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Club-Betreiber bestreitet Banküberfall

Der Mitbetreiber des ehemaligen Berner Ausgehlokals «Pure Club» soll eine Bank im Breitenrain ausgeraubt haben. Er bestreitet dies. Die Indizien sprechen gegen ihn.

Wie es kam, dass eines seiner Mobiltelefone am 25. Januar 2008 um 16.35 Uhr beim Wankdorfplatz geortet wurde – dazu konnte der Hauptangeklagte gestern nichts sagen. «Ich kann mir das auch nicht erklären», sagte er vor dem Kreisgericht Bern-Laupen. Es war nicht das einzige Mal, dass der junge Mann mit der schicken Trendfrisur und den schwarzen Lackschuhen bei der gestrigen Verhandlung von den Fakten in die Enge getrieben wurde.

Beim Hauptangeklagten handelt es sich um einen heute 24-jährigen Schweizer, der 1990 mit seiner Familie aus Kosovo in die Schweiz kam. Ihm wird vorgeworfen, am besagten 25. Januar 2008 die Valiant-Bank im Breitenrain ausgeraubt zu haben. Die Tat geschah um 16.30 Uhr. Der Täter bedrohte die zwei Angestellten mit einer Faustfeuerwaffe und erbeutete 640'000 Franken. Ein Teil der Beute ist bis heute nicht gefunden worden.

Keine zwei Monate zuvor hatte der Angeklagte an der Berner Aarbergergasse ein Ausgehlokal eröffnet. Zusammen mit seiner Freundin, einer damals 30-jährigen Schweizerin, und seinem Bruder, der gestern ebenfalls auf der Anklagebank sass. Ihm wird vorgeworfen, seinen Bruder bei der Tat «unterstützt» zu haben, wie es im Überweisungsbeschluss heisst – auch soll er einem Gläubiger Geld aus der Beute überbracht haben, was ihm den Vorwurf der Geldwäscherei eingebracht hat.

Die beiden Brüder starteten ihr Unternehmen mit grossen Ambitionen: Der «Pure Club» sollte zum wichtigsten House-Club der Stadt werden. Der Hauptangeklagte war für die Geschäfte verantwortlich, der zwei Jahre ältere Bruder für die Musik. Bildschirme an den Wänden und ein futuristisches DJ-Cockpit sollten dem Tanztempel einen mondänen Touch verleihen.

«Wir haben es im Griff gehabt»

Hoch waren auch die Summen, die in den Club gesteckt wurden. Die Verhandlungen mit Investoren seien gescheitert, erzählte der Hauptangeklagte gestern vor Gericht. Unter anderem habe ein Russe zwei Millionen geboten. Dieses Angebot habe er aber abgelehnt, weil es ihm «zu hoch» gewesen sei. So war er vor der Cluberöffnung und auch noch danach intensiv auf Geldsuche. Dass er Geldprobleme hatte, streitet er aber ab: «Wir haben es im Griff gehabt», fand er. Hätte ihn die Polizei nicht in Haft genommen, wäre das Lokal noch geöffnet, zeigte er sich überzeugt.

Unbestritten ist: Der Angeklagte zahlte noch am Tag der Tat sechs Gläubigern Schulden in der Höhe von über 80 000 Franken zurück. So beglich er nur eine halbe Stunde nach der Tatzeit die Forderung eines ebenfalls in der Aarbergergasse ansässigen Gastronomen, der ihm einen Überbrückungskredit von 55 000 Franken gewährt hatte. Hingegen bestreitet er, seinem Bruder rund 10 000 Franken gegeben zu haben, damit dieser den für den Sicherheitsdienst Zuständigen bezahlen konnte.

Doch woher hatte der Clubbetreiber plötzlich das viele Geld, nachdem er die Gläubiger zuvor ständig hatte vertrösten müssen? Der 24-Jährige tischte gestern eine andere Version auf als bei früheren Befragungen. Er habe am 25. Januar rund 148 000 Franken von seinem Cousin erhalten. Die Übergabe habe an einer Tankstelle im Nordquartier stattgefunden. Abgemacht hätten sie um 15 Uhr, der Cousin sei aber erst um 15.45 erschienen. Er habe seinen Cousin schon Ende November um Geld gebeten. Dieser habe ihm versichert, 100 000 Euro organisieren zu können – bei einem anonymen Hintermann.

Prozess wird heute unterbrochen

Die Verteidigung des Hauptangeklagten hat beantragt, den Cousin als Zeugen vorzuladen – der «alles erklären kann», wie der Beschuldigte sagte. Doch er erschien gestern nicht vor Gericht, liess sich schriftlich entschuldigen. Zur Zeit ist er für eine private Sicherheitsfirma als Söldner in Afghanistan tätig. Der Prozess wird daher heute unterbrochen. Wann er weitergeführt wird, ist noch unklar – wohl erst in einigen Monaten.

Vor dem Untersuchungsrichter hatte der Hauptangeklagte jeweils von einem obskuren Geldgeber aus Zürich gesprochen, den er nicht nennen dürfe, da er sonst ein «echtes Problem» habe. Dies sei aber ein «Märli» gewesen, meinte der 24-Jährige gestern. Grund für die Lügengeschichte seien sein Vater und sein Onkel, die solche Geschäfte innerhalb der Familie nicht akzeptierten.

Gestern kamen in der Verhandlung, die von Gerichtspräsident Martin Müller geführt wurde, weitere Punkte zum Vorschein, die den Angeklagten schwer belasten. So wurde in der Lounge des «Pure Club» die Jacke gefunden, die der Bankräuber bei der Tat trug. Zudem ergab eine Rekonstruktion der Tat durch das Institut für Rechtsmedizin (IRM), dass es sich aufgrund der Anatomie beim Täter «mit hoher Wahrscheinlichkeit oder höchstwahrscheinlich» um den Hauptangeklagten handelt.

Nach 14 Monaten Untersuchungshaft lebt der Angeklagte nun wieder bei seinen Eltern – wie seine drei Brüder auch. Mit seiner Freundin habe er eine Beziehungspause vereinbart. Er schläft nun im Wohnzimmer auf dem Sofa.

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