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Das Emmental nicht mit Windturbinen verbauen

Natur- und Landschaftsschützer äussern sich kritisch zu geplanten Windparks.

Vechigen, Ferrenberg, Schonegg, Eriswil und Surmettlen/Gyrsgrat sind die fünf Gebiete, die im Teilrichtplan Windkraftanlagen für die Regionen Emmental und Oberaargau ausgeschieden wurden. Das Konzept sei seriös ausgearbeitet, attestieren Pro Natura Bern und die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL). Die beiden Organisationen haben sich am Vernehmlassungsverfahren beteiligt, das gestern zu Ende ging. Vernichtend hingegen ist das Urteil von SL zur Sache: Vier von fünf Gebieten seien ungeeignet. Grundsätzlich sei der Raum Emmental und Oberaargau für die Windkraftnutzung im grösseren Stil im gesamtschweizerischen Vergleich ungünstig. Der Kanton Bern hätte gut daran getan, die Planung nicht auf die Regionen abzuschieben, sagt Raimund Rodewald, Geschäftsleiter der SL.

Unter anderem der Waldreichtum, der Streusiedlungscharakter und der Naherholungswert seien zu wenig berücksichtigt worden. In den Gebieten Ferrenberg, Schonegg und Surmettlen/Gyrsgrat gebe es Landschaftsschongebiete, in Letzterem gar ein Landschaftsschutzgebiet, schreibt der SL. «Wir haben nur die Kriterien angewendet, die sich die Verfasser des Teilrichtplans selber auferlegt haben», erklärt Rodewald. Das Gebiet Eriswil ist zwar nicht in einem Landschaftsschutz- oder -schongebiet, aber SL bezeichnet die Region als «landschaftliches Kleinod» mit einem attraktiven Wanderwegnetz. Deshalb sei auch dieses Gebiet als Standort für Windkraftanlagen mit einer Höhe bis zu 135 Metern ungeeignet. Einzig das Gebiet Vechigen käme gemäss SL für die Nutzung von Windenergie nach einer Überprüfung bezüglich der Abstände zu den Wohnhäusern infrage. SL fordert aber statt der 300 Meter Abstand, wie es das Konzept vorsieht, 1000 Meter Abstand.

Konzentrierte Nutzung von Wind

Beide Organisationen, SL und Pro Natura, sprechen sich für eine konzentriertere Nutzung aus. Auch aus ökonomischen Überlegungen müssten an einem Standort mindestens neun bis zehn Turbinen aufgestellt werden und nicht nur drei bis vier, wie dies im Emmental und Oberaargau der Fall wäre.

Nur im Gebiet Surmettlen/Gyrsgrat fordert Pro Natura, ganz von einem Windpark abzusehen. Dies, weil das Oberemmental ein «landschaftlich herausragender Raum» sei.

Die Regionsvereine Emmental und Oberaargau haben die Vernehmlassungsantworten von Organisationen, Gemeinden und Privatpersonen gesammelt. Die Eingaben wolle man nun an einer Sitzung mit den kantonalen Ämtern besprechen und dann Antworten verfassen, sagt Karen Wiedmer, Geschäftsführerin Region Emmental. Insbesondere müsse man sich überlegen, wie man mit der Vernehmlassungsantwort von SL umgehen wolle.

«Nicht alles im Keim ersticken»

Für ein Dilemma sorgen der Teilrichtplan und die Vernehmlassungsantworten beim grünen Grossrat Christoph Grimm aus Burgdorf. Einerseits akzeptiere er die Einwände der Natur- und Landschaftsschutzorganisationen, anderseits forderten die Grünen mit ihrer Initiative «Bern erneuerbar» die Versorgung des Kantons Bern mit erneuerbarer Energie. «Man sollte den fünf Projekten ein positives Signal geben und nicht alles im Keim ersticken», sagt Grimm. Deshalb bedaure er auch die Antwort von SL. Weil man das Rad der Zeit nicht zurückdrehen und einfach den Stromschalter abschalten könne, müssten Kompromisse geschlossen werden. Die Schweiz sei zwar kein Windenergie-Land, aber es gelte, alle Möglichkeiten auszuschöpfen.

Nicht beteiligt am Vernehmlassungsverfahren hat sich der Berner Vogelschutz (BVS). «Für uns sind die Windkraftanlagen aber ein wichtiges Thema», sagt Theres Keller, Präsidentin des BVS. Die Vogelschutzorganisationen würden sich in den einzelnen Gebieten auf Stufe Baugesuche einbringen. Dafür müssten sie die genauen Standorte der Turbinen kennen, sagt Keller. Zusammen mit der Vogelwarte Sempach würden sie nun die Verbreitungskarten konsultieren.

Wenn in einem Raum eine Konzentration insbesondere von geschützten Vögeln oder ein Zuggebiet vorhanden sei, komme eine Windturbine nicht infrage. Besonders gefährdet seien etwa Greifvögel, weil sie ihren Blick beim Fliegen stets nach unten gerichtet hielten. Aber auch für nachtaktive Vögel oder solche, die in Schwärmen fliegen, seien Windturbinen gefährlich.

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