Christrosen für die CVP-Bundesrätin?

Gleich unter der Bundesterrasse hüten zwei Floristinnen in der bundeseigenen Gärtnerei etwas andere Staatsgeheimnisse. Am Dienstag arbeiten sie an den Sträussen für die neuen Bundesräte.

Am Montag drapierte sie noch Tischdekorationen, am Dienstag fertigt Brigitta Baumann die Sträusse für die Bundesratswahl.

Am Montag drapierte sie noch Tischdekorationen, am Dienstag fertigt Brigitta Baumann die Sträusse für die Bundesratswahl. Bild: Adrian Moser

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Limonium, Euphorbien, Phlox und Christrosen. Blumen aller Arten liegen auf der Werkbank gleich unter der Bundesterrasse. Im kleinen Dekorationsraum – so heisst die Wirkungsstätte der Floristinnen Karin Mosimann und Brigitta Baumann – riecht es nach frisch geschnittenem Grün. Bereits am Montag liefen in der Bundesgärtnerei erste ästhetische Vorbereitungen für die Bundesratswahl, die am Mittwoch im Bundeshaus über die Bühne geht. Baumann stellt kleine Gestecke zusammen, die am Mittwoch das Chambre de Président zieren werden, wo die frisch Gewählten von den amtierenden Bundesräten empfangen werden. Ihre Kollegin arbeitet an Tischdekorationen für eine Sitzung am Dienstag im Von-Wattenwyl-Haus.

Mosimann und Baumann besitzen beide einen Badge, mit dem sie rund um die Uhr Zutritt zum Bundeshaus haben. Meist arbeiten sie als unsichtbare Heinzelfrauchen morgens vor oder abends nach dem Politbetrieb in den Gängen, Sitzungszimmern oder im Bundesratsbüro und sorgen für frische und anlassgerechte Dekoration. «Wir arbeiten am Geschehen der Schweiz, das ist superspannend», schwärmt Baumann.

Geheime Präferenzen

Mit der Wahl vom Mittwoch steht am Dienstag auch für die Bundesfloristinnen ein strenger Arbeitstag an. Zusätzlich zu den Dekorationen des Chambre de Président müssen natürlich die Sträusse für die Siegerinnen erstellt werden.

In der Bundesgärtnerei kennt man die dekorativen Vorlieben der höchsten Politikerinnen und Politiker. Von Bundesweibeln oder aus dem Vorzimmer kommen immer wieder Hinweise – und hie und da auch schöne Rückmeldungen zu ihrem Schaffen. Wie genau solche persönlichen Sträusse hergestellt werden und wer welche Vorlieben hat, darüber hüllen sich die Floristinnen in geheimnisvolles Schweigen. Eine Kommunikationsverantwortliche schaut beim «Bund»-Besuch an der Floristinnen-Werkbank auch mit Adleraugen darauf, dass dies so bleibt.

Sind die Christrosen auf der Werkbank für den CVP-Siegerstrauss? Und gibt es für Karin Keller-Sutter einen Strauss in FDP-Blau? «Wir sind grundsätzlich sehr frei in der Gestaltung. Ausser bei offiziellen Staatsanlässen haben wir kaum Vorgaben», sagt Baumann. Auch müssen die Floristinnen ihre Sträusse nicht verkaufen und haben dadurch weniger Preisdruck als andere Berufskolleginnen.

Das lasse Platz für Experimente, auch bei den Bouquets für die Bundesratswahl. «Am Mittwoch soll es schöne, assortierte Sträusse geben, die Freude machen», sagt sie nur, lässt sich aber nicht weiter in die Karten blicken.

Frisch aus dem Kühlraum

Die Blumen für die Bundesratssträusse wurden denn auch erst am Dienstagmorgen auf der Berner Blumenbörse frisch eingekauft. Die Sträusse werden am Dienstag zusammengestellt und über Nacht im Kühlraum frisch gehalten. Am Mittwoch gehören sie neu gewählten Regierungsmitgliedern. Aus der Anzahl Sträusse, die für am Mittwoch gefertigt werden, machen die Floristinnen ein Geheimnis, so will es auch die Kommunikationsverantwortliche. Werden individuelle Sträusse hergestellt für alle vier Kandidierenden oder nur zwei für die Gewählten? Man soll es nicht erfahren.

Wobei, die Christrosen auf der Werkbank wären bis am Mittwoch nicht mehr frisch genug, und das Blau in den Sträussen ist so eine Sache: «Alle Aufträge, die Blau enthalten müssen, sind schwierig umzusetzen. Es fehlt an blauen Blüten», sagt die Floristin. Das weiss sie, weil bei Staatsempfängen jeweils die Farben der Flaggen im Bouquet enthalten sein müssen. So wollen es die Parlamentsdienste.

Kein Staatsgeheimnis ist hingegen die Herkunft der Blumen. «Wir kaufen wenn immer möglich Schweizer Ware», sagt Baumann. Das sei jedoch längst nicht immer umsetzbar, vor allem mit den gestiegenen Anforderungen. «Die Gestaltung ist komplexer geworden. Wir Floristinnen sind eigentlich auch Raumgestalterinnen», so Baumann, die nun schon seit 20 Jahren eidgenössische Verwaltungsgebäude dekoriert. Deshalb könne man die Blumen auch nicht mehr selbst anbauen. «Mit Blumen, die in der Schweiz wachsen, könnten wir die heutigen Ansprüche nicht mehr erfüllen.»

Die Floristinnen sind überzeugt, nicht nur Schönes fürs Auge, sondern auch Gutes fürs Gemüt zu tun. «Wir sind gewissermassen auch Seelsorger», sagen sie und meinen damit ihre farbige Abwechslung im manchmal grauen Politalltag. (Der Bund)

Erstellt: 04.12.2018, 06:39 Uhr

Traditionsreiche Bundesgärtnerei

1862 wurde der erste Bundesgärtner angestellt – damals noch direkt vom Bundesrat. Sein Job war es, die Grünflächen rund um das Parlamentsgebäude zu pflegen.

Heute leitet der Chefgärtner Peter Gabi ein Team von neun Mitarbeitenden und einem Lernenden. Darunter sind Gärtner, Landschaftsgärtner und Floristinnen. Der Auftrag, die Grünflächen rund um sämtliche eidgenössische Verwaltungsgebäude zu pflegen, ist bis heute geblieben.

Zudem ist die Bundesgärtnerei für die Begrünung in den Gebäuden drin und für die Tischdekorationen bei Sitzungen oder Anlässen, für die Blumenbouquets an Wahlen oder bei Staatsempfängen zuständig.

Die Bundesgärtnerei hat ihre verschiedenen Gebäude unterhalb der Bundesterrasse entlang des Marzili-Bähnli. Zum Areal gehören zwei Gewächshäuser, ein Aufenthaltsraum, ein Landschaftsmagazin und der Dekorationsraum der Floristinnen mit Kühlraum und Büro für den Chefgärtner in der oberen Etage.

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