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Dächlikappe, kurze Hosen und das Heulen der Gitarre

Was lange währt, bleibt lange gut: AC/DC rocken unverdrossen dem Rentenalter entgegen und beglücken das Publikum im ausverkauften Stade de Suisse.

AC/DC-Leadgitarrist Angus Young setzt im Stade de Suisse zu seinem unverkennbaren Tanzschritt an.
AC/DC-Leadgitarrist Angus Young setzt im Stade de Suisse zu seinem unverkennbaren Tanzschritt an.
Adrian Moser
Young in seiner Schuluniform.
Young in seiner Schuluniform.
Adrian Moser
Die Verlängerung eines einzigen Songs: AC/DC-Sänger Brian Johnson und seine Kollegen muss man einfach gern haben.
Die Verlängerung eines einzigen Songs: AC/DC-Sänger Brian Johnson und seine Kollegen muss man einfach gern haben.
Adrian Moser
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Sie fangen genau so an, wie man sie kennt, sie machen genau so weiter, wie man es von ihnen erwartet, aber genau das macht sie so unvergleichlich: dass sie am besten sind, wenn sie sich gleich bleiben. AC/DC, die australische Hardrockgruppe schottischer Herkunft, hat das Zufriedenstellen gleich bleibender Kundenwünsche zur Perfektion getrieben. Mit millimetergenau gefrästen Riffs aus den Gitarren der beiden Young-Brüder, dem maschinenschweren Taktspiel der Rhythmusgruppe und dazu Sänger Brian Johnson mit seiner Dächlikappe und den brünstig ausgestossenen, am Rhythm ’n’ Blues der schwarzen Vorbilder inspirierten Stummelzeilen.

Freude in Schwarz

Und wie lange brauchen die fünf diesmal, bis sie ihr Publikum im Stade de Suisse erstmals in den Zustand versetzen, von dem ihre Lieder seit 35 Jahren handeln? Zehn Minuten und drei Stücke, um genau zu sein. Denn bei «Back in Black» aus dem gleichnamigen Rückkehralbum von 1980 kommt unter dem fahlen Berner Abendhimmel erstmals Freude auf.

Der Puls schnellt hoch

Zwischendurch flacht die Erregung während der Strophen etwas ab, das war Bruce Springsteen bei seinem unvergesslichen Auftritt vor knapp einem Jahr am selben Ort nie passiert. Aber auf das Finale hin und mit Stücken wie «You Shook Me» und selbstverständlich «Highway to Hell» schnellt der Puls wieder hoch.

Man muss die fünf einfach gern haben, weil sie dermassen unverdrossen dem Rentenalter entgegenrocken. Zwischendurch, in den Achtzigern, hatten AC/DC die Orientierung etwas verloren und erst vor zehn Jahren auf den rechten Weg zurückgefunden. Der führte schliesslich zu «Black Ice», ihrem letzten Album. Es ist an diesem Abend mit drei Liedern vertreten, die kaum abfallen.

Angus Young und seine Gitarre

Zuvor haben Krokus das Stadion ein wenig vorbeheizt. Das Solothurner Quintett hatte sich zu Beginn seiner ansehnlichen, wenn auch nicht anhaltenden Erfolgskarriere auf das Prinzip verständigt, mit dem später kleine Autos verkauft wurden: Reduce to the Max.

Zu ihrem Schrecken entdeckten sie an einem frühen Konzert von AC/DC, dass die Australier schon lange angekommen waren, wo die Schweizer noch hinwollten. Das erklärt, warum die Vorgruppe ihre Nachfolger stilistisch ideal ergänzt. Zwar gelingt es Krokus nicht wirklich, das Publikum mit ihrem 45-Minuten-Auftritt in Wallungen zu versetzen. Aber sie liefern das Gewünschte ab.

Das gilt noch viel mehr für AC/DC, die das ganze Konzert über nie vergessen, was Leadgitarrist Angus Young mit entwaffnender Ehrlichkeit so formuliert hat: «Alles in allem ist AC/DC die Verlängerung eines einzigen Songs. Alles ist ein einziges kontinuierliches Lied.» Und so wie der Musiker, der als ebenso bescheidener wie sympathischer Mensch beschrieben wird, sein Instrument behandelt, wie er diese gleissenden Intros vorträgt, die scharf gekanteten Akkorde, die im Blues getränkten Soli, spielt es absolut keine Rolle, dass er mit seiner Schuluniform und Stirnglatze komisch aussieht. Wer so Gitarre spielt, könnte auch im Ballettkleid auftreten.

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