«Das sind Luxusprobleme, die nur die Fahrer stressen»

Muss Bernmobil ein Garant für Pünktlichkeit sein? Die Meinungen der «Bund»-Leserinnen und -Leser gehen auseinander.

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Der «Bund» hat in den vergangenen 100 Tagen die Pünktlichkeit im Bernmobil-Netz analysiert. Das Ergebnis: Bei rund 16 Prozent der Halte kommt es zu Verspätungen von über zwei Minuten. Ein Ärgernis? Nur bedingt. «Bund»-Leser, die sich auf der Diskussionsplattform «Stadtgespräch» zu diesem Thema geäussert haben, nehmen Verspätungen teils recht locker. «Sorry, aber bünzliger geht es nicht mehr», schreibt beispielsweise Theodor Fässli. «Das sind Luxusprobleme, die nur die Fahrer stressen.» Wen kümmere es, ob der Bus nun zwei Minuten später oder früher fahre, fragt Fässli.

Länger als fünf Minuten habe er noch nie an einer Haltestelle warten müssen. Leser Roland Wirthner befürwortet sogar spezifische Verspätungen. «Ich würde mir eigentlich wünschen, dass am Bahnhof und an der Zollgasse Ostermundigen jeder 28er-Bus regelmässig drei bis vier Minuten zu spät abfahren würde.» Grund: Dadurch wäre der Wechsel von der 10er-Linie möglich, ohne dass man dem 28er-Bus wie ein «lackierter Affe» hinterherschauen müsse.

Es gibt jedoch auch andere Stimmen. «Die ständigen Verspätungen nerven mich», schreibt Urs Müller. Dadurch würde er mindestens einmal pro Woche seinen Anschlusszug im Bahnhof verpassen. Besonders im Abendverkehr sei die Situation prekär. «Ab 18 Uhr fährt mein Tram nicht mehr alle sechs, sondern nur noch alle sieben Minuten.» Ab 19 Uhr wechsle der Takt dann auf zehn Minuten. «Fällt da mal wieder ein Tram aus, weil irgendwie ein Autofahrer seine Fahrspur nicht kennt, warte ich dann auch mal 20 Minuten.»

Gerade an «versifften Haltestellen wie dem Bahnhof» sei das unangenehm. Dort gebe es Bettler, ständig brennende Aschenbecher und Musiker von zweifelhafter Qualität. Henry Meier fährt eine ähnliche Schiene. «Schon bemerkenswert, diese Verspätungen in einem Ministädtchen wie Bern.» Alle Vorteile im Strassenverkehr lägen bei Bernmobil, und dennoch schaffe es diese nicht, pünktlich zu sein. Als konkretes Beispiel nennt er die Linie 9. «Schon drei Haltestellen nach dem Start in Wabern hat das Tram manchmal bereits drei Minuten Verspätung.» Dabei müsse der Restverkehr dem Tram über die ganze Seftigenstrasse hinterherhecheln. Dennoch schreibt er, dass der öffentliche Verkehr sehr effizient sein könnte – wenn er denn richtig gefördert würde. In Bern sei das nicht der Fall. «Da geht es mehr darum, alle anderen zu schikanieren und zu erziehen.»

Andere Leser haben konkrete Vorschläge, um die Situation zu optimieren. «In der Innenstadt macht es keinen Sinn, wenn drei bis vier Trams hintereinander fahren», schreibt Christoph Vogt. Er schlägt deshalb einen zweiten Korridor in der Bundes- oder Speichergasse vor. Martin Haller ist die fixe Gleiszuordnung zu einzelnen Tramhaltestellen beim Bahnhof ein Dorn im Auge. «Häufig ist es so, dass zwar ein Gleis frei ist, jedoch nicht das angestammte fixe Gleis.»

Sein Änderungsvorschlag: «Mit automatisch geregelten Weichen könnte ein Tram, analog dem Tiefbahnhof in Zürich, auf ein gerade freies Gleis fahren.» Er glaubt nicht, dass das die Passagiere verwirren würde. «Der Wechsel des Abfahrtgleises wird auf den Monitoren angezeigt.» Christoph Staub stuft die Pünktlichkeit auf den Hauptlinien von zufriedenstellend bis gut ein. Eine Ursache für Verspätungen sieht er darin, dass Chauffeure zu oft auf heranrennende Passagiere warten. Besonders bei Linien, die in kurzen Takten fahren, würden sich die Busse dadurch teils aufholen. Er schlägt vor, dass nur Linien, die im Zehn-Minuten-Takt fahren, auf Passagiere warten.

Und was meinen Sie? Diskutieren Sie mit. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.12.2017, 18:36 Uhr

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