Das Tor zum Museumsquartier bleibt ein Verkehrsplatz

Die Stadt will einen Wettbewerb zur Umgestaltung des Helvetiaplatzes ausschreiben. Doch der Spielraum ist beschränkt.

Was wird aus dem Helvetiaplatz?

Was wird aus dem Helvetiaplatz?

(Bild: Adrian Moser)

Naomi Jones

Das Telegrafendenkmal auf dem Helvetiaplatz bleibt voraussichtlich, wo es ist. Dafür gebe es gute Argumente, sagt Nadine Heller vom Berner Stadtplanungsamt. Die Verantwortlichen des Historischen Museums Bern hätten nämlich gerne gehabt, dass der Brunnen versetzt wird. Gelegenheit dazu böte die geplante Sanierung und Umgestaltung des Platzes. («Der Bund» berichtete.) «Das Telegrafendenkmal wurde genau für diesen Standort in der Sichtachse zwischen Casinoplatz und Historischem Museum gemacht», erklärt Heller.

Die Sichtachse zum Casinoplatz sei aber nicht der einzige Grund dafür, dass eine Umplatzierung umstritten sei, sagt Heller. In Workshops mit dem Quartier und anderen Interessenvertretern habe es keine eindeutige Position gegeben. «Einige fanden den Standort ganz gut, andere wollten den Brunnen verschieben.» Die Stadt will also im Zweifelsfall lieber am Alten festhalten, als etwas Neues zu wagen. Nächstes Jahr will die Stadt einen Projektwettbewerb zur Platzgestaltung ausschreiben. Dazu müssten die konkreten Rahmenbedingungen aber noch definiert und vom Gemeinderat verabschiedet werden, wie Heller sagt. Die Politik hat also das letzte Wort.

Tram belebt Quartierzentrum

Auch in Sachen Verkehr wird der Wettbewerb wohl nicht so offen sein, wie es etwa die Quartierkommission Qua4 gerne hätte. «Der Helvetiaplatz ist und bleibt ein Verkehrsplatz», sagt Heller. Die Wettbewerbsteilnehmer sollten zwar eine Lösung für die Autos präsentieren. Doch die Achse des öffentlichen Verkehrs solle bleiben, wie sie ist und über die Thunstrasse geführt werden. Dies sei im Stadtentwicklungskonzept so definiert. «Der Boulevard hat im Kirchenfeldquartier Zentrumscharakter», begründet Heller die Vorgabe. Entlang der Strasse bis zum Thunplatz befinden sich zahlreiche Läden und Restaurants. Die Tramhaltestelle an der Luisenstrasse und die Migros-Filiale sorgen dafür, dass potenzielle Kunden die Auslagen in den Schaufenstern betrachten.

Die Geschäftsführerin der Quartierkommission, Sabine Schärrer, spricht von einem «Denkverbot» für die Architekten im Wettbewerb. Und Simon Jäggi vom Naturhistorischen Museum wünschte sich von Bern mehr Mut in der Gestaltung des Platzes.

Platz für Veranstaltungen

Was also soll neu werden am Helvetiaplatz? Die Stadt und das Begleitgremium wünschten sich einen urbanen Platz, der vielfältig genutzt werden könne, sagt Heller. Sitzgelegenheiten und Aussenbestuhlung von Restaurants sollen zum Verweilen einladen. Die Orientierung müsse besser werden, sodass Touristen die Museen besser fänden. «Man soll die Museumseingänge besser sehen», sagt sie. Und es solle Flächen geben, die unterschiedlich genutzt werden könnten. Heller stellt sich darunter temporäre Kunstausstellungen, Vernissagen, Quartierfeste vor. Aber auch politische Demonstrationen sollen nach wie vor möglich sein, sagt sie.

Um den Projektwettbewerb durchführen zu können, hat der Gemeinderat den Planungskredit zur Sanierung und Umgestaltung des Helvetiaplatzes um 450’000 Franken erhöht. Der Stadtrat muss den Kredit erst noch bewilligen.

DerBund.ch/Newsnet

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