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Das Unvergleichliche

Das Münster ist unter Berns Kirchen der Spezialfall: buchstäblich herausragendes Gotteshaus und gleichzeitig Quartierkirche.

Felix Gerber, Sigrist und Betriebsleiter am Münster, begrüsst die Besucherinnen und Besucher der Vesper persönlich.
Felix Gerber, Sigrist und Betriebsleiter am Münster, begrüsst die Besucherinnen und Besucher der Vesper persönlich.
Franziska Rothenbühler
Die Anziehungskraft der grössten Stadtberner Kirche reicht weit ins Land hinaus. Das Münster wird nicht selten von Menschen aufgesucht, welche die Anonymität schätzen.
Die Anziehungskraft der grössten Stadtberner Kirche reicht weit ins Land hinaus. Das Münster wird nicht selten von Menschen aufgesucht, welche die Anonymität schätzen.
Franziska Rothenbühler
Marlise Hubschmid nimmt an der Vesper teil. Sie ist seit Anfang Juni die Präsidentin des Kirchgemeinderats Münster
Marlise Hubschmid nimmt an der Vesper teil. Sie ist seit Anfang Juni die Präsidentin des Kirchgemeinderats Münster
Franziska Rothenbühler
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Das Offensichtliche: Das Münster ist das bedeutendste Bauwerk der Stadt Bern, ein Wahrzeichen. Und wenn eine Kirche benötigt wird, um eine nationale Gedenkfeier oder eine grosse Trauerfeier abzuhalten, ist es die erste Adresse. Das weniger Offensichtliche: Das Münster ist eine reformierte Kirche wie ein Dutzend andere in der Stadt auch. Als Quartierkirche ist es die Kirche der Münstergemeinde. Diese Gemeinde ist vergleichsweise klein, was die Sache nicht einfacher macht.

Die Doppelfunktion des Münsters führt seit langem zu Spannungen. Denn die Ausstrahlung des Münsters erfordert gewissermassen zusätzliche Energie – in Form von Geld für Betrieb und Unterhalt, aber auch in Form zusätzlicher Stellenprozente für Pfarrerinnen und Pfarrer. Dieses Ressourcenplus ging bisher direkt auf Kosten der anderen elf Kirchgemeinden. Würde man allein auf die Zahl der Seelen in der Gemeinde abstellen – es ist die dafür massgebende Grösse –, hätte das Münster nicht einmal 1,2 Pfarrstellen zugute. Bis 2014 waren es 1,8 Stellen, seither noch 1,5.

Damals, vor vier Jahren also, war das System an seine Grenzen gestossen. In einer Zeit, als Sparen angesagt war, gab es für die kleine Gemeinde in der Altstadt plötzlich keine Extras mehr. Die anderen Kirchgemeinden verweigerten einen neuerlichen Solidaritätsbeitrag, sodass auch am Münster die Pfarrstellenprozente gekürzt werden mussten. Den Münstervertretern nützte es nichts, die Sonderaufgaben und die vielen auswärtigen Besucher sozusagen als Zentrumslasten ins Feld zu führen.

Neu die Kirche aller Berner

Nun aber zeichnet sich eine Lösung ab. Diese sieht vor, dem Münster eine Sonderrolle zuzuweisen. Oder anders gesagt: Die Sonderrolle, die das Münster schon bisher spielte, soll ihm ausdrücklich zuerkannt werden. «Die Struktur wird dem gelebten Leben angepasst»: So sagt es Marlise Hubschmid, seit Anfang Juni Präsidentin des Kirchgemeinderats Münster. Sie war in der Arbeitsgruppe dabei, die das Konzept dafür erarbeitet hat. Dieses liegt nun vor und geht an den Kleinen Kirchenrat der Gesamtkirchgemeinde Bern, also der Dachorganisation der zwölf reformierten Stadtberner Kirchgemeinden. Der grosse Kirchenrat, das Parlament, könnte im besten Fall schon im Herbst über den neuen Status des Münsters entscheiden.

Der Kernpunkt des Konzepts ist der, das Münster neu zu positionieren, «es aus der Vergleichbarkeit mit den anderen Kirchen herauszunehmen», wie Hubschmid es ausdrückt. Der Moment für die Veränderung scheint genau der richtige zu sein, denn derzeit laufen die Vorbereitungen für eine Fusion der zwölf Kirchgemeinden zu einer einzigen auf Hochtouren (siehe Text rechts). Die Idee ist, das Münster zur Zentrumskirche oder zur Hauptkirche der neuen Kirchgemeinde zu machen.

Das Münster wäre dann keine Quartierkirche mehr. Und es wäre damit auch nicht mehr die Kirche der Münstergemeinde. Denn diese würde zusammen mit den heutigen Gemeinden Nydegg und Petrus zum Kirchenkreis 4 fusioniert. Neu wäre etwas Weiteres – und das scheint für Hubschmid ein wichtiger Punkt zu sein: Künftig könnte jede und jeder Reformierte in der Stadt Bern sagen, das Münster sei «seine» Kirche – eben weil es die Kirche der Kirchgemeinde Bern wäre. Verantwortlich für den Betrieb wäre nicht einer der fünf neuen Kirchenkreise, sondern eine Münsterkommission, die direkt der Kirchgemeinde angegliedert wäre. Darin würden Leute aus dem ganzen Stadtgebiet Einsitz nehmen, also nicht bloss ehemalige Mitglieder der Münstergemeinde.

Über neue Chancen diskutieren

Marlise Hubschmid sieht im neuen System und in einer fusionierten Kirchgemeinde eine grosse Chance. Jede Kirche könnte sich entsprechend ihrem Potenzial und den Bedürfnissen im betreffenden Kirchenkreis profilieren, so wie beispielsweise die Heiliggeistkirche als Citykirche. Die Menschen in der Stadt Bern hätten dadurch die Möglichkeit, von einem vielfältigen kirchlichen Angebot zu profitieren. Das Münster wäre dabei Partner der Kirchenkreise und könnte «gemeindebildend und identitätsstiftend wirken», wie sie sagt. Letztlich käme die neue Kirchgemeinde damit den veränderten Bedürfnissen der Leute entgegen.

Längst überlebte Strukturen würden aufgebrochen. Es entstünde Raum für Neues. Hier sieht Hubschmid jedoch Diskussionsbedarf. Noch spreche man fast ausschliesslich von Strukturen und von Finanzen – und zu wenig darüber, welches denn tatsächlich die Chancen einer fusionierten Kirchgemeinde Bern mit einem Münster als Zentrumskirche sein könnten.

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