Stephanie Gräve hat Stephan Märki angezeigt

Juristische Nachlese im Konflikt am Stadttheater Bern: Der Intendant nimmt zwei Behauptungen zurück.

Stephanie Gräve hat Stadttheater-Intendant Stephan Märki angezeigt.

Stephanie Gräve hat Stadttheater-Intendant Stephan Märki angezeigt.

(Bild: Manu Friederich)

Daniel Di Falco

Gut ein Jahr ist es her, seit der Stiftungsrat des Berner Stadttheaters Stephanie Gräve als Leiterin der Schauspielsparte vor die Tür gesetzt hat. Und ein halbes, seit er sich mit ihr über die Auflösung ihres Vertrags geeinigt hat. «Für uns ist damit alles erledigt», erklärte Stiftungsratspräsident Benedikt Weibel damals.

Für Stephanie Gräve gilt das allerdings nicht Und auch nicht für Stephan Märki, den Intendanten des Stadttheaters, der im Januar 2016 Gräves Freistellung verlangt hatte, aus Gründen «persönlicher Inkompatibilität», so die nachgelieferte offizielle Erklärung. Gräve hatte sich schon anlässlich der Einigung letzten Sommer über «rufschädigende» Aussagen Märkis beschwert: In einem Interview im «Kleinen Bund» habe er ihr vorgeworfen, sie allein habe sich einer konstruktiven Lösung des Konflikts verweigert. Zudem habe er sie auch als Künstlerin diskreditiert. Entsprechende Vorbehalte habe sie bei einer Bewerbung zu spüren bekommen.

Ein Vorfall per Mail

Nun hat sich Stephanie Gräves Anwalt mit jenem Stephan Märkis getroffen. Anlass: BM 16 27247, ein Verfahren vor der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland. Es zeigt, wie hoch der Konflikt hinter den Kulissen wogte. Oder wie tief das Zerwürfnis der zwei Theaterleute reicht. Tatsächlich hat Gräve Strafanzeige eingereicht, und zwar «wegen übler Nachrede, evtl. Verleumdung».

Es geht um zwei Behauptungen, die Märki gemacht hat, und zwar in einem E-Mail-Austausch mit Samuel Schwarz. Also jenem Theatermacher, der das Stadttheater in der ganzen Affäre wiederholt kritisiert hat (nämlich als «Struktur» mit, aus seiner Sicht, kunstfeindlichen Machtverhältnissen).

Gräve sei die Person, die sich unter dem Pseudonym «Ben» in den Leserkommentaren der Theaterplattform Nachtkritik.de «mehrfach negativ» über das Stadttheater geäussert habe. Das ist die eine Behauptung Märkis nach dem Wortlaut des Vergleichs, den er und Gräve beziehungsweise ihre Anwälte in diesen Tagen unterschrieben haben. Die andere Behauptung: Gräve habe schon an ihrer vorherigen Stelle in Basel als stellvertretende Direktorin «gegen das Theater intrigiert» und darum «sogar offiziell Kontaktverbot» bekommen.

Ist das schon Grund genug für eine Strafanzeige? «Es war noch mal belastend, aber ich kann nicht in Angst und Ohnmacht verharren», sagt Stephanie Gräve auf Anfrage. «Es geht um meinen Ruf, ich musste diesen Unwahrheiten endlich ein Ende bereiten, und zwar öffentlich.» Sie kursierten bereits gerüchteförmig in Theaterkreisen, wo sie ihr «berufliche Nachteile» bereiteten. «Zudem will ich nicht charakterlich als Quertreiberin diffamiert werden, nachdem man mir arbeitsrechtlich keinen Vorwurf machen konnte.»

Die Sache mit dem «Arschloch»

Stephan Märki hat seine Behauptungen zurückgezogen. Er «anerkennt», heisst es im Vergleich der beiden Parteien, dass Gräve nicht Ben sei. Und dass sie in Basel kein Kontaktverbot gehabt habe. Er habe die entsprechenden Informationen von Drittpersonen erhalten, so Märkis Erklärung gemäss dem Vergleich. Was ihn dazu brachte, ihnen zu trauen, muss offen bleiben: Der Intendant, gestern angefragt, will keine Fragen zum Vergleich beantworten. «Die erklärte Absicht der Vereinbarung war ein beidseitig verbindlicher Schlussstrich. Ich halte mich daran.»

So etwas wie eine Schweigeklausel in dieser Sache umfasst der Vergleich, der dem «Kleinen Bund» vorliegt, allerdings nicht Wohl aber die Verpflichtung für Märki, die zwei Behauptungen künftig nicht mehr zu wiederholen. Und das gegenüber «jeglichen Drittpersonen aus dem beruflichen wie privaten Umfeld».

Allerdings: das «Arschloch» und der «Idiot». Mit diesen «Beschimpfungen» hat Stephanie Gräve ihren Chef «in der Vergangenheit» einmal bedacht, und zwar «in der Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit», wenn auch nicht direkt, so doch anderen Theaterleuten gegenüber. Auch das steht im Vergleich, zu dem sich die zwei Parteien bekennen. Märki hat die Sache seinerseits vorgebracht, auf Gräves Anzeige hin. Trübt das nicht ihr Bemühen um «Rehabilitierung», wie sie es nennt? «An die konkreten Vorfälle kann ich mich nicht erinnern. Natürlich fällt unter emotionalen Künstlern einmal ein Kraftausdruck. Aber es ist etwas völlig anderes, eine ernstlich diffamierende Geschichte zu erfinden und zu verbreiten.»

«Definitiv ausräumen»

Wie du mir so ich dir. Und wenn ich dir nicht dann du mir nicht. Gräve zieht ihre Anzeige wegen der zwei Behauptungen Märkis zurück. Und er reicht seinerseits keine ein wegen der «angeblich gegen ihn gerichteten Beschimpfungen» Gräves, so der Vergleich.

Zu einer Gerichtsverhandlung kommt es somit nicht. Und das gilt, so heisst es im Vergleich, «unwiderruflich». Sowie «im Bestreben, die vorliegenden Differenzen im beidseitigen Einvernehmen und definitiv auszuräumen».

Der Bund

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