Der Altenberg wehrt sich gegen eine Hochwassermauer

Der Berner Altenbergleist und rund vierzig Anwohner wollen Einsprache gegen den Bau einer Hochwasser-Schutzmauer erheben.

Anwohner im Altenberg haben ein Tuch montiert, das die Höhe der geplanten Schutzmauer anzeigen soll.

Anwohner im Altenberg haben ein Tuch montiert, das die Höhe der geplanten Schutzmauer anzeigen soll. Bild: Ruben Wyttenbach

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Der Ort ist Idylle pur: Ein kleiner Spielplatz, ein Brunnen und ein Laubbaum markieren den topografisch tiefsten Punkt im Berner Altenbergquartier. Aber die Idylle ist in Gefahr – zumindest aus der Sicht vieler Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers. Zur Aare hin, wo heute noch ein Maschendrahtzaun steht, soll dereinst eine meterhohe Mauer das Quartier auf mehreren Hundert Metern Länge vor Hochwasser schützen.

«Wir stören uns an dieser Mauer», sagt Hans-Jürg Klopfstein, Präsident des Altenberg-Rabbental-Leists. Der Leist werde bis zum Ablauf der öffentlichen Auflage Anfang Juli Einsprache erheben, weil die Schutzmassnahme übertrieben sei. Nebst dem Leist wollen auch die Bewohnerinnen und Bewohner des Stürlerhauses sowie mindestens vierzig weitere Privatanrainer Einsprache erheben.

«Ästhetisch problematisch»

Im Vergleich mit der Matte kam das Altenbergquartier bei den Hochwassern von 1999 und 2005 mit einem blauen Auge davon. Uferweg und Sportplatz wurden zum Teil zwar überschwemmt, grössere Schäden an Liegenschaften blieben jedoch aus. Für Leistpräsident Klopfstein ist die Mauer denn auch verzichtbar. «Das Schadenspotenzial im Altenberg ist nicht vergleichbar mit dem in der Matte.»

Viele Gebäude im Quartier hätten zum Teil gar keine Keller, die überschwemmt werden könnten. Auch sei die teilweise Absenkung des vor der Mauer verlaufenden Uferwegs störend, weil dadurch längere Sperren der beliebten Spazierroute in Kauf genommen würden. Klopfstein findet die Mauer aber auch «ästhetisch problematisch».

5000 LKW-Fahrten in der Matte

Was im Altenberg für Aufruhr sorgt, ist in der wesentlich exponierteren Matte mittlerweile akzeptiert. Dies hängt wohl mit den Anpassungen des Projektes zusammen, die der Gemeinderat aufgrund der Ergebnisse der Mitwirkung vor drei Jahren vorgenommen hatte. So wird die Schutzmauer rund ums Quartier einen halben Meter weniger hoch als ursprünglich geplant. Der Schutz wird dadurch aber nicht verringert, weil die fehlende Höhe im Bedarfsfall mit mobilen Dammbalken auf der Mauerkrone kompensiert werden kann.

«Wir haben nichts gegen den Hochwasserschutz», sagt Eleonora Massini, Präsidentin des Matteleists. Sorgen mache man sich im Quartier eher wegen der langen Bauzeit und der damit verbundenen Lastwagenfahrten durch die Wasserwerkgasse. Der Matteleist werde Einsprache machen, um bei der Zufahrt zur Baustelle mitreden zu können. Massini verweist dabei auf eine Baupiste, die mittels Aufschüttung in der Aare gebaut werden soll. «Wir möchten eine Zufahrt über die Aare statt durch die Wasserwerkgasse», sagt die Leistpräsidentin.

Bis zum Beginn der Bauarbeiten müssen aber noch der Wasserbauplan und der Baukredit von Stadtrat und Stimmbevölkerung genehmigt werden. Der Anteil der Stadt an den Gesamtkosten von 132,5 Millionen beträgt 50 bis 60 Millionen Franken. Die Bauarbeiten werden frühestens im Winter 2020/2021 beginnen.

Laut Stadtingenieur Reto Zurbuchen werden in dieser Zeit knapp 5000 LKW-Fahrten zur Baustelle stattfinden. Die meisten davon seien während der beiden Winterhalbjahre über die Baupiste geplant. Da aber auch in den Sommerhalbjahren gebaut werde, gebe es auch Zufahrten über die Aarstrasse in die Gerbern- und die Wasserwerkgasse, sagt Zurbuchen.

«Nicht gegen die Quartiere»

Bezüglich des Widerstandes im Altenberg gibt der Stadtingenieur zu bedenken, dass der Wasserbauplan in der öffentlichen Mitwirkung auf eine hohe Akzeptanz gestossen sei. Grundsätzliche Projektanpassungen seien daher nicht notwendig. Im Übrigen gälten für die einzelnen Quartiere unterschiedliche Schutzziele. So seien in der Matte Schutzmassnahmen für eine Wassermenge von 660 Kubikmetern pro Sekunde vorgesehen. Im Marzili würden Massnahmen für eine Menge von 600 Kubikmetern und im Altenberg solche für 550 Kubikmeter pro Sekunde realisiert. Dass die Mauern im Altenberg und in der Matte trotzdem gleich hoch seien, habe nichts mit der Situation im Altenberg zu tun. Dies gehe auf einen Stadtratsentscheid zurück, die Ufermauer in der Matte tiefer auszurichten.

Für Zurbuchen ist klar, dass das Projekt eine hohe Akzeptanz behalten muss. «Es soll insbesondere nicht gegen den Willen der betroffenen Quartiere realisiert werden.» Nach Ablauf der Einsprachefrist sei daher eine «fachliche Gesamtauslegeordnung» nötig. (Der Bund)

Erstellt: 02.07.2018, 06:38 Uhr

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