Das Stadtfest als Zeichen der Annäherung

Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) glaubt, dass sich das Verhältnis zu Bümpliz in den letzten Jahren entspannt hat.

Alexander Tschäppät ist voller Vorfreude auf das Stadtfest.

Alexander Tschäppät ist voller Vorfreude auf das Stadtfest.

(Bild: Manu Friederich)

Simon Wälti

Herr Tschäppät, das letzte Stadtfest wurde 1991 in der Innenstadt gefeiert. Warum hat man sich jetzt für Bümpliz-Bethlehem entschieden?
Wir hatten in diesem Jahr schon verschiedene Grossanlässe wie etwa Velofest, Tour de France und Buskers mehr oder weniger im gleichen Perimeter. So entstand die Idee, nach Bümpliz und Bethlehem zu gehen. Mit 34?000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist es das grösste Quartier von Bern. Etwa ein Viertel der Stadtbevölkerung lebt hier.

Das Verhältnis der Stadt zum Quartier im Westen ist nicht ungetrübt. Man fühlt sich manchmal vernachlässigt oder im Stich gelassen.
Ich habe den Eindruck, dass sich das Verhältnis stark verbessert hat. Ich sehe in Bümpliz und Bethlehem ein grosses Potenzial für die Zukunft. Zudem blieb an vielen Orten der Quartiercharakter erhalten, es gibt zahlreiche Vereine, und die Identifikation ist grösser als in anderen Quartieren. Früher hatte der Stadtteil ein Imageproblem, nun aber hat eine Gegenbewegung eingesetzt. Es findet ein Aufschwung statt. In zehn Jahren ist der Stadtteil vielleicht das neue ­Hype-Quartier.

Welche Gründe sehen Sie für diese positive Entwicklung?
Der Auslöser war für mich, als es gelang, die Planung im Westside zu deblockieren. Mit dem Deckel über der Autobahn und dem Tram erfolgte ein klares Bekenntnis zum Westen. Auch die S-Bahn darf man nicht vergessen. In wenigen Minuten ist man vom Bahnhof Bern aus im Westside oder in Bümpliz.

Mit einer Busverbindung hätte das nicht geklappt?
Bei der Städteplanung zeigt sich immer wieder, dass ein Bus ab einer bestimmten benötigten Kapazität nicht mehr attraktiv ist. Dann braucht es Tram und Zug, um die Menschen zu befördern. Ich glaube, die Bümplizer würden das Tram heute nicht so schnell wieder hergeben.

Es gibt ein neues Quartier in Brünnen, andernorts werden die Wohnungen saniert. Besteht da nicht die Gefahr, dass die Alteingesessenen verdrängt werden, weil die Mietzinse steigen?
Das kann ein Problem sein, wenn die Nachfrage steigt. Wichtig ist, dass die öffentliche Hand ihren Einfluss geltend macht, damit es nicht zu Luxuslösungen kommt. Zudem nehmen die Genossenschaften, gerade in Bümpliz und Bethlehem, eine wichtige und stabilisierende Rolle ein. Es ist aber wichtig, dass investiert wird; es wäre ja fatal, wenn man die Bausubstanz einfach kaputtgehen liesse.

In Bümpliz und Bethlehem ist der Ausländeranteil höher als in anderen Stadtteilen.
Es gibt immer noch gewisse Probleme bei der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund, das ist unbestritten. Darum ist es wichtig, dass die Quartiere besser durchmischt sind. Dafür braucht es auch eine gewisse Attraktivität des Wohnraums. Ich glaube aber, dass wir in den letzten Jahren bereits eine höhere Durchmischung erreicht haben.

Welche Anzeichen sehen Sie dafür?
Nehmen Sie zum Beispiel die Abstimmungsresultate. In den letzten Jahren gibt es die Tendenz, dass sich diese an die Resultate in den anderen Stadtteilen angleichen. Der Unterschied ist nicht mehr so frappant. Die Durchsetzungs­initiative der SVP etwa wurde auch im Westen von Bern klar abgelehnt.

Zurück zum Stadtfest: Wie viele Menschen erwarten Sie?
Das ist schwer zu sagen und hängt stark vom Wetter ab, ob es regnet oder nicht. Bernerinnen und Berner gehen aber gerne an solche Anlässe, zudem sind die Konzerte alle gratis. Auf eine Zahl möchte ich mich aber nicht festlegen.

Werden Sie selber auch am Stadtfest sein?
Ja, natürlich. Ich werde während aller dreier Tage dort anzutreffen sein. Ich freue mich sehr.

Worauf freuen Sie sich besonders?
Ich freue mich auf die traditionelle Bümplizer Chilbi. Ich gehe auf jede Bahn, das weckt bei mir Jugenderinnerungen: an die Erlebnisse mit Kollegen, den Geruch von Zuckerwatte, die erste Freundin und an das Rauchen im Versteckten.

Was denken Sie, wird es in 25 Jahren wieder ein Stadtfest geben?
Das weiss ich nicht, dann werden andere Personen am Ruder sein. Die Berner Altstadt wäre aber sicher eine einmalige Kulisse für ein Mittelalterfest.

Der Bund

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