Das BFM will homosexuellen Nigerianer definitiv ausschaffen

Der schwule Nigerianer O. soll die Schweiz nun definitiv verlassen. Um Proteste zu verhindern, wurde er unterdessen nach Burgdorf verlegt.

O. wurde inzwischen aus dem Berner Regionalgefängnis (im Bild) nach Burgdorf verlegt.

O. wurde inzwischen aus dem Berner Regionalgefängnis (im Bild) nach Burgdorf verlegt.

(Bild: Adrian Moser)

Es wurden Demonstrationen veranstaltet, Protestbriefe verfasst, Unterschriften gesammelt und öffentlich Küsse verteilt – doch genützt hat alles nichts. Der schwule Nigerianer O.* soll nun definitiv nach Nigeria rückgeführt werden. Am 9. Mai wird er einer Delegation der nigerianischen Botschaft vorgeführt, um ein Reiseersatzdokument, das sogenannte Laissez-passer, zu erwirken. Das teilte das Unterstützungskomitee von O. gestern mit.

Sonderflug bei Weigerung

Das Bundesamt für Migration (BFM) äussert sich aus «Datenschutzgründen» nicht zu dem Fall. Das Amt bestätigt aber, dass ein Laissez-passer häufig «Voraussetzung für den Vollzug von Ausweisungen» ist. Als nächster Schritt würde O. per Linienflug nach Nigeria geschickt. Sollte sich O. weigern, das Flugzeug zu besteigen, würde er zu einem späteren Zeitpunkt auch gegen seinen Willen mittels eines Sonderflugs nach Nigeria ausgeschafft.

Amanda Baghdassarians vom Unterstützungskomitee will aber noch nicht aufgeben. Ein Wiedererwägungsgesuch werde im Laufe der nächsten Tage eingereicht, sagt sie auf Anfrage. Wenn das BFM darauf eingeht, muss das Amt O.s Asylgesuch erneut prüfen. Bereits 2013 stellte O. ein Wiedererwägungsgesuch. Das BFM lehnte dieses ab, weil es die Glaubwürdigkeit von O. infrage stellte und in den beigefügten Dokumenten keinen Hinweis auf eine konkrete persönliche Verfolgung von O. sah. Alleine der Umstand, dass Homosexualität in Nigeria mit 14 Jahren Haft bestraft werden könne, reiche für einen positiven Asylbescheid nicht aus, heisst es im Schreiben. Zudem könne er in Lagos, der Hauptstadt von Nigeria, relativ frei leben, «wenn er mit seiner Homosexualität diskret umgeht».

Baghdassarians stört sich auch daran, dass O. am Montag vom Regionalgefängnis Bern nach Burgdorf verlegt wurde. Das mache es schwieriger für das Komitee, regelmässige Aktionen zu veranstalten, sagt sie. «Wir werden trotzdem keine Ruhe geben.» Weitere Aktionen seien in Planung, spruchreif sei aber noch keine.

*Name ist der Redaktion bekannt

Der Bund

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