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«Burglind war nicht gerade die Apokalypse»

Laut Stefan Flückiger, dem Forstmeister der Berner Burgergemeinde, sind vor allem alte Bäume von Stürmen gefährdet.

Stefan Flückiger (rechts), Forstmeister der Burgergemeinde Bern gibt Anweisungen.
Stefan Flückiger (rechts), Forstmeister der Burgergemeinde Bern gibt Anweisungen.
Nicole Philipp
Flückiger meint, dass vor allem ältere Bäume betroffen sind.
Flückiger meint, dass vor allem ältere Bäume betroffen sind.
Nicole Philipp
Mehrere Bäume wurden entwurzelt und versperren nun die Wege.
Mehrere Bäume wurden entwurzelt und versperren nun die Wege.
Jean Gilgen, Leserreporter
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Herr Flückiger, wie ist jetzt die Lage in den Wäldern, die Sie pflegen? Aktuell sind die meisten Wälder zum Arbeiten noch zu gefährlich. Es gibt noch viele Windböen; instabile Bäume können noch umstürzen. Zudem kann wegen des vom Regen feuchten Bodens auch bei Windstille ein geschwächter Baum noch spontan umfallen. Derzeit haben wir nur im Dählhölzliwald eine Arbeitsgruppe. Aber auch diesen Wald sollte man im Moment besser meiden. Da er nicht ein Holzproduktionswald, sondern ein Erholungsgebiet ist, haben wir dort viele ältere Bäume, die besonders umsturzgefährdet sind.

Alte Bäume sind also von Stürmen wie Burglind stärker betroffen? Ja. Die vom Sturm am Mittwoch betroffenen Bäume sind fast alle zwischen 100 und 150 Jahre alt. Wie alle Lebensorganismen leiden auch Bäume an Altersschwäche. Alte Bäume sind natürlich auch höher und deswegen anfälliger für Windstösse. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Versauerung des Bodens. Wegen Abgasen gibt es in der Luft in der Stadt Bern viel Stickstoff, jährlich sind es ungefähr 200 Kilo pro Hektare. Dieses gelangt in den Waldboden, und der Säuregehalt der Erde steigt. Gerade bei alten Bäumen schadet das den Wurzeln. Der sogenannte Wurzelteller, auf dem ein Baum steht, bildet sich zurück.

Was kann man gegen einen überalterten Wald unternehmen? Wir verjüngen den Wald systematisch, indem wir alte Bäume zugunsten von Jungwald fällen. Das gehört zu unseren Aufgaben. Besonders bei Erholungswäldern tun sich manche Menschen schwer damit, dass alte Bäume gefällt werden müssen. Die Leute haben ja Freude an dicken, hohen Bäumen. Der langfristige Waldbau erfordert aber Fachwissen und Erfahrung. Hier hat der Sturm innert kurzer Zeit sehr viel zur Verjüngung des Waldes beigetragen.

Die Unwetterschäden können also etwas Gutes sein? Stürme gehören zum Ökosystem Wald dazu. Wo genau die Bäume fallen, kann man nicht prognostizieren. Wir rechnen aber etwa alle zehn Jahre mit einem Unwetter in diesem Ausmass. Burglind war auch nicht gerade die Apokalypse: Es gab in unseren Wäldern, soweit wir dies aktuell überblicken können, vor allem sogenannte Streuschäden: Einzelne Bäume oder Baumgruppen sind umgefallen. Beim Lothar zum Beispiel waren grosse Waldgebiete betroffen.

Der Klimawandel wird Ihnen aber wohl noch einige Herausforderungen stellen. Die Forstwirtschaft ist nicht wie ein Word-Dokument, das man beliebig bearbeiten und speichern kann. Das ist eine 100-Jahre-Arbeit. Wir arbeiten aber mit einer langfristigen Planung. Im Jahr 2050 erwarten wir in Bern ein Klima wie heute am Lago Maggiore; wir pflanzen schon seit einiger Zeit klimataugliche Baumarten. Palmen sind es aber vorderhand noch nicht; ein Baum muss auch die Zeitspanne bis zum wärmeren Klima überleben.

Wann darf man wieder in den Wald? Am Montag starten wir mit der systematischen Aufnahme von Waldschäden und mit der Aufarbeitung. Wir empfehlen, mindestens eine Woche zuzuwarten, bis man einen eher älteren Wald wie das Dählhölzli aufsucht.

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