen Gurtenfestival anzutreffen ist.

Ort des Grauens: Ein Cashless-Point wie er am diesjährigen Gurtenfestival anzutreffen ist. Bild: Anthony Anex

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Der Fortschritt ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits hilft er uns im Kampf gegen schwere Krankheiten, auf der anderen Seite verdanken wir ihm das Cashless-System am Gurtenfestival. Dieser nichtsnutzige Lump der technischen Modernisierung ist schuld daran, dass ich nun hier stehe – in dieser Anstehschlange, in der Fortschritt ein sehr langsamer Vorgang ist. Mit zig anderen Unglücksgenossen warte ich darauf, dass ich den Schalter erreiche, der in ozeanischer Entfernung liegt, um die Fehlerhaftigkeit meiner Cashless-Card beheben zu lassen.

Wie ein Scheinwerfer der Hölle schmettert mir die Sonne diabolische Hitze entgegen. Die Zeit schmilzt zu einer gummigen Masse, die sich in endlose Weiten dehnen lässt. Ich weiss nicht, wie lange ich schon hier stehe, kann mich kaum noch an das Leben erinnern, bevor mich die Cashless-Card in Geiselhaft genommen hat. In seltenen Momenten scheint sich etwas zu tun. Wie durch Geisterhand werden wir ein kaum wahrnehmbares Stückchen nach vorne geschoben. Geschieht dies wirklich oder ist es bloss ein Streich meines längst ermatteten Geistes?

Ich weiss nicht, wie es weiter gehen soll. Denn es geht nicht weiter. Die einst so enthusiastischen Gesichter um mich herum sind längst von abgestorbener Moral bedeckt. Wenn meine Reise hier enden sollte, verteilt meine Asche an einem windigen Tag auf dem höchsten Punkt des Hügels. (Der Bund)

Erstellt: 12.07.2018, 06:25 Uhr

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