Dann tun sie Gutes und ernten trotzdem Häme

Analyse

«Dick und Doof»: Die SVP-Grossräte Thomas Fuchs und Erich Hess sind wieder einmal Zielscheibe von Spöttern – zu unrecht.

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Jetzt spottet er wieder, der Facebook-Pöbel. Die Opfer: die SVP-Grossräte Thomas Fuchs und Erich Hess. Diese haben sich für eine Wohltätigkeitsveranstaltung für Aids-Kranke verkleidet. Der «Bernerbär» schmückte mit entsprechendem Foto seine Titelseite. Seither macht es in sozialen Netzwerken die Runde. Meist versehen mit einem schlichten «Dick und Doof».

Es ist nicht das erste Mal, dass die beiden Politiker zur Zielscheibe von Spöttern werden. Im Gegenteil, auf der Videoplattform Youtube wimmelt es von Parodien auf ihre Kosten: Der Berner Komiker Müslüm singt: «Erich, warum bisch Du nid ehrlich», ein paar junge Hip-Hopper küren «Tommy F.» zum krassesten Gangster Berns, und gar die deutsche «Heute Show» versuchte, Erich Hess blosszustellen. All diesen Attacken ist eines gemein: Sie zielen auf die Person, nicht auf die Politik; sie sind inhaltsleer, hohl. Aber das kümmert nicht. Wer sich über der Berner liebste Schiessbudenfiguren lustig macht, hat den Applaus auf sicher. Mut ist anders!

Furchtloser Einsatz

Mut ist, wenn man als Politiker der konservativen SVP seine Homosexualität offen lebt. Fuchs geht gar noch weiter: Er engagiert sich offensiv für die Rechte von Schwulen und Lesben. Das hat eine enorme Schlagkraft. Denn Fuchs ist weder feingeistig noch stilvoll gekleidet, geschweige denn hübsch anzuschauen. Damit verkörpert er persönlich, dass Homosexualität bloss eine sexuelle Neigung bezeichnet, nicht aber eine Charaktereigenschaft oder gar ein Qualitätsmerkmal. Was gibt es heutzutage Fortschrittlicheres als das?

Und Erich Hess. Einen furchtloseren Menschen als den Lastwagenchauffeur mit der Igelfrisur gibt es in der Berner Politszene nicht. Einmal verbrachte er eine bierselige Nacht in der Reitschule - gemeinsam mit den lokalen Wortführern des militanten Anarchismus. Einer linken Filmemacherin unterschrieb er eine Generalvollmacht, die ihr die Bildrechte an sämtlichen aufgenommenem Material zugestand. Bei der Premiere des daraus resultierenden Filmes «Er/Ich» übertönte sein schallendes Gelächter die Schadenfreude des linken Publikums. Hess ist neugierig, zugänglich und verfügt über eine gehörige Portion Selbstironie.

Schütteln und weiter

Auch die aktuelle Aktion verdient eher Respekt denn Häme. Verkleidungen muss man mögen, gegen die Teilnahme an einer Wohltätigkeitsveranstaltung ist nun aber wirklich nichts einzuwenden. Klar, bei solchen Auftritten steckt auch immer Kalkül dahinter. Das Engagement scheint trotzdem glaubwürdig. Und noch etwas: Wer glaubt, die beiden liessen sich durch Spott verunsichern, irrt gewaltig. Fuchs und Hess sind wie Hunde. Werden sie nass, schütteln sie sich kurz und laufen dann unbeirrt weiter.

DerBund.ch/Newsnet

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