Das nächste Tram könnte vom Wylerquartier in die Länggasse rollen

Das klare Ja zum Tram in der Stadt Bern hält die Optionen für neue Tramlinien offen. Zum Beispiel zwischen dem Wylerquartier und der Länggasse.

Bald auch ein «Tram-Quartier»?

Bald auch ein «Tram-Quartier»?

(Bild: Valérie Chételat)

Simon Thönen@SimonThoenen

«Wir haben die Tramstadt Bern, aber nicht das Tram Region Bern», kommentierte die Stadtberner Verkehrsdirektorin Ursula Wyss (SP) am Sonntag das ­Resultat der Tramabstimmung. Zwar ist das 10er-Tram am Nein von Ostermundigen und Köniz gescheitert – wahrscheinlich definitiv. Die 61 Prozent Ja-Stimmen in der Stadt Bern sowie die Zustimmung in allen Stadtteilen sind aber eine solide politische Grundlage für allfällige andere neue Tramlinien. Dies zumindest dann, wenn sie nur auf dem Boden der Stadt verlaufen. So wie das 2010 ein­geweihte Tram Bern-West.

Ein mögliches nächstes Tramprojekt war bereits im städtischen Abstimmungsbüchlein zum Tram Region Bern erwähnt: Sowohl die Buslinie 20 ins Wyler­quartier wie auch der Ast des 12er-Busses vom Hauptbahnhof in die Länggasse würden in den nächsten Jahren an ihre Kapazitätsgrenzen stossen, steht dort. Deshalb solle geprüft werden, wie diese zwei Quartiere künftig mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen werden. «Eine mögliche Lösungsvariante ist ein Trambetrieb.» Die Grundlagen für einen Entscheid soll eine sogenannte Zweckmässigkeitsbeurteilung (ZMB) liefern. «Die ZMB für die Linien 12 und 20 wird selbstverständlich gestartet», bekräftigte Wyss am Abstimmungssonntag.

Ein eigenes Wyler-Länggasse-Tram also anstatt einer gemeinsamen 10er-Tramlinie mit den tramskeptischen Vororten? Es ist zu früh, um diese Frage zu beantworten. Denn die Zweckmässigkeitsbeurteilung soll ja erst die planerische Grundlage liefern, ob eine solche Tramlinie Sinn macht.

Eignungsabklärung fürs Tram

Solche ZMB sind sehr breit angelegte Abklä­rungen. Wie seinerzeit schon für die ZMB, die dann zum Projekt Tram ­Region Bern führte, werden die Passagierströme, die künftige Siedlungsentwicklung, die denkbaren ÖV-Routen ­abgeklärt – und natürlich die Vor- und Nachteile möglicher Verkehrsmittel.

Für die Erschliessung der Länggasse kommen grundsätzlich neben dem Tram auch Doppelgelenk-Trolleybusse infrage. Im Wylerquartier ist zudem die Antwort auf die Frage wichtig, welche Rolle die S-Bahn spielt. Ab 2025 wird sie zwischen Wankdorf und Bern im Viertelstunden-Takt verkehren. Denkbar ist auch ein etappiertes Vorgehen. So könnten die zwei heutigen Trolleybus-Linien 20 und 12 (Richtung Länggasse) in einem ersten Schritt schon bald zu einer neuen, gemeinsamen Trolleybus-Linie zusammengeschlossen werden.

Passagierzahlen hoch genug

Ob nach den Abklärungen der ZMB eine Tramlinie Wyler–Länggasse als beste Lösung dastehen wird, bleibt abzuwarten.

Immerhin: Die Passagierzahlen auf diesen beiden Linien sind hoch genug, um grundsätzlich eine Tramlinie zu rechtfertigen. Auf dem am stärksten belasteten Abschnitt transportieren die 20er-Busse (Wyler) an einem durchschnittlichen Werktag 22 000 Passagiere. Beim 12er-Bus (Richtung Länggasse) sind es 16'500 Fahrgäste. Gemäss diesen Kennzahlen wäre ein Wyler-Länggasse-Tram vom Passagieraufkommen her vergleichbar mit dem gescheiterten 10er-Tram. Die Werte liegen auch deutlich über der planerischen Minimalvorgabe für ein Tram von 12'000 Passagieren.

Der Bau einer Tramlinie Wyler–Länggasse dürfte eher einfacher und weniger konfliktträchtig sein, als es der Bau der Tramlinie 10 gewesen wäre. Auf dem Nordring ist die Strasse breiter. Wahrscheinlich könnten deshalb die meisten der Alleebäume erhalten werden, die auch dort vorhanden sind. Die Länggassstrasse ist zwar enger – aber immerhin stehen dort anders als an der Viktoria- und der Ostermundigenstrasse nur ­wenige Bäume.

Trams fahren frühestens 2030

In den kommenden Wochen sollen die verwaltungsinternen Vorarbeiten für die ZMB anlaufen. 2015 wird der Planungsauftrag für die ZMB öffentlich ausgeschrieben, 2016 sollen die Resultate vorliegen. Wie es danach weiterginge, hängt zunächst davon ab, ob Bund und Kanton die Mitfinanzierung für ein allfälliges Tramprojekt zusichern. Eine Volksabstimmung könnte in den frühen 2020er-Jahren stattfinden. Ein solcher Zeitplan wäre allerdings sportlich.

Im besten Fall könnten um das Jahr 2030 neue Trams zwischen Länggasse und Wyler rollen. In beiden Quartieren wäre dies eine Renaissance des Schienenverkehrs: Bis 1959 fuhren Trams in die Länggasse, auf dem Nordring verkehrten bis 1941 sogar die SBB-Züge auf dem Weg zum Hauptbahnhof.

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt