Café, Künstler und Asylbewerber

In der Feuerwehrkaserne im Nordquartier werden Asylbewerber einquartiert. Zudem gibt es Raum für Zwischennutzungen. Der Quartierverein und die SP sind zufrieden, die SVP fürchtet sich vor Drogenproblemen.

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Adrian Müller@mueller_adrian

Der Gemeinderat hat entschieden: In der Feuerwehrkaserne an der Viktoriastrasse im Nordquartier wird eine Asylunterkunft eingerichtet. Platz gibt es aber auch für die Bewohner des Nordquartiers: Für eine Zwischennutzung erhalten sie mit der grossen Einstellhalle das Herzstück der schützenswerten Feuerwehrkaserne. Dazu kommen weitere Räume, insgesamt beträgt die von der Quartierbevölkerung nutzbare Fläche stolze 1700 Quadratmeter. «Wir können uns vorstellen, etwa eine Café-Bar, eine Markthalle für Bioprodukte oder Ateliers für Künstler einzurichten. Wir wollen aber kein Rambazamba im Quartier», sagt Manfred Leibundgut Co-Präsident der Quartierkommission Dialog Nordquartier.

Die Bewohner des Nordquartiers seien eingeladen, an einem Workshop am 1. November ihre Projekte und Ideen für die Zwischennutzung zu präsentieren. Ziel sei auch, die Asylsuchenden in das Projekt zu integrieren. «Wir wollen das Verhältnis miteinander möglichst optimal gestalten. Wir hoffen auch in diesem Punkt auf gute Vorschläge seitens der Bevölkerung», so Leibundgut. Weiter wünsche man sich, dass möglichst viele Familien und nicht nur junge Männer in die Asylunterkunft einziehen würden.

«Zwangsläufig Probleme»

Roland Jakob, SVP-Stadtrat, kritisiert den Entscheid des Gemeinderats. Zwar spricht sich Jakob für die Unterbringung von Flüchtlingen aus. Aber 100 zusätzliche Asylbewerber in einem Quartier führe zwangsläufig zu Problemen, insbesondere wenn im selben Gebäude noch ein Schulbetrieb einziehe. «Mit Asylanten kommen automatisch Drogenprobleme in die Nähe von Kindern und Jugendlichen.» Er habe solche Situationen bei der Brunnmattschule erlebt, als leere Drogenspritzen herumlagen.

Zudem hätten die Asylbewerber einen anderen Lebensstandard und verträten oft andere Ansichten, etwa beim Thema Gleichberechtigung. Dies sei gerade in der Nähe von Schulen nicht erwünscht. Es gehe ihm in erster Linie um den Schutz von Kindern und Jugendlichen. «Eigentlich könnten die Asylbewerber in der Reitschule untergebracht werden.» Diese Lösung wäre für alle gut. Die Reitschüler sollten nämlich nicht immer Wasser predigen und Wein trinken. Zudem besitze der Kanton viele leer stehende Häuser, die für eine Nutzung durch Asylbewerber geprüft werden sollen.

«SVP schürt bewusst Ängste»

Zu mehr Gelassenheit im Umgang mit Asylbewerbern ruft Stefan Jordi, Co-Präsident SP Stadt Bern, auf. Der SP-Stadtrat wohnt selbst in der Nähe des geplanten Zentrums. «Grundsätzlich ist die Zwischennutzung eine sehr gute Lösung.» Man müsse unbedingt die humanitär untragbaren Situationen der Asylsuchenden in deren Herkunftsländern betrachten. «Die SVP schürt bewusst unbegründete Ängste, um das Asylthema zu bewirtschaften, und wirft alle Asylsuchenden in einen Topf.» Wenn die Zwischennutzung 2017 oder 2018 zu Ende geht, hofft Jordi, dass sich die Notlage im Asylbereich entschärft hat und andere oberirdische Unterkünfte zur Verfügung stehen.

DerBund.ch/Newsnet

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