Das Kinogefühl der 1950er-Jahre wiederbeleben

Im Berner Kino Rex beginnt der Umbau. Mit künstlerisch anspruchsvollen Filmen 
und einer Bar soll ab Oktober ein neuer Kulturtreffpunkt den Betrieb aufnehmen.

Die neuen Betreiber des Kino Rex wollen die «Filmkultur» in Bern stärken.

Die neuen Betreiber des Kino Rex wollen die «Filmkultur» in Bern stärken.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Nur Stunden nach der Schlüsselübergabe waren die Leinwand und viele der schwarzen Ledersessel schon weg – und emsige Arbeiter am Bohren, Schrauben und Platten-Herausreissen. Gestern übernahm der Verein Cinéville von der Kitag das Kino Rex an der Schwanengasse in Bern. Statt Filmstars wie Jennifer Lawrence oder George Clooney bestimmen in den nächsten Monaten die Handwerker die Szenerie.

Das neue Kino Rex, welches im Oktober eröffnet werden soll, hat mit dem alten nur noch den Namen gemein. Neu zieht das Kino Kunstmuseum in den Filmpalast an der Schwanengasse. Das heisst: Statt den gängigen Hollywoodfilmen werden in Zukunft von unabhängigen Autoren produzierte Dokumentar- und Spielfilme gezeigt. Daneben thematisiert die Retrospektive herausragende Filmschaffende und filmhistorische Epochen. Die bisherige Programmphilosophie des Kino Kunstmuseum werde im Kino Rex weitergeführt, betont Thomas Allenbach, Geschäftsführer des Kino Kunstmuseum.

Wein statt Popcorn: Die neue Bar

Nicht nur beim Filmprogramm blicken die neuen Betreiber in die Vergangenheit. Auch architektonisch wolle man «den Geist der 50er-Jahre wiederbeleben», sagt Architekt Jonas Inhelder. Vor allem im Foyer solle die ursprüngliche Ambiance des 1952 eröffneten Kinos wiederhergestellt werden.

Herzstück des vergrösserten Foyers ist die neue Bar. Popcorn gebe es nicht, aber dafür erhielten die Gäste «den Wein im Glas», sagt Geschäftsführer Allenbach. Die Bar soll während des ganzen Filmbetriebs vom frühen Nachmittag bis zum Betriebsschluss um 23.30 Uhr geöffnet sein. Geplant sei, mit dem Kino- und Barbetrieb das Rex als «Treffpunkt für Kulturschaffende und für das Publikum» zu etablieren. Und Allenbach hofft, dass – zwei Jahre nach der Schliessung der Markthalle – die Strassenzüge zwischen Bahnhofplatz und Hirschengraben neu belebt werden können.

Doppelt so viel Umsatz nötig

Das heutige Kino Kunstmuseum an der Hodlerstrasse macht pro Jahr rund 600'000 Franken Umsatz. Für das neue Kino Rex wird mit jährlich 1,2 Millionen Franken Umsatz budgetiert, um die doppelt so hohen Betriebskosten zu finanzieren. Das muss erst einmal erwirtschaftet werden.

Allenbach hofft auf neue Kundschaft. Mit Filmvorführungen bereits ab 14.00 Uhr könne man vermehrt auch ältere Leute ansprechen. Und weil der Balkon im Rahmen des Umbaus durch eine Wand abgetrennt wird, gibt es künftig zwei Kinosäle statt wie bisher nur einen. Mit 20 Zuschauern pro Filmvorführung würde das Umsatzziel erreicht, sagt der Geschäftsführer.

Die Betreiber des Vereins Cinéville betonen, das neue Kino Rex sei keine Konkurrenz für die anderen Alternativkinos wie das Cinématte, das Kellerkino und das Kino in der Reitschule. Stattdessen würde der Kinostandort Bern insgesamt gestärkt, wenn vermehrt nichtkommerzielles und einheimisches Filmschaffen gezeigt würde. Der Konkurrenzkampf findet laut Allenbach eher zwischen den Kitag-Kinos in der Altstadt und dem Pathé im Westside statt.

Das Kino Kunstmuseum muss aus dem Keller an der Hodlerstrasse ausziehen, weil dort die Abteilung Gegenwart des Berner Kunstmuseums einzieht. Somit gebe es in Bern künftig gar 150 Kinoplätze weniger, sagt Allenbach.

Der Bund

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