Studie zu Jugendgewalt schlummert in der Schublade

Das Jugendamt hat Masssnahmen gegen die Jugendgewalt erarbeiten lassen – hält das Papier aber zurück.

Stabil: Die Anzahl der Jugendgewalttaten in der Stadt Bern. (Symbolbild)

Stabil: Die Anzahl der Jugendgewalttaten in der Stadt Bern. (Symbolbild)

(Bild: Keystone)

Die Anzahl Verletzter durch Tätlichkeiten ist in den letzten zehn Jahren zunächst deutlich gestiegen, zuletzt aber gleich geblieben. Das steht in einem bisher nicht veröffentlichten Bericht der Stadt Bern zum Thema «Jugend und Gewalt», der dem «Bund» vorliegt. Unter der Federführung des Jugendamtes arbeiteten Fachleute aus verschiedenen Bereichen, wie Polizei, Jugendanwaltschaft oder Nachtleben am Bericht mit.

Die Situation in Bern sei im Vergleich mit anderen Städten «nicht alarmierend». Allerdings lässt vor allem die Intensität von Gewaltakten unter Jugendlichen aufhorchen. Ein Vertreter des Notfallzentrums am Inselspital berichtet von 300 Verletzten im Jahr. Die meisten Jugendlichen würden am Wochenende eingeliefert, viele alkoholisiert. «Besonders besorgniserregend»: 77 Prozent der Verletzungen sind Knochenbrüche am Kopf, die etwa entstehen können, wenn auf ein am Boden liegendes Opfer eingetreten wird.

«Im letzten Jahr ist im Berner Nachtleben einiges passiert»

Laut dem Bericht decken die heutigen Präventionsangebote den Bedarf «grundsätzlich». Es gebe aber Verbesserungsmöglichkeiten. Deshalb werden dem Gemeinderat zehn Massnahmen vorgeschlagen, wie die Anzahl der Gewalttaten unter Jugendlichen reduziert werden könnte: darunter etwa die Durchführung von Informationsanlässen an Schulen. Dabei sollen Oberstufenschüler über juristische und medizinische Folgen von Tritten und Schlägen aufgeklärt werden. Zudem werden Merkblätter für Eltern oder Hausbesuche der Jugendanwaltschaft in den Familien vorgeschlagen. Die Massnahmen an den «Hotspots» der Stadt beinhalten ein Verkaufsverbot von Alkohol über die Gasse nach 20 Uhr und erhöhte Polizeipräsenz in Nachtstunden am Wochenende. Weiter empfiehlt die Arbeitsgruppe ein Monitoring durchzuführen und eine Jugendkommission ins Leben zu rufen, die sich mit der Umsetzung der Massnahmen beschäftigt.

Der Bericht ist seit einem Jahr fertig, wurde dem Gemeinderat aber noch nicht vorgelegt. «Im letzten Jahr ist im Berner Nachtleben einiges passiert», sagt Jürg Häberli, Leiter des städtischen Jugendamtes. «Deshalb warten wir im Moment noch ab, um die neusten Erkenntnisse in den Bericht einbeziehen zu können.» Zudem wolle man ein nationales Präventionsprogramm abwarten. Zurzeit bestehe kein dringender Handlungsbedarf: «Die Situation im öffentlichen Raum ist heute besser als vor zehn Jahren.»

Der Bund

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