Das grosse Sesselrücken im Stadttheater steht an

Vier Stiftungsräte von Konzert Theater Bern treten in den nächsten Jahren ab. Die Stadt will das Gremium verjüngen und mit mehr Frauen besetzen.

Im Stiftungsrat von Konzert Theater Bern werden Plätze frei.

Im Stiftungsrat von Konzert Theater Bern werden Plätze frei. Bild: Adrian Moser

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Dem Stiftungsrat von Konzert Theater Bern (KTB) steht eine Totalerneuerung bevor. Vier der momentan sechs Stiftungsräte bestätigen gegenüber dem «Bund» ihre Rücktrittsabsichten. Einer davon ist der Unternehmer Peter Stämpfli. Er tritt nächstes Jahr aus «persönlichen Gründen» zurück: «Eigentlich würde ich schon jetzt gerne kürzer treten, aber es gibt keinen Grund für einen überstürzten Rücktritt, ich bin immer noch sehr gerne für KTB tätig», sagt Stämpfli.

Auch der Stiftungsrat Dominique Folletête, ehemaliger Gemeindepräsident von Bremgarten, verabschiedet sich nächsten Sommer aus dem Gremium. Dann endet seine Amtszeit, und er habe nicht vor, sich für zwei weitere Jahre einsetzen zu lassen, sagt Folletête.

Spätestens ein Jahr später will dann auch Guy Jaquet sein Amt beim KTB niederlegen: «Damit nicht die Hälfte aller Stiftungsräte im nächsten Jahr abtritt, warte ich mit meinem Rücktritt bis 2019», sagt er. Als Grund für die Niederlegung seines Amtes gibt Jaquet sein Alter an. Er wird nächstes Jahr 70 und möchte das Leben etwas ruhiger angehen.

Hongler und Brülhart bleiben

Und schlussendlich will auch die einzige Frau im Gremium, Katrin Diem, dem Stiftungsrat den Rücken kehren. Wann ist aber noch offen: «Momentan ist noch zu viel im Fluss, als dass ich mich ohne detaillierte Absprache mit dem Gesamtstiftungsrat auf einen bestimmten Termin festlegen möchte», teilt sie in einem Schreiben an den «Bund» mit.

Man müsse wegen der vielen Abgänge nun nicht befürchten, dass das angesammelte Wissen des Gremiums verloren gehe, sagt Stämpfli: «Es treten ja nicht alle gleichzeitig ab.» Es sei allen ein Anliegen, ihre Rücktrittspläne früh zu kommunizieren, damit für eine Ernennung genügend Zeit bleibe, so der Unternehmer.

Damit verbleiben vorläufig noch zwei Mitglieder des eingespielten Stiftungsrats: Marcel Brülhart, der zurzeit das Gremium als Präsident ad interim führt, und Markus Hongler, CEO der Mobiliar. Letzterer lässt ausrichten, dass er nicht vorhabe, seinen Sitz aufzugeben. Auch Brülhart will vorerst im Stiftungsrat bleiben.

Nicht besorgt über die Häufung der Abgänge ist der Berner Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL). Er kann dem Exodus der Stiftungsräte gar Positives abgewinnen: Es biete die Chance, das Gremium zu verjüngen und mehr Frauen Platz zu machen, so von Graffenried. Marcel Brülhart und Markus Hongler würden zudem die Kontinuität gewährleisten. Von Graffenried geht von einer «geordneten Erneuerung des Gremiums» aus.

«Es gibt 
keinen Grund 
für einen 
überstürzten 
Rücktritt.»
Peter Stämpfli, noch KTB-Stiftungsrat

Der Stadtpräsident stellt dem bisherigen Stiftungsrat ein gutes Arbeitszeugnis aus: «Das KTB hat sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt und ist erfolgreich. Auf dem eingeschlagenen Weg wollen wir weitergehen.» Der Zusammenschluss des Theaters mit dem Berner Symphonieorchester sei gelungen, sagt von Graffenried.

Der Berner Stadtpräsident hat durchaus Vorstellungen davon, was die neue Generation des Stiftungsrats in Angriff nehmen muss: «Eine der grossen Herausforderungen wird es sein, die Generation Y als Publikum zu gewinnen und gleichzeitig das bisherige Publikum zu behalten.»

Noch ist aber nicht bekannt, welche Frau demnächst das zurzeit vakante KTB-Stiftungsratspräsidium und damit die Aufgabe der Verjüngung des Publikums übernimmt: «Die Gespräche laufen, und ich bin zuversichtlich, dass der Gemeinderat im Laufe des Frühlings eine Nachfolgelösung für Benedikt Weibel präsentieren kann», sagt von Graffenried. (Der Bund)

Erstellt: 20.03.2017, 06:44 Uhr

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