Cupfinal: Gemeinderat will Fussballverband zur Kasse bitten

Der Unmut über die Ausschreitungen im Vorfeld des Cupfinals hallt nach. Die Stadt will den SFV und die beiden Clubs zur Kasse bitten.

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Die Berner Stadtregierung wird den Schweizerischen Fussballverband (SFV) «in die Pflicht nehmen», wie es in einer Mitteilung des Gemeinderats heisst. Der SFV hatte sich in den Verhandlungen im Vorfeld des Cupfinals bereit erklärt, 200 000 Franken für die Sicherheitskosten zurückzustellen, sollte der Cupfinal «nicht ordnungsgemäss» verlaufen. Gestützt auf das städtische Gebührenreglement und frühere Bundesgerichtsentscheide, wird Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) dem SFV einen Betrag in Rechnung stellen. «Es steht jetzt schon fest: Die Rückstellungen werden die Sicherheitskosten keinesfalls decken.» Man werde aber zuerst mit den beteiligten Parteien zusammensitzen und den «im Vorfeld gepflegten Gesprächsprozess zu Ende führen».

Dem «Bund» liegt die Bewilligung vor, über die Nause mit dem SFV verhandelt hat. Eine Durchsicht zeigt: Die Stadt könnte dem Organisator auch noch weitere Kosten verrechnen.

Gebühr von 60 Franken

In der Bewilligung für den Cupfinal erlässt die Stadt den Veranstaltern nämlich 18 000 Franken für die Reinigung und 8000 Franken für Absperrungen und Signalisation. Zu bezahlen hat der SFV demnach lediglich 60 Franken für die Bearbeitung des Gesuches und einen unbekannten Betrag für zusätzliche Abfalleimer und mobile Toiletten.

Es scheint zunächst, als würden auch die Clubs milde behandelt: Falls im Umfeld des Cupfinals Schäden durch «Dritte» entstehen, haften die beiden Clubs nicht, «soweit sie ihren Pflichten gemäss diesen Bedingungen nachgekommen sind». Zu den Bedingungen gehörte, dass die Clubs eine Fanbetreuung, eine Ansprechperson für die Behörden und einen «eigenen Ordnungsdienst» organisieren. Laut Nause habe der FC Zürich diese Bedingungen zwar erfüllt – funktioniert habe es augenscheinlich aber nicht. Ein erklärtes Ziel des verschärften Hooligan-Konkordats ist es, die Clubs verstärkt in die Pflicht nehmen zu können. Warum also sollten sie sich nicht auch für entstandene Schäden verantworten oder sich ebenfalls an den Sicherheitskosten beteiligen?

«Ein Versuch, keine Garantie»

Zunächst kann laut Gesetz nur der Veranstalter, also der SFV, für erhöhte Sicherheitskosten in die Pflicht genommen werden. Es ist ausserdem nicht Sache der Clubs, für die von Fans oder «Dritten» angerichteten Schäden aufzukommen: «Entweder der Beschädigte zahlt selber, seine Versicherung übernimmt die Kosten, oder der Täter kann ermittelt werden und bezahlt», sagt der auf Sportrecht spezialisierte Zürcher Jurist Andras Gurovits. Dass bei einem Fanmarsch selten mit dem Finger auf jemanden gezeigt werden könne, sei leider der Normalfall. «Es gibt bei uns nach wie vor kein System, bei dem jemand stellvertretend für einen anderen haftet», dass also Clubs die verursachten Schäden der randalierenden Fans begleichen würden.

Es muss eine bittere Pille sein, welche der Gemeinderat zu schlucken hat. Was taugt eine Bewilligung, wenn Sicherheitskosten vom Veranstalter nur ungenügend gedeckt und Schäden nicht ohne weiteres durch die randalierenden Fans beglichen werden müssen? «Viel mehr kann man unter diesen Bedingungen im rechtlich möglichen Rahmen nicht erwarten. Es war ein Versuch», sagt Gurovits. «Aber keine Garantie.»

Der Beweis steht weiterhin aus

Nause ist enttäuscht, dass sich der Organisator und der FCZ nur ungenügend von den Ereignissen distanziert haben. «Der SFV ist uns noch eine Erklärung schuldig – oder wenigstens eine Entschuldigung an die Stadtbevölkerung.» Der Beweis, dass ein Cupfinal ohne Fanmarsch nicht funktioniere, stehe weiterhin aus. Der SFV habe sich geweigert, die Fans über die Bahnhöfe Wankdorf und Ostermundigen anreisen zu lassen oder Fanzonen einzurichten. Einen Erfolg könne er aber verbuchen: «Der Verband hat erstmals anerkannt, dass die Ereignisse im öffentlichen Raum auch an das Spiel gekoppelt sind.»

DerBund.ch/Newsnet

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