«Den idealen Standort gibt es nicht»

Die neuen Werkstätten der BLS sollen im Chlifost gebaut werden. Alexander Tschäppät über Bedingungen der Stadt und Kritik an der BLS.

Alexander Tschäppät: «Rosinenpicken im öffentlichen Verkehr gibt es nicht.»

Alexander Tschäppät: «Rosinenpicken im öffentlichen Verkehr gibt es nicht.»

(Bild: Franziska Scheidegger (Archiv))

Gianna Blum

«Alles andere als ‹Freude herrscht›», ist die Reaktion der Stadt Bern zum Plan der BLS, eine ihrer drei Werkstätten im Chliforst Nord zu bauen. Weshalb ist die Skepsis immer noch so gross?
Alexander Tschäppät: Der Standort betrifft eine intakte Landschaft, es muss Wald gerodet werden. Das schmerzt. Aber man hat den ganzen Kanton durchforstet und keinen idealen Standort gefunden. Chliforst ist unter diesen Umständen die Lösung, die am wenigsten schmerzt.

Welche Lösung hätte die Stadt denn vorgezogen?
Wenn man bereits eingezontes Industrieland gefunden hätte, in dem wenig Landschaft und wenige Anwohner tangiert werden. Diesen Standort gibt es aber nicht. Allmendingen war letztlich wegen der fehlenden Redundanz auf dem Bahnnetz für die BLS nicht akzeptabel. Und alle anderen Varianten hätten ebenso Kulturland gebraucht. Um das dicht besiedelte Bern herum ist die Suche nach dem idealen Standort offenbar ein Ding der Unmöglichkeit.

Die Begleitgruppe hatte Allmendingen wieder ins Spiel gebracht, zuletzt wurde die Variante aber wieder verworfen. Hätten Sie Allmendingen denn bevorzugt?
Letztlich will jede Gemeinde vom S-Bahn-System profitieren, aber die Nachteile nicht haben. Aus der Sicht der Stadt Bern wäre es eine schöne Lösung gewesen, den Standort nach Allmendingen abzugeben. Doch aus Sicht der Gemeinde Allmendingen und des Landschaftsschutzes ist das nicht der Fall. Als Stadt Bern kann man nicht nur vom ÖV profitieren, man muss auch bereit sein, Hand zu bieten und die Lösung Chliforst zu akzeptieren – denn ÖV braucht eben auch Infrastruktur.

Die Stadt Bern hat eine Reihe Bedingungen gestellt, allen voran, dass die Vorschläge der Begleitgruppe ausnahmslos umgesetzt werden. Was, wenn das nicht geschieht?
Die BLS ist auf ein gutes Einvernehmen mit der Stadt angewiesen. Sonst wird es noch schwieriger. Und es gibt Bedingungen, die problemlos erfüllbar sind. Vorab muss die BLS die Bevölkerung viel besser orientieren und viel besser einbinden. Das wurde in der Vergangenheit zum Teil schlecht gemacht. Künftig muss das professioneller ablaufen, aber ich glaube, das weiss man bei der BLS auch.

Welche weiteren Bedingungen hat die Stadt gestellt?
Es muss abgeklärt werden, wie gut aufgeforstet werden kann, wenn man wirklich rodet. Die Frage der Zufahrtsstrassen muss geklärt werden, immerhin entstehen da 300 Arbeitsplätze. Wobei die Zufahrt über den Autobahnanschluss Mühleberg erfolgen muss und nicht über Reidbach. Allerdings ist das alles zurzeit zweitrangig. Im Moment steht die Frage im Vordergrund, ob die Eingabe Chliforst Nord überhaupt eine Chance hat, im Sachplan aufgenommen zu werden und eine Baubewilligung zu erhalten. Bis das geklärt ist, kann es noch Jahre dauern.

Die Stadt will die Verschiebung der Schiessanlage Riedbach nicht finanzieren. Erwarten Sie, dass die BLS die Kosten übernimmt?
Letztlich ist die BLS auch der Kanton, da sind auch Gelder der öffentlichen Hand involviert. Wenn die Stadt Bern dieses notwendige Übel schon akzeptiert, soll sie nicht auch noch dafür bezahlen. Ob die unterirdische Anlage überhaupt möglich ist, muss aber noch geklärt werden.

Verschiedene Umweltverbände haben sich bereits kritisch zum Standort Chliforst geäussert und bevorzugen nach wie vor Niederbottigen. Wie steht die Stadt Bern dazu?
Für den Gemeinderat kommt Niederbottigen nicht infrage. Damit würde eine nachhaltige, langfristige Stadtentwicklung im Westen Berns verunmöglicht. Zudem sprechen die Auswirkungen auf die Bevölkerung gegen Niederbottigen. Von Lärm und Lichtemissionen der Werkstätte wären viele Anwohnende betroffen. Kurzum, die negativen Auswirkungen sind viel zu gross, als dass der Gemeinderat bereit wäre, hier Konzessionen zu machen.

Bei allen Bedenken punkto Standort: Wäre es letztlich nicht das kleinere Übel, wenn die S-Bahn und damit der ÖV leidet, weil die Werkstätten nicht gebaut werden können?
Wer ÖV will, muss auch die Infrastruktur dazu haben. Rosinenpicken im öffentlichen Verkehr gibt es nicht. Lärm, Schienen, Werkstätten – das ist alles nötig, damit die Mobilität nicht auf der Strasse abgewickelt wird und die Umwelt weniger belastet wird. Deshalb hat sich die Stadt Bern auch bereit erklärt, diesen Standort zu tragen. Denn letztlich wollen wir, dass die Leute Bahn und Tram fahren.

DerBund.ch/Newsnet

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