«Bueber» wird auch für Mädchen attraktiv

Der Badeteich im Berner Marzili soll einen neuen Wasserlauf erhalten.

Die Sanierung soll 3,8 bis 5 Millionen Franken kosten.

Die Sanierung soll 3,8 bis 5 Millionen Franken kosten.

(Bild: Adrian Moser)

Simon Wälti

Heute bietet der Bueber einen tristen Anblick, in der letzten Badesaison war der weitgehend verschlammte Tümpel mit Gittern abgesperrt. Der Steg wurde aus Sicherheitsgründen geschlossen. Bereits wurde gerätselt, ob dies das Ende für den «Bueber» bedeuten könnte, weil sich eine Instandstellung nicht mehr lohne.

Der Berner Gemeinderat hat sich jetzt aber für die Sanierung entschieden und einen Projektierungskredit von 130'000 Franken gesprochen. Die Kosten für die Sanierung, die auch Hochwasserschutzmassnahmen umfasst, werden auf 3,8 bis 5 Millionen Franken geschätzt. Die Aufschüttung und Umgestaltung in eine Liegewiese wäre kaum billiger gewesen.

Die grösste Änderung: Ein neuer, offener Zufluss soll für das nötige Frischwasser sorgen. Diese Sanierungsvariante bringe die verschiedenen Anliegen am besten unter einen Hut, sagt Gemeinderat Alexandre Schmidt (FDP). «Die Variante ist finanzierbar, bietet eine Attraktivitätssteigerung und kommt auch den Anliegen der Nostalgiker entgegen, die am liebsten nichts ändern möchten.» Laut Schmidt bietet der neue Wasserlauf auch die Möglichkeit, direkt von der Aare in den «Bueber» zu schwimmen und dort aus dem Fluss zu steigen.

«Eine schöne neue Erfahrung – schade, ist das Projekt noch nicht realisiert.» Eine kleine Insel sorge für einen «romantischen Touch». Der Gemeinderat entschied sich gegen die Aushebung eines Aarelaufs von oberhalb der Dampfzentrale, wie er bis 1968 bestanden hatte. Diese Variante sei mit Kosten von über 20 Millionen Franken zu teuer und nehme zu viel Platz in Anspruch, sagt Schmidt.

Kein reines Männerbad mehr

Die Stadt geht davon aus, dass die Identität des «Bueber» weitgehend erhalten bleibt. Die Erneuerung und der offene Wasserzufluss bedeuten jedoch im Endeffekt auch, dass die Tage des «Bueber» als reines Männerbad gezählt sein dürften. In Leserbriefen im «Bund» hatten Stammgäste den «Bueber» als Rückzugsort und Oase bezeichnet.

Wenn er schwimmend erreicht werden kann, dann dürften an schönen Sommertagen auch viele Frauen von dieser Möglichkeit Gebrauch machen. In der Beschreibung der ausgewählten Variante heisst es, dass die Erneuerung zu einer grösseren Auslastung und einer Durchmischung beim «Bueber-Seeli» führen werde. So wird er neu auch für Mädchen und Frauen attraktiv.

Derzeit wird das halb verlandete Seeli im Marzili auch von der Tierwelt in Beschlag genommen. So hausen dort zum Beispiel Biber, die sich an den Bäumen zu schaffen machen. Im Zuge der Sanierung werden die Schlammablagerungen ausgebaggert. Die Biber müssen also ausquartiert werden, ein Vorgehen, das zuletzt auch bei der Umgestaltung im Selhofenzopfen zwischen Kehrsatz und Belp nötig wurde.

Gemeinderat Schmidt sagt dazu, man werde sehen, ob die Biber dauerhaft umplatziert werden müssen oder nur vorübergehend. «Es ist aber nicht die Idee, aus dem ‹Bueber-Seeli› ein ‹Biber-Seeli› zu machen.»

Die Gummiböötler sollen weiterhin beim Pontonierfahrverein Bern, dessen Clubhaus direkt an den heutigen Holzsteg anschliesst, auswassern. Um mehr Platz zu schaffen, wird aber darüber nachgedacht, die dortigen Parkplätze aufzuheben. Hansruedi Petri, Obmann der Veteranen beim Pontonierfahrverein, nimmt die Nachricht von der geplanten Sanierung des «Bueber» erfreut zur Kenntnis. «Das wäre sehr zu begrüssen, denn so, wie er heute aussieht, kann er kaum mehr genutzt werden.» Wichtig sei für die Pontoniere, dass weiterhin am Ufer entlang flussaufwärts «gestachelt» und gerudert werden könne.

Weil Notmassnahmen zu teuer wären, bleibt der «Bueber» bis zum Ende der Sanierung geschlossen. Mit einem Baustart rechnen die Behörden in der zweiten Jahreshälfte 2017. Zum einen brauche die Ausarbeitung des Projekts mit Baubewilligung und Kreditgenehmigung seine Zeit, schreibt der Gemeinderat.

Zum anderen bestehe bei dem Projekt eine Abhängigkeit zur Auflage des Wasserbauplans für das Hochwasserschutzprojekt. Diese ist für Frühling 2017 vorgesehen.

Nicht nur das «Bueber-Seeli» ist sanierungsbedürftig, sondern das gesamte Freibad Marzili, zum Beispiel was die Garderoben, die sanitären Einrichtungen und den Gastronomiebereich angeht. Ein konkretes Projekt liegt indessen noch nicht vor. Die städtische Investitionsplanung rechnet mit Gesamtkosten von über 30 Millionen Franken. Zuerst soll aber ein Masterplan ausgearbeitet werden.

Der Bund

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