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Bypass Ost wird neu untersucht

Erleichterung in der Gemeinde Muri: Das Bundesamt für Strassen (Astra) hat für den geplanten Bypass Ost eine Vertiefungsstudie ausgeschrieben.

Eine Studie soll zeigen, ob die A6 künftig durch einen Tunnel unter dem Seidenberg hindurchführen könnte. (Franziska Scheidegger)
Eine Studie soll zeigen, ob die A6 künftig durch einen Tunnel unter dem Seidenberg hindurchführen könnte. (Franziska Scheidegger)

Dieser Vorschlag kam in der Gemeinde Muri gar nicht gut an. Im Programm zur Beseitigung der gravierendsten Engpässen auf dem schweizerischen Nationalstrassennetz war vorgesehen, die Autobahn A6 im Gebiet Bern Ost auf sechs Spuren auszubauen und durch einen Tunnel zu leiten. Der Tunnel sollte vom Eisstadion Allmend bis zum Melchenbühl in Gümligen führen, die bestehende Autobahn zu einer Stadtstrasse zurückgebaut werden. Dieser Vorschlag stand in Übereinstimmung mit der kantonalen Zweckmässigkeitsbeurteilung Bern (ZMB).

Tunnel unter dem Seidenberg

Sogleich regte und formierte sich in der Gemeinde Muri Widerstand gegen dieses Vorhaben. Sämtliche Ortsparteien riefen im Sommer 2008 gemeinsam das Komitee «Autobahn unter den Boden» ins Leben; heute nennt sich das Komitee «Pro Seidenberg-Tunnel» – und das kommt nicht von ungefähr: Das Komitee brachte nämlich eine Alternative zum Bundesprojekt ins Spiel: einen Tunnel unter dem Seidenberg hindurch. Der vom Bund vorgeschlagene Tunnel sollte sechsspurig um rund einen Kilometer verlängert werden; so könnten die Quartiere Füllerich, Melchenbühl und Seidenberg vollständig vom Autobahnlärm entlastet werden.

Nicht dass das Bundesamt für Strassen (Astra) auf diese Variante eingestiegen wäre, aber: Aufgrund der zahlreichen kritischen Rückmeldungen aus Muri hat das Astra die Vertiefungsstudie «N6 Bern–Muri mit Bypass Ost, mit dem Ziel, die Kapazitätsprobleme zu lösen» öffentlich ausgeschrieben. «Wir sind glücklich und sehr positiv eingestellt», sagt Peter Kneubühler (fdp), Muriger Parlamentarier und Mitglied des Komitees «Pro Seidenberg-Tunnel». Es habe sich gelohnt, dass «auf vielen Kanälen Wirbel gemacht» worden sei. Dem ist tatsächlich so: Erstens hat sich besagtes überparteiliches Komitee gebildet, das vor knapp zwei Wochen sogar bei Astra-Vizedirektor Erwin Wieland vorsprechen und seine Anliegen präsentieren durfte. Zweitens haben im vergangenen Jahr innert kurzer Zeit 1700 Personen eine Petition des Komitees unterschrieben; die Petition wurde im Oktober 2008 der bernischen Verkehrsdirektorin Barbara Egger-Jenzer (sp) überreicht mit der Bitte, sich bei den Bundesbehörden ebenfalls für die Eintunnelung einzusetzen. Drittens hat sich auch der Gemeinderat Muri offiziell gegen das Projekt im Bundesprogramm gestellt; die Lokalbehörden haben inzwischen selber zwei Studien zum Thema in Auftrag gegeben. Und viertens gingen im Rahmen der Vernehmlassung zum Bundesprogramm zur Engpassbeseitigung rund 80 Eingaben allein aus Muri ein, wie Kneubühler erklärt.

Astra-Sprecher Thomas Rohrbach hält fest, dass die Ausschreibung der Vertiefungsstudie für den Bypass Ost nichts Aussergewöhnliches sei. «Wenn wir im Rahmen einer Vernehmlassung negative Rückmeldungen und alternative Vorschläge erhalten, dann prüfen wir diese. Das ist ein völlig normales Vorgehen», sagt er. Es lasse sich zum heutigen Zeitpunkt auch noch überhaupt nichts dazu sagen, ob eine andere Variante der heutigen vorgezogen würde. «Die heutige Variante ist nach wie vor eine gangbare», sagt er. In der Ausschreibung für die Vertiefungsstudie im Schweizerischen Handelsamtsblatt (www.shab.ch) steht, dass sogar die Variante «Verzicht» geprüft werden soll. «Das ist in solchen Studien eigentlich immer der Fall», sagt Rohrbach. «Wir brauchen nun eine saubere Grundlage, die es ermöglicht, die beste Variante auszuwählen.»

Bypass kostet 1,1 Milliarden

Gemäss Handelsamtsblatt wird die Studie zwischen März 2010 und Dezember 2011 ausgeführt. Der Bundesrat wird gemäss Rohrbach voraussichtlich 2013 über die nächste Tranche des Bundesprogramms zur Engpassbeseitigung befinden. 5,5 Milliarden Franken stehen für die ganze Schweiz zur Verfügung; das heutige Bypass-Ost-Projekt allein ist mit rund 1,1 Milliarden Franken veranschlagt. Die Verlängerung des Tunnels würde das Projekt um mehrere Hundert Millionen Franken verteuern. Rohrbach weist zudem darauf hin, dass eine Tunnellösung auch im Unterhalt viel teurer wäre als eine offene Autobahn.

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