Für ein besseres Nachtleben

Stadt Bern

Der Gemeinderat hat am Montag das Konzept für das Berner Nachtleben vorgelegt. Die Stadt möchte den Jugendlichen einen Raum zur Verfügung stellen und die Bewilligungen für Freiluftpartys lockern.

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An einen ungewöhnlichen Ort haben Stadtpräsident Alexander Tschäppät und Sicherheitsdirektor Reto Nause gestern die Journalisten geladen. Vor den weiss gekachelten Wänden und im kühlen Licht der Garage der ehemaligen Sanitätspolizei haben sie das lang erwartete Konzept zum Berner Nachtleben präsentiert. 18 Massnahmen sind darin vorgesehen. Der erste Entwurf vom September 2012 war nach einem zweiten runden Tisch, an dem sich die Stadtbehörden mit Institutionen, Kulturanbietern sowie Bar- und Clubbetreibern ausgetauscht hatten, überarbeitet und um drei Massnahmen erweitert worden (siehe Box). Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass vorab zwei Massnahmen für Spannungen sorgen werden.

«Fehlendes Stück in Ausgehmeile»

Einerseits geht es um den Garagenraum an der Nägeligasse 2 mit Ausfahrt zur Schüttestrasse. Diesen haben Tschäppät und Nause für ihre Präsentation nicht zufällig ausgewählt. «Hier, im ehemaligen freien Gymnasium, gingen Jugendliche während Jahrzehnten ein und aus. Das wollen wir nun wieder», sagte Tschäppät. Der Gemeinderat habe entschieden, das Parterre und das Kellergeschoss der Schüttestrasse für das Nachtleben anzubieten. Vielleicht sei das Haus zwischen Bollwerk, Aarbergergasse, Speichergasse, Progr und Kornhausplatz «das fehlende Stück zur Berner Ausgehmeile». Damit ist auch klar, dass weder die Innenstadtreinigung die Räume nutzen wird noch die Drogenanlaufstelle von der Hodlerstrasse dorthin verlegt wird. Diese Möglichkeiten waren bis vor kurzem noch in Betracht gezogen worden.

Der Gemeinderat möchte den Raum nun sowohl für kommerzielle als auch nicht kommerzielle Veranstaltungen zur Verfügung stellen. «Jugendliche können Projekte eingeben, welche dann im Rahmen einer Zwischennutzung geprüft und vergeben werden», sagte Tschäppät. Dieser Vorschlag kommt bei GFL-Stadtrat Manuel C. Widmer gut an. Dass Jugendliche in der Innenstadt einen Raum für eigene Projekte erhalten sollen, sei von der Stadt «extrem grosszügig», zumal es 16- bis 18-Jährigen an Möglichkeiten zum Ausgehen fehle, sagt er. Überhaupt sei das Resultat mehr als ein Bekenntnis aus Papier. «Innerhalb zweier Jahre ist aus der konstruktiven Zusammenarbeit ein geputztes und gesträhltes Konzept entstanden, womit wir mehr erreicht haben, als wir uns je erträumt hatten.» Der Gemeinderat erwägt allerdings, dass der neue Raum die Funktion des Gaskessels übernehmen könnte. Dies sieht Widmer als «Seitenhieb». Auf eine Motion Widmers hin hatte sich der Gemeinderat erst vor wenigen Monaten noch hinter das Jugend- und Kulturzentrum gestellt. Es gehe nicht an, dass er der Jugend das Zentrum nun wieder enteigne. «Der Raum in der Innenstadt darf nicht als Ersatz für den Gaskessel herhalten», sagt Widmer. Als Ergänzung möchte auch Thomas Berger, Präsident Pro Nachtleben Bern, das Angebot in der Stadt sehen.

Freiluftpartys im Wald

Erstaunen löst auch ein weiterer Punkt im Konzept aus, der vorerst als Pilotprojekt starten soll. Der Gemeinderat sieht vor, das Bewilligungsverfahren für Freiluftpartys zu vereinfachen. Damit soll illegalen Partys im Wald ein Riegel geschoben werden. Laut Tschäppät sind dafür mehrere Orte vorgesehen, unter anderem der Glasbrunnen im Bremgartenwald. Dort hatten sich immer wieder Leute für illegale Partys getroffen. Im vergangenen Juli versammelten sich über 500 Personen zu einer bewilligten Feier, was Klagen über Lärm und Littering provozierte. Jürg Weder, Präsident des Länggass-Leists, hatte dies als «Zumutung» für Natur und Tiere kritisiert, die liegen gelassenen Abfälle als «Katastrophe» bezeichnet. Gestern wollte er zur präsentierten Massnahme im Nachtleben-Konzept keine Stellung nehmen. Man werde sich zu einem späteren Zeitpunkt umfassend dazu äussern, hiess es.

«Wir sehen es als kritisch an, dass solche Partyorte im Grünen definiert werden. Insbesondere im Wald stellt der Lärm ein Problem für die Tierwelt dar», sagt hingegen Jan Ryser, Geschäftsführer von Pro Natura Bern. Am problematischsten seien solche Veranstaltungen während der Fortpflanzungszeit der Tiere vom Frühling bis im Sommer. Stefanie Gerber-Frösch, Mediensprecherin der Burgergemeinde Bern, entgegnet: «Solche Feste finden sowieso statt. Uns ist es lieber, sie werden dank der Bewilligungen an klare Auflagen gekoppelt, als dass sie illegal abgehalten werden.»

Laut Nause wollen die Behörden sicherstellen, dass die Feste in einem überschaubaren Rahmen bleiben. «Bedingung ist, dass für solche Anlässe nicht über Social Media Werbung betrieben wird, sondern etwa über Handzettel», sagte er.

Der Bund

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