«Das Gurlitt-Gutachten spricht ganz für uns»

Das Kunstmuseum Bern ist seiner grossen Erbschaft einen Schritt näher gekommen. Ein Gutachten erachtet das Testament des Kunstsammlers als rechtskräftig.

Kommt das Erbe Gurlitts schon bald nach Bern? Der Fall könnte bereits im kommenden Frühling abgeschlossen werden.

Kommt das Erbe Gurlitts schon bald nach Bern? Der Fall könnte bereits im kommenden Frühling abgeschlossen werden.

(Bild: Adrian Moser)

Für Marcel Brülhart sieht die Sache gut aus: «Das jüngste Gutachten spricht ganz für Bern.» Der Anwalt und Vizepräsident der neuen Dachstiftung «Kunstmuseum Bern – Zentrum Paul Klee», der die Gurlitt-Verhandlungen mit den deutschen Behörden geführt hat, hegt auch die leise Hoffnung, dass im Frühling der ganze Fall endlich abgeschlossen sein könnte und der Kunstschatz endlich nach Bern kommt. «Aber ich mache keine Prognosen mehr.»

Brülharts Zurückhaltung ist verständlich. Gut ein Jahr ist es nun her, dass das Kunstmuseum Bern nach mehr als sieben Monaten Bedenkzeit entschieden hat, das Erbe des Kunstsammlers anzunehmen. Der 82-Jährige, von dessen umfangreicher Kunstsammlung die Öffentlichkeit erst 2013 erfuhr, hat sein Testament kurz vor seinem Tod im Mai 2014 verfasst und das Kunstmuseum als Alleinerbe eingesetzt. Doch bis auf weiteres bleibt die Erbschaft blockiert, weil Uta Werner, eine Cousine des Verstorbenen, das Testament wegen Gurlitts angeblicher Unzurechnungsfähigkeit angefochten hat.

Das Münchner Amtsgericht hat Ende April 2015 zwar Werners Antrag auf einen Erbschein abgewiesen und somit entschieden, dass das Testament gültig sei und das Kunstmuseum Bern das Erbe antreten könne. Doch die 86-Jährige hat diesen Entscheid angefochten. Über ihre Beschwerde wollte eigentlich das Gericht umgehend entscheiden. Doch im Juli teilte das Oberlandesgericht München mit, dass man ein psychiatrisches Gutachten zu Gurlitts Zurechnungsfähigkeit in Auftrag geben werde. Dieses Gutachten ist nun fertig, wie der Berliner «Tagesspiegel» jüngst meldete.

Entscheid im Frühjahr 2016

Noch hat sich das Gericht dazu nicht geäussert. Zunächst können sich die Parteien zum Gutachten äussern, anschliessend wird das Gericht entscheiden. Erwartet wird der Entscheid laut Brülhart im nächsten Frühjahr. Thomas Pfaff, Sprecher von Uta Werner, dem das Gutachten am Donnerstag noch nicht vorlag, liess bereits verlauten, man erwäge, weitere Rechtsmittel auszuschöpfen, falls es «berechtigte Zweifel» am Gutachten gebe. Brülhart weist darauf hin, dass in der nächsten Instanz nur noch Rechtsmängel geltend gemacht werden könnten, nicht aber Sachverhaltsfragen.

Ausstellungen sind bereits geplant

In seinem Schreiben wundert sich Uta Werners Sprecher weiter darüber, dass Monika Grütters, Deutschlands Kulturministerin, bereits im November die Kunsthalle der Bundesrepublik beauftragt habe, eine Ausstellung mit Werken aus der Sammlung Gurlitt vorzubereiten. Lege dies doch den Schluss nahe, dass Grütters vom Ergebnis des psychiatrischen Gutachtens bereits im November Kenntnis gehabt habe. Thomas Pfaff wertet dies als unerlaubten Versuch der Beeinflussung des Gerichts.

Noch vor Monika Grütters hat auch Adam Szymczy, Leiter der Dokumenta Kassel, bereits angekündigt, dass er an der nächsten Dokumenta (2017) den «Schwabinger Kunstfund», Werke aus der Sammlung Gurlitt, präsentieren wolle. Die Schau in Bonn ist für November 2016 vorgesehen. Beide Ausstellungen wären aber nur mit dem Einverständnis des Kunstmuseums Bern möglich – falls es die Erbschaft definitiv antreten kann. «Wir haben diesbezüglich bereits Verhandlungen geführt mit dem Ziel, die Werke möglichst umfassend zugänglich zu machen», sagt Marcel Brülhart.

Der Bund

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