Der Algorithmus regiert

So weit wie das Bundesamt für Kultur hat die Mathematisierung der Kulturförderung bisher kaum jemand getrieben.

Das Alpine Museum erhält ab 2019 750'000 Franken weniger Subventionen.<p class='credit'>(Bild: Adrian Moser (Archiv))</p>

Das Alpine Museum erhält ab 2019 750'000 Franken weniger Subventionen.

(Bild: Adrian Moser (Archiv))

Daniel Di Falco

Im April war noch alles in Ordnung. Der Bund präsentierte seine Museumsstatistik, und die zeichnete eine intakte Landschaft, geprägt von einem dichten Mosaik aus über tausend Museen, von lokaler Verankerung und gewachsenen Strukturen. Isabelle Chassot, der Direktorin des Bundesamts für Kultur (BAK), war es sichtlich wohl mit diesem Bild. Und auch damit, dass der Bund darin nur eine Nebenrolle spielt, gemäss den bewährten Prinzipien von Föderalismus und Subsidiarität. Handlungsbedarf, aus Sicht des Bunds? Nirgends.

Ein Vierteljahr später zeigt sich die Kulturpolitik des Bunds von der umgekehrten Seite. Das BAK erklärt ausdrücklich, historisch gewachsene Verhältnisse hätten in seiner neuen Museumspolitik nichts zu bedeuten. So kündet es dem Sport- sowie dem Architekturmuseum in Basel die Beiträge auf. Und dem Alpinen Museum in Bern reduziert es sie so weit, dass auch es keine Zukunft mehr sieht.

Nach wie vor versteht sich der Bund als «Juniorpartner» in der Museums- förderung. Fragt sich nur, was das für ein Junior ist, der ohne Rücksicht auf die übrigen Partner die Regeln so ändert, dass Finanzierungsmodelle zusammenbrechen. Das BAK beruft sich aufs Parlament: Es hat dem Amt die Verantwortung übergeben, in der Hoffnung auf eine klarere Förderpraxis, die das ewige Ringen zugunsten einzelner Museen beenden sollte. Das BAK wiederum hat diese Verantwortung weitergereicht: an die Zahlen. Finanztechnische Schlüssel bestimmen nicht nur, welche Museen Geld vom Bund bekommen, sondern auch wie viel. Rechnerisch wasserdicht und vollautomatisch führt das im Fall des Alpinen Museums dazu, dass man ein Haus für unterstützenswert befinden, ihm aber so viel Geld absprechen kann, dass es nicht weiter weiss.

So weit hat die Mathematisierung der Kulturförderung bisher kaum jemand getrieben. Dabei funktioniert Kulturförderung eigentlich anders: Sie bemisst ihr Engagement zunächst an der Kultur, die sie fördern will; zum Beispiel am Bedarf und an den Möglichkeiten eines Museums. Und sie trägt die Verantwortung, die sich aus ihren Entscheiden ergeben, statt sie an bürokratisch ausgedachte Algorithmen zu delegieren.

DerBund.ch/Newsnet

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