Bundesrat lässt Gegner der Werkstätte abblitzen

Der Bundesrat unterstützt den Bau der umstrittenen BLS-Werkstätte im Berner Chlyforst und die dafür nötigen Rodungen. Der Standort Niederbottigen dürfte somit aus dem Spiel sein.

Die Gegner kämpfen mit Plakaten gegen die geplante Werkstätte.

Die Gegner kämpfen mit Plakaten gegen die geplante Werkstätte. Bild: Adrian Moser

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Der Bundesrat hat am Freitag das Projekt einer BLS-Werkstätte im Westen Berns in den Sachplan Verkehr aufgenommen. Das Bahnunternehmen begrüsst den Entscheid. Eine Anwohnervereinigung, die sich gegen das Projekt im Chlyforst wehrt, ist hingegen enttäuscht.

Der unverbaute Westen Berns sei nicht der «beste Ort um 20 Hektaren Wald und Kulturland zu verschandeln», schreibt der Verein «Chlyforst» in einer Mitteilung vom Freitag. Die Vereinigung kritisiert die Standortwahl der BLS als «politisch motiviert und sachlich nicht belegt». Der Verein verweist auf Alternativstandorte, die seiner Ansicht nach geeigneter wären als der Chlyforst. Die BLS ihrerseits betonte am Freitag, dass sie während der fortlaufenden Planung die Anzahl Geleise reduziert hat und so nur noch eine Fläche von 13 Hektaren für den Neubau benötigt. «Die 20 Hektaren beziehen sich auf die ersten Planungen aus dem Jahr 2014», teilte BLS-Mediensprecher Stefan Dauner mit. Auch die Gemeinde Frauenkappelen, die IG Riedbach, der Leist Oberbottigen und die Quartierkommission Bümpliz Bethlehem sind vom Bundesrat enttäuscht. Der Entscheid missachte raumplanerische Grundsätze, schreiben die Gemeinde und die Partnerorganisationen. Sie verweisen auf eine Studie der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, die den Standort im Westen Berns kritisch beurteilt. Die Gemeinde und die Partnerorganisationen kündigten in ihrer Mitteilung an, gegen die geplante Werkstätte an diesem Standort alle Rechtsmittel auszuschöpfen.

Erste Pflöcke eingeschlagen

Mit der Aufnahme des Projekts in den Sachplan hat der Bundesrat erste wichtige Pflöcke eingeschlagen. Zwar legt die Sachplanung erst im Groben fest, wie sich der Bund die künftige räumliche Entwicklung in einem Gebiet vorstellt, doch für die Behörden sind Sachpläne bindend. Sie haben nicht mehr so viel Ermessensspielraum und müssen der Interessenabwägung des Bundes folgen. Von den Sachplänen leiten sich die verfeinerten Richt- und Nutzungsplanungen ab. Anschliessend erfolgt das Baubewilligungsverfahren.

Bisherige Werkstätte fällt weg

Damit die BLS die neue Werkstätte rechtzeitig in Betrieb nehmen kann, hat sie die Planungsarbeiten am Projekt parallel zum Sachplanverfahren bereits vorangetrieben. Derzeit arbeiten fünf Generalplaner-Teams am Projekt. Anfang 2019 will die BLS das Siegerprojekt bekanntgeben und die Detailausarbeitung unter Einbezug der Direktbetroffenen im Rahmen einer Dialoggruppe angehen, wie das Unternehmen in seiner Mitteilung schreibt. Ab 2025 fällt für die BLS ihre bisherige Werkstätte in der Berner Aebimatt weg. Dadurch fehlen dem Bahnunternehmen Werkstattkapazitäten für den Betrieb der S-Bahn.

Bereits 2016 empfahl eine Begleitgruppe den Standort Chlyforst, da dort insbesondere weniger Anwohner tangiert würden als an anderen Standorten. Auch die Lage am Hang sei vorteilhaft, denn so könne der Flächenbedarf minimiert werden. Und schliesslich liege das Gebiet Chlyforst Nord in Bahnhofnähe. Der Kanton Bern hat über 40 Standorte für die neue Werkstätte geprüft und schliesslich zwei davon in die engere Auswahl gezogen: Chlyforst Nord und Niederbottigen. Beide Standorte hatten ihre Vor- und Nachteile: so muss im Chlyforst ein Waldstück gerodet und am Standort Niederbottigen hätten diverse Enteignungen vorgenommen werden müssen. (spr/sda)

Erstellt: 07.12.2018, 12:05 Uhr

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