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Dem Berner Biber auf der Spur

Biber und Städter schwimmen mittlerweile sogar gemeinsam in der Aare. Dabei haben sich die scheuen Tiere erst vor wenigen Jahren in Bern niedergelassen.

Peter Lakerveld, Projektleiter von «Hallo Biber!» Mittelland ist Biberexperte in Bern.
Peter Lakerveld, Projektleiter von «Hallo Biber!» Mittelland ist Biberexperte in Bern.
Adrian Moser
Die Marzilibiber haben sich ihren Hauptbau im «Bueber» gebaut.
Die Marzilibiber haben sich ihren Hauptbau im «Bueber» gebaut.
ZVG/Peter Lakerveld
Die roten Punkte zeigen die Familienrevierzentren, die grünen Punkte die Einzeltiere oder Paare. Die Biber nutzen praktisch die ganze Aare zwischen den Revierzentren.
Die roten Punkte zeigen die Familienrevierzentren, die grünen Punkte die Einzeltiere oder Paare. Die Biber nutzen praktisch die ganze Aare zwischen den Revierzentren.
TA-Grafik mrue/Quelle: Biberfachstelle/CSCF
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Langsam bricht die Dämmerung über der Stadt Bern herein. An der Aare sinkt der Lärmpegel, als das Marzilibad schliesst. Es tummeln sich nur noch wenig Leute an beiden Uferseiten. Der türkisfarbene Fluss zieht zügig unter der Dalmazibrücke hindurch.

Ruhig beobachtet Peter Lakerveld, Projektleiter von «Hallo Biber! Mittelland» bei Pro Natura, die abgesperrte Stelle des Marzilibads, wo sich der «Bueber» befindet. «Dort hat die Marzili-Familie ihren Hauptbau eingerichtet», sagt er. Deshalb eignen sich die grünen Bänke auf der gegenüberliegenden Seite gut, um einen Blick auf sie zu erhaschen.

Obwohl vor 2008 keine Biber in Bern lebten, gibt es mittlerweile 20 bis 30 Exemplare in der Stadt. Diese leben in insgesamt sechs Revieren und belegen alle Plätze der Stadt. Jungtiere müssen deshalb neue Reviere weiter weg suchen.

Beobachtungstipps vom Biber-Experten Peter Lakerveld

Ein Problem sei das aber nicht, sagt Lakerveld, denn sie können zu den freien Revierplätzen im Berner Jura, im Berner Oberland oder im oberen Emmental wandern. Wenn diese dann besetzt seien, gebe es einen Populationsstopp: Mehr Biber als Reviere gebe es natürlicherweise nicht.

Zu wenig Nahrung in der Stadt

Vor der Beobachtung führt Lakerveld vom Marzilibad aus an der Aare aufwärts, um verschiedene Frassspuren der Biberfamilie zu zeigen. Mit ihren Vorderzähnen haben sich die Biber einen Baum direkt an der Aare vorgenommen: Keilförmig, wie ein Holzhacker, haben sie sich tief in den Stamm genagt.

Biber-Quiz:

Auf dem Spaziergang sind insgesamt aber nur wenige Nagespuren zu sehen. Das liegt an den Präventionsmassnahmen, die die Stadtgärtnerei getroffen hat. Viele der Bäume auf dem Weg sind entweder eingezäunt oder wurden mit einer speziellen Paste bestrichen. Die Strategie geht auf – zumindest im Sommer. Dann finden die Biber im Marzili genügend Nahrung in Form von Kräutern oder Stauden.

Im Winter müssen sie aber Alternativen finden. An den Bäumen im Marzili können sie aufgrund der Schutzmassnahmen jedoch mittlerweile nicht mehr knabbern. Zudem gibt es an der Aare kaum Weiden oder andere Weichhölzer, weshalb die Nahrungssuche für sie zunehmend schwieriger wird.

Daran will der Biber-Experte etwas ändern und die Marziliuferseite mit Weiden bepflanzen. Die Nagetiere seien zwar sehr anpassungsfähig, benötigten aber genügend Nahrung in ihrem Revier, damit sie in Bern blieben.

Nebenbau im Dalmazibach

Über den Schönausteg geht es mit dem Biber-Kenner weiter auf die andere Uferseite, wo der Dalmazibach gemächlich dahinfliesst. Hier wären die Biber beinahe Auslöser eines Konflikts in der Stadt geworden. 2013 hatte sich die Marzili-Familie im Dalmazibach in der Nähe des Tierparks einen Nebenbau errichtet.

Weil der Bach so schmal ist, bestand die Möglichkeit, dass sich hinter einem Biberdamm das Wasser stauen würde. Mitarbeiter der Stadtgärtnerei haben die Situation genau beobachtet.

«Hätten die Biber einen Damm gebaut, wären vielleicht die Strasse und die Privatgärten in der Umgebung überflutet worden», sagt Lakerveld. Weil die Tiere aber mittlerweile weniger aktiv seien im Dalmazibach, habe sich das Problem schliesslich von alleine entschärft.

An ländlicheren Orten im Kanton Bern sehe die Situation aber anders aus. Besonders wo Biber und Landwirte aufeinandertreffen, ist der Biologe als Vermittler im Einsatz. Schliesslich sei das zehnjährige Projekt «Hallo Biber! Mittelland» auch für die Sensibilisierung der Bevölkerung und die Mediation bei Konflikten geschaffen worden.

Zum Projekt ist Lakerveld eher zufällig gestossen. «Ich hatte zuvor noch kaum mit Bibern gearbeitet.» Mittlerweile lassen ihn die Nager aber wegen ihrer faszinierenden Lebensweise nicht mehr los.

Ein Biber am Gitter

Nach einem kurzen Spaziergang der Aare entlang erscheinen schliesslich die Dalmazibrücke und ihre grünen Bänke. Es ist ruhig, die Hitze des Tages schwindet langsam, und von der Marzili-Biber-Familie ist noch nichts zu sehen. Etwa bei fünfzig Prozent liege die Chance, einen zu sehen, sagt Lakerveld.

Der Biber gilt eher als scheues Tier – bei den Stadtbibern scheint das aber nicht der Fall zu sein. «Ich höre immer wieder von Leuten, die ein spätes Bad in der Aare nehmen und dann gemeinsam mit einem Biber schwimmen», sagt Lakerveld. Wann die Marzili-Biber ihren Bau verliessen, hänge hauptsächlich vom Wetter ab. Bei schönem Wetter blieben sie wegen der vielen Leute im Bad länger im Bau.

Etwa nach einer halben Stunde Wartezeit zeigt sich ganz kurz ein Biber bei den Gittern der Absperrung des «Buebers». Er holt sich ein Stück Holz, zieht sich danach aber gleich wieder in den Bau zurück.

Leider ist der Moment schnell vorbei – und der Biber kommt nicht mehr hervor, bis es ganz dunkel ist. Dass er nur kurz zu sehen war, ist nicht weiter schlimm: Weil er auch im Winter aktiv ist, eignen sich die Bänke gegenüber des «Buebers» das ganze Jahr, um ihn zu beobachten.

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