Das Neustadtlab baut auf Freiwillige – und Spender

Die Organisatoren der Schützenmatt-Zwischennutzung rechnen mit einem Defizit.

Juerg Luedi (3. v. l.) und Fabian Fritschi (2. v. r.) mit Mitstreitern.

Juerg Luedi (3. v. l.) und Fabian Fritschi (2. v. r.) mit Mitstreitern.

(Bild: Franziska Rothebühler)

Er legt auf als DJ, schenkt Getränke aus und hilft mit im Organisationskomitee: Fabian Fritschi vom Verein Sk8.BE ist einer der Freiwilligen, die das Neustadt-Lab auf der Berner Schützenmatte dieses Jahr auf die Beine stellen. Ab dem 1. August wird er beim Aufbau der Infrastruktur auf dem Platz helfen und als Koordinator zwischen dem Neustadtlab und seinem Verein fungieren.

Die Arbeit, die Fritschi in das Projekt steckt, wird nicht entlöhnt. Denn dieses Jahr hat es die Stadt versäumt, rechtzeitig einen Kredit für das Projekt Neustadtlab zu sprechen. Dass Fritschi kein Geld bekommt, hält ihn nicht von der Mitarbeit ab: «Ich kann dafür einen Beitrag an die Kultur leisten und mich kreativ entfalten», sagt er. Da er diesen Sommer sein Studium abgeschlossen hat und sich eine kurze Auszeit gönnt, blühen ihm auch keine endlosen Arbeitstage.

Die Bereitschaft, das Neustadtlab ohne finanzielle Mittel der Stadt durchzuführen, war nicht immer da. Als die Stadt bekannt gab, dass für die diesjährige Ausgabe kein Geld zur Verfügung stehe, erklärte der Verein Neustadt Bern das Projekt für gescheitert. Erst nach Verhandlungen mit der Präsidialdirektion hat das Organisationskomitee seine Meinung revidiert.

Bereits in den letzten Jahren basierten weite Teile des Neustadtlab auf Freiwilligenarbeit. Die Organisation und die Koordination der Zwischennutzung konnten aber mit dem Geld der Stadt entlöhnt werden. Ein wenig Hoffnung, dass die Arbeit zumindest teilweise entgolten wird, haben die Veranstalter aber noch. Zu diesem Zweck haben sie einen Spendenaufruf auf der Website des Neustadtlabs aufgeschaltet. Eine weitere Massnahme, die finanzielle Lage zu verbessern, ist der Verkauf von «Soli-Bändeli». Besucher können so einen freiwilligen Beitrag an das Projekt leisten.

Erzwungene Kommerzialisierung

Dennoch: Das Engagement erfolgt nun hauptsächlich aus Idealismus. Die Organisatoren erhoffen sich eine langfristige Umnutzung der Schützenmatte, so Juerg Luedi. Der Kurator war die letzten beiden Jahre Projektleiter des Neustadtlabs. Eine weitere Motivation der Veranstalter sei, dass die Stadt das Projekt nächstes Jahr wieder mitfinanziere. Ob sie das aber tatsächlich tun wird, ist noch offen, wie Stadtpräsident Alec von Graffenried gegenüber dem «Bund» sagte.

Viele aus dem Komitee gäben ihre Ferien her, um das Projekt zu realisieren, so Luedi. Für ihn sei es eine andere Situation, weil für ihn das Projekt als Kurator und Künstler eine Erwerbstätigkeit darstelle. «Dieses Jahr muss ich finanzielle Opfer bringen.» Könnte das Projekt in den nächsten Jahren erneut ohne Geld der Stadt durchgeführt werden? «Wenn es selbsttragend sein muss, läuft das Projekt auf eine erzwungene Kommerzialisierung heraus», sagt Luedi. Wenn die Schützenmatte in Zukunft autofrei sein und das Projekt ganzjährig den Platz transformieren soll, könne das Projekt nicht nur auf freiwilliger Basis weitergeführt werden.

Das Geld der Stadt reichte nicht

2016 zahlte die Stadt 75'000 Franken an das Projekt, im Jahr zuvor 90'000 Franken. Neben den Löhnen der Organisatoren wurden damit die Gebühren für Wasser und Strom, die Platzgestaltung, die Sperrung und die Begrünung bezahlt. Zudem stellte die Stadt im letzten Jahr Toiletten bereit – diese müssen die Veranstalter nun selbst organisieren und aus eigener Tasche bezahlen. «Das Geld der Stadt reichte aber trotz der Unterstützung in den letzten Jahren nicht aus», sagt Luedi. Ein Teil der Kosten wurde immer noch mit den Einnahmen der Bars auf dem Platz gedeckt: Diese zahlten einen Beitrag an die Organisationskosten.

Die Organisatoren müssen aber auch dieses Jahr nicht gänzlich auf Unterstützung der Stadt verzichten. Die Gebühren für Wasser und Strom, die bisher gezahlt werden mussten, wurden dieses Jahr erlassen. Und wie bereits in den letzten Jahren stellt die Stadt den Platz gebührenfrei zur Verfügung. Ausserdem hat sie angekündigt, einzelne Kunst- und Kulturprojekte finanziell zu unterstützen.

Ob das reicht, ist fraglich. «In den beiden vergangenen Jahren waren die Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen», sagt Luedi. In diesem Jahr rechnet er mit einem Defizit.

Der Bund

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