Depotgegner greifen BLS mit eigenem Gutachten an

Die neue BLS-Werkstätte würde das Gebiet Chlyforst landschaftlich «schwer beeinträchtigen». Dies zeigt ein Gutachten der Stiftung Landschaftschutz.

Neben der BLS-Strecke im Berner Riedbach soll eine Werkstätte gebaut werden.

Neben der BLS-Strecke im Berner Riedbach soll eine Werkstätte gebaut werden. Bild: Adrian Moser

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Wenn die BLS im Gebiet Chliforst westlich der Stadt Bern eine grosse Werkstätte baut, beeinträchtigt dies die dortige Landschaft schwer. Dieses Fazit zieht die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL) in einem am Freitag veröffentlichten Gutachten.

Die Werkstätte, die eine Fläche von 21 Fussballfeldern beansprucht, kollidiere auch mit wesentlichen Zielen der Bundesgesetze über den Wald und den Schutz der Fruchtfolgeflächen. Sie sei zudem nicht vereinbar mit Planungsgrundlagen auf Stufe Bund, Kanton und Gemeinde, steht im Gutachten weiter.

Die Stiftung Landschaftsschutz befürwortet weiterhin ein Zusammenspannen von BLS und SBB bei der Wartung des Rollmaterials, so dass der Bau der Anlage im Westen Berns überflüssig würde. Schon im Frühling 2015, als die BLS noch etwas weiter östlich die Werkstätte bauen wollte, forderte die SL eine Werkstätten-Kooperation BLS-SBB in Biel.

Das Gutachten erstellte SL-Geschäftsleiter Raimund Rodewald im Auftrag der Gemeinde Frauenkappelen.

Auch Charta präsentiert

Vorgestellt wurde das SL-Gutachten am Freitag an einer Medienkonferenz, zu der die Gegner des BLS-Werkstättenprojekts geladen hatten. Es handelt sich um die IG Riedbach, den Verein Chlyforst, der Oberbottigen-Leist, die Quartierkommission Bümpliz-Bethlehem QBB und die Gemeinde Frauenkappelen, deren Grenze zur Stadt Bern ganz in der Nähe des fraglichen Areals verläuft.

Sie präsentierten am Anlass in Riedbach auch eine Charta gegen das BLS-Werkstättenprojekt. Diese umfasst acht Punkte. Der erste lautet: «Wir wollen keine BLS-Werkstätte im Grünen - weder im Chliforst noch sonstwo». Es werde auch nicht über das Projekt verhandelt, sagen die Werkstätten-Gegner.

Bedarf neuerdings wieder offen

BLS-Verwaltungsratspräsident Rudolf Stämpfli hatte den Chliforst im vergangenen November, nach dem Standortentscheid, als «beste aller schlechten Lösungen» bezeichnet. Mit ihrem Entscheid folgte das Bahnunternehmen der Empfehlung einer Begleitgruppe, welche im Auftrag der BLS 42 Standorte geprüft hatte. Schon damals wurde klar, dass es für die BLS hohe Hürden zu überwinden gilt, wenn sie die Werkstätte bauen will. Beispielsweise soll ein Stück Wald der Werkstatt zum Opfer fallen. Also braucht es eine Rodungsbewilligung.

Ob es die BLS-Werkstätte wirklich braucht, erscheint neuerdings wieder offen. Dies, nachdem die SBB im Verlauf des Streits um Fernverkehrskonzessionen Vorschläge für eine Zusammenarbeit mit der BLS im Bereich Fahrzeugunterhalt gemacht hat. Das Angebot der SBB basiert laut Angaben der Berner Regierung von Ende August auf einem engeren Rollmaterialeinsatz zwischen BLS und SBB. Die Berner Kantonsregierung kündigte damals an, sie wolle die BLS-Begleitgruppe zur Prüfung dieser Vorschläge reaktivieren. (spr/sda)

Erstellt: 22.09.2017, 11:32 Uhr

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