Das grosse Geschäft mit dem Altpapier

Am Wochenende nimmt in Bern die grösste Altpapier-Sortieranlage der Schweiz ihren Betrieb auf. Die Anlage dürfte rentieren. Altpapier ist ein wertvoller Rohstoff geblieben.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Neben ihr kommt man sich ganz klein vor: Die grösste Altpapier-Sortieranlage der Schweiz ist so hoch wie ein kleines Haus und steht in einer Halle. Am Donnerstag wurde sie auf dem Firmenareal der Barec-Gruppe an der Wölflistrasse 11 im Berner Nordquartier den Medien vorgestellt.

In der neuen «Recycling-City» sollen künftig 70'000 Tonnen Altpapier und -karton pro Jahr sortiert werden. Der Kartonanteil beträgt knapp ein Drittel. Hauptabnehmer des sortierten Altpapiers sind wiederum Papierfabriken, die daraus Zeitungspapier herstellen. Gemessen an ihrer Grösse sei es die effizienteste Anlage im Land, sagte Urs Schenker, Präsident der Alpabern AG, einem Unternehmen der Barec-Gruppe.

Nebst der Sortieranlage hat die Datarec AG, ebenfalls ein Mitglied der Barec-Gruppe, eine Anlage gebaut, mit der Datenträger mit geheimen Dokumenten oder heiklen Informationen zerstört werden können. Zu den Kunden gehören Banken, Versicherungen oder das Militär. Das Ganze geschieht in einem Hochsicherheitsgebäude, das komplett aus Beton besteht und mit Sicherheitsschleusen und Überwachungssystemen geschützt ist.

Ein global gefragter Rohstoff

Die Barec-Gruppe hat Millionen in die neue Altpapier-Sortieranlage investiert. Rentiert das Geschäft mit Altpapier in der heutigen digitalisierten Welt aber überhaupt noch? «Durchaus», findet Beat Kneubühler, Geschäftsführer des Vereins Recycling Papier und Karton. Altpapier habe sich in den letzten Jahren vom Abfallprodukt zu einem weltweit gefragten Rohstoff entwickelt. So kaufen asiatische Länder wie China Altpapier von westlichen Staaten auf, um es für die Verpackungsindustrie zu verwenden.

Von der Schweiz aus werde aber kein Altpapier nach China verkauft. «Wir sind zu weit von den Exporthäfen entfernt, damit die Verschiffung rentieren würde», sagt Ulrich Egger, Projektleiter Recycling-City. Die Schweiz profitiere aber davon, dass sie Fabriken beliefern könne, die ihren Standort nahe bei den Häfen haben. Auch Egger unterstreicht, dass Altpapier aus globaler Perspektive ein sehr gefragter Rohstoff sei.

Effekte der Digitalisierung

Die Inhalte von Büchern, Zeitschriften und Zeitungen sind heute in den meisten Fällen auch digital abrufbar. Das dürfte sich tendenziell negativ auf den Papierverbrauch auswirken. Aber offenbar hemmt die Digitalisierung das Geschäft mit Altpapier und -karton keineswegs, im Gegenteil. Gerade der Internethandel kann es begünstigen. «Indem sich die Kunden von Zalando ihre neue Bluse nach Hause liefern lassen, kurbeln sie die Verpackungsindustrie an», sagt Beat Kneubühler vom Recycling-Verein.

Dies bestätigt auch der letztjährige Jahresbericht der Schweizer Papierindustrie. Die Statistik zeigt, dass die Auslieferungen und der Verbrauch von Papier und Karton für Verpackungszwecke im Vergleich zum Vorjahr gestiegen sind. Auch im Nachbarland Deutschland ist die Produktion von Papier und Karton für Verpackungszwecke angestiegen, wie eine Statistik des Verbandes Deutscher Papierfabriken zeigt.

1,3 Millionen Tonnen Altpapier

Zudem scheint die Recyclingfreude hierzulande stetig grösser zu werden. So hat die Altpapiersammlung in den letzten Jahren in der Schweiz jedes Jahr neue Rekordwerte erreicht. Mittlerweile werden gemäss Kneubühler über 1,3 Millionen Tonnen Altpapier gesammelt. Rund die Hälfte davon stamme aus den Gemeindesammlungen und damit von privaten Haushalten.

Der Rest seien grösstenteils Verpackungen aus Industrie und Gewerbe. Diese Zahlen zeigen, dass auf jeden Schweizer pro Jahr mittlerweile über 160 Kilogramm Altpapier entfallen. Mehrverbrauch und erhöhte Recyclingfreude führen schliesslich dazu, dass immer mehr Material in der Entsorgung landet.

Auch der Verein Ecopaper, ein Förderverband für umweltverträgliche Papierökologie, ist der Ansicht, dass der Papierverbrauch trotz Digitalisierung kaum abnehme. «Daher setzen wir uns für einen erhöhten Einsatz von Recyclingpapier ein», sagt Rahel Loretan, Geschäftsleiterin von Ecopaper.

Am Samstag, 9. September, kann die Anlage besichtigt werden. (Der Bund)

Erstellt: 08.09.2017, 06:29 Uhr

Artikel zum Thema

Die Karten im Berner Altpapier-Markt werden neu verteilt

Die Barec-Gruppe baut in Bern die schweizweit grösste Sortieranlage für Altpapier. Damit dürfte das Unternehmen schon bald zum regionalen Monopolisten aufsteigen. Mehr...

Die Stadt Bern soll zur Recycling-Königin werden

In einem Pilotversuch will der Gemeinderat die Abfalltrennung fördern. Ausgereift ist die Idee aber noch nicht. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Immobilien

Kommentare

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Bienenzüchter: Im spanischen Valencia protestieren Bienenzüchter für einen nachhaltigen und profitablen Sektor. Sie verlangen, dass die Etikettierung klar ist und beklagten den Preiszerfall. (11.Dezember 2018)
(Bild: Kai Foersterling/EPA) Mehr...