«Das ist absurd und verbrennt Subventionsmittel»

Sechs Jahre nach dem Neustart steht das Alpine Museum in Bern vor dem Aus. Hans Ulrich Glarner, Leiter des kantonalen Amtes für Kultur, kritisiert den Entscheid des Bundes.

Vor sechs Jahren hat sich das Alpine Museum von der etwas verstaubten Institution zum international wegweisenden Museum der Zukunft gewandelt.

Vor sechs Jahren hat sich das Alpine Museum von der etwas verstaubten Institution zum international wegweisenden Museum der Zukunft gewandelt. Bild: zvg/David Schweizer

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Bund will seine Subventionen für das Alpine Museum in der Stadt Bern massiv kürzen. Das Museum sieht seine Existenz bedroht. Herr Glarner, wie beurteilen Sie das?
Das wäre ein grosser Verlust. Das Alpine Museum gilt in der Museumsszene als Creative Hub. Überall werden heute in Unternehmen, in der Forschung und Entwicklung solche interessanten innovativen Plätze gefordert. Und wenn es im Museumsbereich so etwas schon gibt, soll man es dann zurückschrauben? Das Alpine Museum erprobt das Museum der Zukunft. Es ist ein partizipativer Ort, der die Erkenntnisse der Vergangenheit an der Gegenwart spiegelt und Fragen an die Zukunft stellt. Diese Methode zieht sich durch das ganze Programm des Alpinen Museums. Die Arbeit von Beat Hächler ist insbesondere für kulturhistorische Museen wegweisend. Er wird international zu Referaten eingeladen. Es ist falsch, eine solche Institution aufzubauen, und wenn man sie dann hat, den Förderbeitrag so stark zu reduzieren.

Welchen Stellenwert hat das Alpine Museum für den Kanton?
Der Kanton Bern hat mit seinem genuinen Bezug zu den Bergen ein hohes Interesse am Alpinen Museum. Aber es ist klar ein nationales Museum. Es ist in Bern gegründet worden, weil Bern die Bundesstadt ist. Das Thema alpiner Lebensraum und seine Zukunft ist eine existenzielle Frage für die Schweiz. Eine Kulturinstitution, die sich exklusiv mit diesen Fragen auseinandersetzt, darf man nicht fallen lassen.

Kann und wird der Kanton in die Bresche springen und das Museum retten?
Das ist nicht die Aufgabe des Kantons. Die Verantwortung für ein solches Museum liegt bei den Stiftungsträgern, also auch beim Bund, der auch Mitbegründer ist. Wir werden aber von unserer Seite alles daran setzen, ein gute Lösung für die Zukunft des Museums zu finden.

Wie denn?
Jetzt müssen Verhandlungen mit allen Beteiligten beginnen. Der Bund gehört zwingend dazu. Dies umso mehr, als der Bund ein starker Treiber für die jüngste Entwicklung des Museums war. 2011 hat er die Subventionen für das Museum entsprechend dem politischen Willen des Parlaments stark erhöht. Damit hat er den Kanton unter Zugzwang gesetzt. Nun, da die Transformation des Museums von der konventionellen Institution zum Museum der Zukunft vollzogen ist, will sich der Bund zurückziehen. Das ist absurd und verbrennt letztlich die investierten Subventionsmittel. Wenn schon, müsste der Rückzug inhaltlich gut begründet sein. Doch das ist er nicht.

Vernachlässigt der Bund seine Pflichten gegenüber seiner Stadt?
Ich glaube nicht, dass der Bund das in diesem Zusammenhang so sieht. Er ist sich bestimmt bewusst, dass Kultur ein wichtiger Teil der Bundesstadt ist. Allerdings müsste er den Entscheid zumindest in den Kontext der Bundesstadt stellen, da das Alpine Museum für die ganze Schweiz so wichtig ist. Wir müssen den Verlust unter allen Umständen verhindern. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.07.2017, 14:21 Uhr

Hans Ulrich Glarner ist Leiter des Amtes für Kultur des Kantons Bern. (Bild: Adrian Moser (Archiv))

Artikel zum Thema

Ein auskalkuliertes Loch

Welche Museen erhalten Geld vom Bund? Im Kanton Bern kommt der Ballenberg mit einer Schramme davon. Das Alpine Museum sieht seine Existenz gefährdet. Mehr...

Der Algorithmus regiert

Kommentar So weit wie das Bundesamt für Kultur hat die Mathematisierung der Kulturförderung bisher kaum jemand getrieben. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Immobilien

Kommentare

Die Welt in Bildern

Nur die Wendeltreppe ist übrig geblieben: Die anhaltenden Flächenbrände in Kalifornien haben auch zahlreiche Häuser in der Villen-Ortschaft Malibu zerstört. (10. November 2018)
(Bild: Ringo H.W. Chiu/AP) Mehr...