Dänischer Bernkritiker ergattert sich Auftrag für Altstadt-Studie

Der renommierte Stadtplaner Jan Gehl soll den Fussverkehr in Berns Innenstadt analysieren. Bereits wird Kritik laut.

Der Däne Jan Gehl hat sich den Auftrag für eine Altstadt-Studie ergattert.

Der Däne Jan Gehl hat sich den Auftrag für eine Altstadt-Studie ergattert. Bild: Valérie Chételat

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Letzten Sommer sorgte er mit seiner Kritik am Verkehr in Bern für Wirbel. Nun soll der dänische Architekt und Planer die Berner Innenstadt attraktiver machen. Dies teilte die Berner Verkehrsdirektorin Ursula Wyss (SP) gestern mit. Der Gemeinderat hat einen Kredit von 150?000 Franken für eine sogenannte «Public Space Public Life Studie» in der Innenstadt gesprochen. Das dänische Büro Gehl Architects hat im beschaffungsrechtlichen Verfahren den Zuschlag erhalten. «Die Offerte der Dänen war am günstigsten», erklärt Karl Vogel, Leiter der Berner Verkehrsplanung.

Die Dänen sollen herausfinden, zu welchen Zeiten sich die Menschen in der Innenstadt aufhalten, wo sie dies tun und warum. Zu diesem Zweck werden sie gemäss Vogel mit etwa 30 Berner Studenten zusammenarbeiten. Die Studierenden werden nach den Sommerferien in der Stadt ausschwärmen und die Menschen beobachten. Zudem werden sie die beobachteten Menschen interviewen.

Durch die Analyse wolle man herausfinden, was die Fussgänger in der Berner Innenstadt benötigten, damit die Stadt attraktiver werde, sagt Vogel. Zwar kenne man viele Konfliktzonen bereits. «Aber solche Studien sorgen meist für Überraschungen.» Klar sei bereits, dass die Lauben zu eng seien. Hingegen stünden in den Gassen die Fussgänger mit den Velofahrerinnen im Konflikt. Und am Mittag wollten Schüler rund um den Waisenhausplatz picknicken, während Geschäftsleute durch die Gassen eilten.

Der Studienauftrag umfasst die obere und untere Altstadt. Der Bahnhofplatz sei davon ausgenommen, sagt Vogel. Denn für das Gebiet rund um den Bahnhof sei bereits eine Studie geplant. Aufgrund von Gehls Analyse, die Ende Jahr vorliegen soll, würden voraussichtlich andere Ingenieure und Planer damit beauftragt, konkrete Lösungen für die evaluierten Probleme zu finden.

Die Studie und die nachfolgende Planung zur Innenstadt sind Teil des neuen Richtplans Fussverkehr. Ein Entwurf des Richtplans ist bis Mitte September im Mitwirkungsverfahren. Quartierorganisationen und andere Interessenvertreter beurteilen den Entwurf.

Kritik von Interessenvertretern

Gisela Vollmer (SP), Stadträtin, Raumplanerin und Geschäftsführerin von Fussverkehr Kanton Bern, kritisiert das Vorgehen der Stadt. Als Grundlage des Richtplans Fussverkehr hätte die Analyse früher stattfinden sollen, sagt sie. Sie bemängelt, im Richtplan, der bereits in der Vernehmlassung ist, fehle ausgerechnet die Innenstadt als Schlüsselstück. Zudem sei es falsch, das Gebiet um den Bahnhof nochmals separat zu untersuchen: «Man kann die Stadt nicht so zerstückeln.» Die Fusswege müssten ein Netz über die ganze Stadt bilden. Schliesslich behagt Vollmer nicht, dass der Auftrag an ein ausländisches Büro gegangen ist. «Es kennt die Gegebenheiten vor Ort nicht», sagt sie.

Auch Sven Gubler, Direktor von Bern City, hätte es lieber gesehen, wenn die gewählten Planer mehr Kenntnis der lokalen Gegebenheiten hätten. Andererseits sieht er die Aussensicht auf Bern als «teure» Chance und hofft, dass sie zu «pragmatischen» Lösungen führt. Gehls letztjährige Kritik an Bern wertet Gubler als allgemeine Haltung zum Thema Verkehr. Seine Aussagen hätten eher «werbe­technischen» Charakter gehabt.

Gehl hatte letzten Sommer im Interview mit dem «Bund» gesagt, das Verkehrskonzept im Stadtzentrum sei ein schlechter Kompromiss. Wer aus dem Bahnhof komme, werde beinahe von einem Bus überfahren, und die Altstadt müsste entrümpelt werden. Insbesondere empfahl Gehl, den Autoverkehr im Stadtzentrum stark einzuschränken. Der Gemeinderat hatte den dänischen Stadtplaner für einen zweitägigen Besuch nach Bern eingeladen, um Impulse für die Stadtentwicklung zu erhalten. (Der Bund)

Erstellt: 07.07.2016, 08:15 Uhr

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