«Das Vertrauen ist nachhaltig zerrüttet»

In einem Schreiben an den Stiftungsrat hat ein Teil des Ensembles von Konzert Theater Bern seinen Unmut kundgetan. Es fühlt sich schlecht informiert über Gräves Freistellung.

Das Ensemble von Konzert Theater Bern fühlt sich zu schelcht informiert über die Freistellung von Schauspielchefin Stephanie Gräves.

Das Ensemble von Konzert Theater Bern fühlt sich zu schelcht informiert über die Freistellung von Schauspielchefin Stephanie Gräves. Bild: Adrian Moser

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Nun äussern sich erstmals auch Mitglieder des Ensembles von Konzert Theater Bern (KTB), nachdem deren Chefin Stephanie Gräve am 21. Januar per sofort freigestellt worden war. Mit einem Schreiben haben sie sich am 23. Februar an den Stiftungsrat von KTB gewendet. «Wir haben darin um Auskunft gebeten und zudem unser Bedauern über die Art der Freistellung ausgedrückt», heisst es vonseiten des Ensembles. Und die Anfrage blieb nicht unbeantwortet. Am Montag trafen sich die Stiftungsräte Benedikt Weibel und Marcel Brülhart zu einer Aussprache mit der Theatergruppe und Intendant Stephan Märki. «Ich war froh über das offene Gespräch», sagte Weibel gestern vor den Medien über das Treffen.

Nicht ganz so zufrieden zeigen sich manche Schauspieler: «Wir haben keine befriedigenden Antworten erhalten», heisst es da. So sei etwa die Frage, welche Gründe die sofortige Freistellung legitimierten, «ungenügend» beantwortet worden. Ebenfalls kritisieren die Schauspieler in ihrem Schreiben, dass sie nicht befragt worden sind, wie sie die Zusammenarbeit mit Stephanie Gräve erlebt hätten. Ein Ensemblemitglied moniert zudem gegenüber dem «Bund», dass zu wenig unternommen worden sei, um den Streit zwischen Märki und Gräve zu schlichten: «Die Mediationsbemühungen waren nicht besonders gross – der Stiftungsrat hat sich ja nicht mal mit beiden Parteien an einen Tisch gesetzt.»

Doch nicht alles wird schlecht beurteilt: Es sei als gutes Zeichen zu werten, dass sich der Stiftungsrat Zeit für ein Gespräch mit den Theatermitarbeitern genommen habe, sagt ein weiterer KTB-Mitarbeiter. Nur hätte er sich das Gespräch zu einem früheren Zeitpunkt gewünscht: Sie seien als Letzte informiert worden, obwohl sie vom Entscheid der Freistellung am meisten betroffen seien. Er kritisiert zudem fehlendes Fingerspitzengefühl gegenüber dem Ensemble: «Es ist mit dieser Freistellung mehr kaputtgegangen, als sich die Führungsetage vorstellen kann.»

Führt Geschichte zu Abgängen?

Angedeutet wird von mehreren Theatermitarbeitern, dass der Gräve-Fall weiter reichende Konsequenzen für das Berner Stadttheater haben könnte: «Das Vertrauensverhältnis ist nachhaltig zerrüttet, unter einer solchen Führung zu arbeiten, macht keine Freude.» Bereits würden sich einige Kollegen Gedanken über eine Kündigung machen. Darauf angesprochen, sagte Stiftungsratpräsident Benedikt Weibel gestern: «Wir wollen mit diesem Ensemble in die Zukunft gehen.» (Der Bund)

Erstellt: 01.03.2016, 23:52 Uhr

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