«Das Resultat ist klar»

Mühleberg II hat für BKW-Verwaltungsratspräsident Urs Gasche gute Chancen: «Bern hat als Standortkanton Ja gesagt».

BKW-Präsident Urs Gasche sieht die Chancen von Mühleberg gestiegen. (Adrian Moser)

BKW-Präsident Urs Gasche sieht die Chancen von Mühleberg gestiegen. (Adrian Moser)

Simon Thönen@SimonThoenen

Das Bernervolk hat nur sehr knapp Ja gesagt. Glauben Sie, dass in Mühleberg ein neues AKW gebaut wird?

Schon im Vorfeld der Abstimmung habe ich gesagt, dass jedes Resultat über 51 Prozent für mich deutlich und verpflichtend ist – ob nun ein Ja oder Nein resultiert. In diesem Sinn ist das heutige Resultat für mich klar. Den Standortentscheid werden letztlich die Bundesbehörden treffen. Danach gibt es eine schweizerische Referendumsabstimmung darüber, ob es überhaupt neue Kernkraftwerke gibt. Ich gehe aber davon aus, dass die Chancen von Mühleberg nun gestiegen sind.

Die wichtigste Nachbargemeinde, die Stadt Bern, hat aber mit 65 Prozent deutlich Nein gesagt.

Und die direkte Sitzgemeinde hat Ja gesagt, man darf jetzt nicht einzelne Gemeinden gegeneinander ausspielen. Es ging um die Gesamtheit der Kantonsbürger und -bürgerinnen.

Konkurrent Alpiq könnte nun argumentieren, die Akzeptanz für sein AKW Gösgen sei besser, weil keine benachbarte Grossstadt es ablehnt.

Ich kann nicht einschätzen, welche Taktik Alpiq fährt. Für uns gibt es nur einen Fakt: Bern als Standortkanton hat Ja gesagt zu einem Ersatzkernkraftwerk in Mühleberg.

Gemäss der Reihenfolge, die Axpo, BKW und Alpiq vereinbart haben, würden die zwei neuen AKW zuerst in Beznau und dann in Mühleberg gebaut. Gösgen wäre als dritte Priorität überflüssig. Bleibt dies so?

Die bernische Abstimmung hat diese Reihenfolge sicher gefestigt beziehungsweise Mühleberg vielleicht sogar einen leichten Vorsprung verschafft.

Verbindlich wird die schweizerische AKW-Abstimmung sein. Es gibt Stimmen, die sagen, dass die Bundesbehörden nur mit einem AKW-Projekt antreten werden, um die Chancen für ein Ja zu erhöhen.

Das kann ich nicht sagen. Wir haben uns solche Szenarien auch überlegt: Aus der Sicht einer zuverlässigen Stromversorgung wäre dies eine politische Konzession, die bedauerlich wäre.

Eine weitere Hürde ist die Finanzierung der AKW. In der internationalen Debatte wird oft gesagt, diese sei ohne Subventionen nicht möglich.

Nach unseren Berechnungen ist die Kernenergie weiterhin eine wirtschaftliche Art der Stromproduktion, die sich auch finanzieren lässt. Die Erfahrungen beim Bau des Kernkraftwerkes in Finnland haben wir da bereits einbezogen. Wir haben keine Hinweise, dass eine Finanzierung über den Kapitalmarkt nicht machbar ist. Ich bin überzeugt, dass die CO2-freie Stromversorgung, der wir uns verschrieben haben, auch für Finanzierungsinstitute interessant ist.

BKW-Chef Kurt Rohrbach hat gesagt, dass man wegen der Finanzierung die zwei AKW-Projekte um ein paar Jahre staffeln müsse.

Die drei Unternehmen Axpo, Alpiq und BKW arbeiten bei den zwei Kernkraftwerken zusammen. Wir werden die Projekte natürlich in verschiedener Hinsicht optimieren, dazu kann auch eine Staffelung um wenige Jahre gehören. Grundsätzlich bin ich überzeugt, dass zwei Werke wirtschaftlich und auch finanzierbar sind.

Würde die BKW das Projekt abbrechen, falls die Finanzierung ohne Subventionen doch nicht klappt?

Wir gehen von einer privaten Finanzierung aus. Wir haben keine Indizien, dass dies nicht möglich ist. Wie gesagt, eine Staffelung um einige Jahre kann bei der Realisierung durchaus möglich sein.

Wann würde Mühleberg II Strom produzieren?

Die bisherige Planung geht von einem Zeitraum ab 2020 aus, ich persönlich rechne eher mit 2025 bis 2030.

Wann würde das bestehende, ältere AKW in Mühleberg abgeschaltet?

Es ist geplant, dass dies spätestens bei der Inbetriebnahme des neuen Kernkraftwerks geschieht. Ich gehe davon aus, dass das heutige Kernkraftwerk eine unbefristete Betriebsbewilligung erhalten wird. Das heisst: Es darf so lange laufen, wie der Betrieb als sicher erachtet wird. Würde die Sicherheit fraglich, würde das heutige Werk früher abgestellt.

Im Abstimmungskampf hat es hohe Wellen geworfen, dass für Mühleberg II grosse Zwischenlager geplant werden, die den Atommüll aus der ganzen Betriebsdauer aufnehmen könnten. Bleiben diese so gross?

Es ist ein Ausdruck unserer Verantwortung, dass wir genügend Kapazität für die Zwischenlager einplanen. Wie sich die Frage der Endlager entwickeln wird, können wir heute nicht abschätzen.

Die Nidwaldner haben erneut ein Endlager in Wellenberg abgelehnt. Besteht die Gefahr, dass der Atommüll im Zwischenlager bleibt, weil niemand ein Endlager will?

Die Wellenberg-Abstimmung ist kein Massstab für andere Standorte, weil der Wellenberg nicht im Vordergrund steht. Der Nachweis ist erbracht, dass eine sichere Endlagerung möglich ist. Die Chancen sind intakt, dass wir im Laufe der Zeit Endlager haben werden.

Der Bund

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