Bund spart Politforum im Käfigturm weg

Das Politforum des Bundes im Käfigturm in der Berner Altstadt wird Ende 2016 aus Spargründen geschlossen.

Im alten Gemäuer des Käfigturms ist seit 1999 das Politforum untergebracht.

Im alten Gemäuer des Käfigturms ist seit 1999 das Politforum untergebracht.

(Bild: Valérie Chételat)

Markus Dütschler

Es ist ein Veranstaltungsort, den jeder kennt und jeder findet, ist doch der Käfigturm zentral gelegen und unübersehbar. Erbaut in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts verfügt er über keinen Aufzug, sondern über eine steile Treppe. Dennoch ist der Veranstaltungs- und Ausstellungsort fast ständig ausgebucht. Etwa 400 Veranstaltungen finden jährlich statt: Linke und rechte Politzirkel stellen Referendums- oder Initiativprojekte vor, Minister treffen sich ebenso wie NGOs, Vereine führen ihre Jahresversammlung durch, Lesungen und Vorträge finden statt – und Ausstellungen zu politischen und gesellschaftlichen Themen. Im Turm befindet sich auch ein Informationszentrum, in dem sich Schulklassen über die Schweiz informieren.

Damit also soll Ende 2016 Schluss sein. Fünf Angestellte, die zusammen 380 Stellenprozente haben, müssen einen neuen Job suchen. Der Schliessungsentscheid kam offenbar völlig überraschend. Das Politforum wurde im Herbst 1999 eröffnet. Damals bestanden Zweifel, ob das Gemäuer vom Publikum akzeptiert werde, doch der Erfolg spricht für sich.

Harte Sparvorgaben

Auf Anfrage bestätigte die Bundeskanzlei gestern Abend die Schliessung per Ende 2016. Die Bundeskanzlei und die Parlamentsdienste, welche das Polit­forum gemeinsam betreiben, sparten durch die Schliessung etwa 930?000 Franken jährlich. Die bisherigen Sparvorgaben 2011 bis 2015 habe die Bundeskanzlei fast vollständig ohne Ausgabenverzicht realisieren können. Mit den Vorgaben des Stabilisierungsprogramms 2017 bis 2019 sei dies nicht mehr möglich, diese liessen sich ohne Leistungsabbau nicht mehr einhalten. «Ein solcher Abbau ist immer schmerzhaft, insbesondere wenn sinnvolle und gut geführte Institutionen wie der Käfigturm betroffen sind», liess die Bundeskanzlei verlauten. Die Angestellten des Käfigturms würden «bei der Gestaltung ihrer beruflichen Zukunft» unterstützt. Eine alternative Finanzierung mit Eintritten wäre laut Bundeskanzlei «unrealistisch» gewesen. Seitens der Parlamentsdienste hiess es, es werde geprüft, ob Käfigturm-Aktivitäten andernorts weitergeführt werden könnte, doch entschieden sei noch nichts.

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt