Den Sommerkonzerten nicht den Stecker ziehen

Das Nachtruhe-Reglement der Stadt Bern sei veraltet, findet eine überparteiliche Gruppe Berner Stadtparlamentarier. Und fordert mehr Spielraum bei Lärmbeschwerden - die ganze Woche.

2017 fanden noch rund 8'000 Menschen zum Parkonia Festival. 2018 wurde das Festival durch Auflagen der Stadt massiv eingeschränkt.

2017 fanden noch rund 8'000 Menschen zum Parkonia Festival. 2018 wurde das Festival durch Auflagen der Stadt massiv eingeschränkt.

(Bild: zvg)

In der Stadt Bern ist es zu ruhig. Dies zumindest findet eine breite, überparteiliche Koalition von Stadtpralamentarieren. Sie wollen die Praxis für die Bewilligung von Anlässen liberalisieren. Das sogenannte «Reglement zur Bekämpfung des Betriebs- und Wohnlärms» solle gar aufgehoben und gegen ein «Reglement für das urbane Zusammenleben» ersetzt werden, heisst es in einer Motion von JF-Stadtrats Tom Berger, unterstützt auch von Vertretern der BDP/CVP, GFL/EVP, GLP/JGLP, FDP/JF.

Die Polizei, die Spielverderberin

Hinter der Motion verbirgt sich die Enttäuschung über diverse Einsätze der Orts-und Gewerbepolizei insbesondere in diesem Sommer wegen Lärmbeschwerden. Am Parkonia Festival etwa beendete die Polizei frühzeitig ein Konzert - an einem Donnerstagabend um 19.30 Uhr. Und die Brasserie Lorraine musste ihre beliebten Sommerkonzerte wegen Lärmbeschwerden vom Garten ins Restaurant verlagern. Dort herrschte natürlich nicht die gleiche sommerliche Stimmung wie im Freien unter Bäumen und Lichterketten.

Die Berner Kantonspolizei handelt bei solchen Einsätzen auf Basis des kritisierten Reglements. Dieses sei veraltet, so die Unterzeichner der Motion. Ein Auszug aus dem Reglement scheint tatsächlich aus der Zeit gefallen: «Die Verwendung von Rollschuhen, Seifenkisten und ähnlichen Spielfahrzeugen ist verboten. Bei der Handhabung von Milchkannen, Kehrichtkübeln usw. ist übermässiger Lärm zu vermeiden». Und wie der «Bund» berichtete, hadern selbst die Vollzugsbehörden mit der Anwendung des Reglements.

Kantonale und nationale Vorgaben

Ob mit einem neuen Reglement eine liberalere Praxis erreicht werden kann ist aber unklar. Der Gemeinderat müsste sich nämlich auch an die kantonalen und nationalen Vorgaben zum Lärmschutz halten. Er könnte diesen Spielraum jedoch maximal ausloten.

Der Bund

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