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Das klare Zeichen der urbanen Wählerschaft

Die SVP hat Albert Rösti als den freundlichen SVP-Mann angepriesen. Die vielen Stimmberechtigten im Wahlkreis Bern-Mittelland mochte dies nicht zu überzeugen.

Matthias Aebischer (SP) wartet mit Familie und Parteimitglieder auf die Resultate der Nationalratswahlen.
Matthias Aebischer (SP) wartet mit Familie und Parteimitglieder auf die Resultate der Nationalratswahlen.
Mit Aebischer wartet Regierungsrätin Beatrice Simon (BDP), die selber nicht kandidiert.
Mit Aebischer wartet Regierungsrätin Beatrice Simon (BDP), die selber nicht kandidiert.
Wenn das Tourismus-Büro zum Wahllokal wird: Szene am Bahnhof Bern.
Wenn das Tourismus-Büro zum Wahllokal wird: Szene am Bahnhof Bern.
hjo
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Das schlechte Resultat von Albert Rösti bereits im ersten Wahlgang müsste der SVP zu denken geben. Auch ein Rösti, der im Wahlkampf als der freundliche SVP-Mann verkauft wurde, kann es nicht richten und die grösste Partei des Kantons zurück in den Ständerat bringen. Ideologisch hart an der kompromisslosen Parteifront kämpfende Politiker haben es selbst dann beim Volk schwer, wenn sie ihre Inhalte in Watte verpacken.

Für Werner Luginbühl (BDP) und Hans Stöckli (SP) sieht es derweil gut aus. Beide müssen zwar in den erwarteten zweiten Wahlgang. Doch die zwei bisherigen Ständeräte haben mit ihren Plätzen eins und zwei Herausforderer Albert Rösti hinter sich gelassen – dank den Stimmen aus dem Wahlkreis Bern-Mittelland. Es ist also insbesondere ein urbanes Wählersegment aus Stadt und Kernagglomeration Bern, das die SP/BDP-Vertretung am Schluss nach vorne brachte.

Dies aber auch deshalb, weil Sozialdemokrat Stöckli als eher moderater Linker auch viele Stimmen in der Mitte und bei Bürgerlichen holen konnte. Es ist eine in die Mitte orientierte, ruhige Sachpolitik ohne Effekthascherei, die in diesem ersten Wahlgang im Kanton Bern von den Wählenden honoriert worden ist.

Die Resultate der beiden Ständeräte bestätigen jenen Trend, der mit der Wahl von Simonetta Sommaruga in den Ständerat 2003 erstmals erkennbar wurde: Nicht mehr die ungeteilte bürgerliche Standesstimme ist das Charakteristikum des mehrheitlich bürgerlichen Kantons Bern. Typisch geworden ist vielmehr die modernere Variante mit je einem Vertreter aus Stadt und Land, mit je einem Vertreter aus konservativem wie fortschrittlichem Milieu also. Wenn die bernische Bevölkerung diesen Trend im zweiten Wahlgang am 15. November bestätigt, ist das für den vielfältigen und grossflächigen Kanton ein gutes Zeichen.

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