Demonstranten gegen Miss-Schweiz-Wahl sind gebüsst worden

Die verurteilten Gegner der Miss-Schweiz-Wahlen hoffen nun, dass Sympathisanten die ihnen aufgebrummten Geldstrafen bezahlen.

Ein loses Bündnis will für die verurteilten Miss-Schweiz-Demonstranten Geld sammeln – zum Auftakt stellten sie die Verhaftungsszene nach.

Ein loses Bündnis will für die verurteilten Miss-Schweiz-Demonstranten Geld sammeln – zum Auftakt stellten sie die Verhaftungsszene nach.

(Bild: spr)

Simon Preisig@simsimst

500 Franken Gebühren und 300 Franken Geldstrafe bedingt wegen «Hinderung einer Amtshandlung». So lautet der Strafbefehl einer der Aktivistinnen, die vor einem Jahr gegen die Miss-Schweiz-Wahl auf dem Bundesplatz protestiert hat. Die 19-Jährige hat die Strafe bereits akzeptiert. Die Verurteilung findet sie trotzdem ungerecht: «In der Begründung stehen Dinge, die sich sicher nicht so abgespielt haben. Unser Widerstand war viel passiver als von der Polizei geschildert.» Zwar hatte sie den Strafbefehl zuerst angefochten, die Beschwerde dann aber wieder zurückgezogen. «Ich hätte vor Gericht keine Chance gegen die Aussagen der Polizisten.»

Zu ähnlich hohen Geldstrafen und Gebühren wurden laut dem Sprecher der Staatsanwaltschaft, Christof Scheuer, fünf ihrer volljährigen Mitdemonstrantinnen verurteilt. In zwei Fällen seien die Strafen zudem unbedingt ausgesprochen worden. Bei zwei weiteren Personen sei das Verfahren noch hängig, da diesen weitere Delikte vorgeworfen würden. Besser ergangen ist es den an den Protesten beteiligten sechs Minderjährigen: Sie haben, soweit der Aktivistin bekannt, nur einen Verweis des Jugendrichters erhalten. Auf eine Busse wurde verzichtet.

Kontroverse Nacktkontrollen

Der Polizeieinsatz an der Miss-Wahl hatte für Kontroversen gesorgt. Als die teilweise unter 18 Jahre alten Aktivistinnen und Aktivisten mit Transparenten gegen den in ihren Augen «sexistischen Frauenzoo» protestierten, griff die Polizei durch und nahm 20 Personen fest. Einige von ihnen mussten sich in der Polizeikaserne nackt ausziehen, darunter auch Minderjährige.

Eine nachträglich durchgeführte Untersuchung der Staatsanwaltschaft stellte jedoch kein Fehlverhalten der Polizeibeamten fest. Der Einsatz sei «verhältnismässig» gewesen, teilte die Staatsanwaltschaft damals mit. Verschiedene linke Politiker zweifelten darauf die Unabhängigkeit dieser Untersuchung an und forderten eine Intervention des Gemeinderates. Der lehnte dies jedoch mit dem Hinweis ab, dass ihm dafür die rechtlichen Mittel fehlen würden. Auch der Berner Regierungsrat stellte sich hinter den Polizeieinsatz.

Einen Teilerfolg konnten die Aktivisten aber erzielen: Nach verschiedenen Medienberichten und einem Bundesgerichtsentscheid in einem andern Fall zog die Staatsanwaltschaft das Aufgebot zur DNA-Entnahme wieder zurück.

Freiwillige sollen zahlen

Die Miss-Schweiz-Demonstrantinnen finden ihre Verurteilung so ungerecht, dass sie nun Geld für ihre Bussen sammeln. Als «loses Bündnis gegen sexistische Kackscheisse» fordern sie zusammen mit Sympathisanten dazu auf, sie auf der Crowdfunding-Plattform indiegogo.com zu unterstützen. Insgesamt 2100 US-Dollar sollen so für die Bezahlung ihrer Geldstrafen und Gebühren zusammenkommen.

Zum Auftakt ihrer Sammelaktion spielte das «Bündnis gegen sexistische Kackscheisse» am Dienstag vor dem Bundeshaus mit gut 30 Personen die Verhaftungsszene nach. Auf die Frage, ob sie es sich mit der Bezahlung der Geldstrafen durch andere nicht zu einfach machen, meint die zum Bündnis gehörende Stadträtin Seraina Patzen (Junge Alternative): «Es muss ja nur spenden, wer will.» Zudem seien die Gebühren mit 500 Franken und mehr unverhältnismässig hoch ausgefallen.

Bis anhin hält sich die Unterstützung für die Miss-Schweiz-Demonstrantinnen in Grenzen. Bis Redaktionsschluss wurde kein einziger Dollar gespendet.

DerBund.ch/Newsnet

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