Bröckelnde Fassade: Der SVP-Fraktionschef gerät in Schieflage

Roland Jakob soll bei einem Auftrag gepfuscht haben. Weil seine Firma schwer verschuldet ist, hoffen die Auftraggeber wohl vergebens auf eine Entschädigung.

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Der Vorwurf wiegt schwer: Roland Jakob, der Chef der Stadtberner SVP-Fraktion, soll bei einem Auftrag gepfuscht und die Auftraggeber in finanzielle Schwierigkeiten gebracht haben. Konkret habe die R. Jakob GmbH vor vier Jahren einen Auftrag für die Sanierung der Fassade eines Mehrfamilienhauses in Herrenschwanden erhalten, berichtete am Dienstag der «Kassensturz». Die Ausführung lief aber offenbar nicht nach den Vorstellungen der Auftraggeber. Denn bereits nach einigen Monaten hätten sich erste Risse in der Fassade ergeben. Und auch die Nachbesserungen hielten nicht lange.

Nach mehrmaligen erfolglosen Flickarbeiten des Malermeisters schlugen die Stockwerkeigentümer den Gang zur Schlichtungsbehörde ein, heisst es in der Sendung weiter. Diese habe den Malermeister verpflichtet, die Fassade fachgerecht instand zu setzen. Doch kein Jahr später habe sie erneut gebröckelt. Unterdessen sei die Fassade gar «lebensgefährlich», liess sich ein Stockwerkeigentümer zitieren. So sei eines Tages ein grosses Stück der Fassade heruntergefallen und wäre beinahe auf seinem Kopf gelandet. Die Eigentümer haben inklusive Gerichtskosten 50'000 Franken ausgegeben. Sie müssen jetzt die Sanierung erneut in Auftrag geben.

Dass sie das Geld von Jakob zurückerhalten, ist unwahrscheinlich. So verfügt Jakobs Geschäft über einen langen Betreibungsregisterauszug, der dem «Kassensturz» vorliegt. «Alleine die Verlustscheine belaufen sich auf fast 80'000 Franken.» Viele der Verlustscheine beträfen die Mehrwertsteuer. Jakob verrechne diese seinen Kunden zwar, gebe sie aber nicht an den Staat weiter.

Jakob distanziert sich von Vorwürfen

Gegenüber dem «Bund» war Jakob am Mittwoch nicht erreichbar. Vor der Kamera des «Kassensturz»-Teams wollte er keine Stellung beziehen. Der SVP-Politiker distanzierte sich aber schriftlich von Teilen der Vorwürfen: «Die Beträge sind Einschätzungen und werden von mir bestritten und durch das nachträgliche Einreichen der entsprechenden Unterlagen korrigiert.» Auf den Vorwurf eines Experten, Jakob habe die Fassade nicht fachgerecht saniert, entgegnet der Malermeister, er habe diese im Vorfeld mit einem Lieferanten begutachtet.

Es ist nicht das erste Mal, dass Jakobs Firma in die Schlagzeilen gerät. Vor fünf Jahren wurde publik, dass er AHV- und Pensionskassengelder seiner Mitarbeiter nicht an die Sozialwerke weitergeleitet hatte. Und auch damals schon kämpfte er mit Betreibungen bezüglich der Mehrwertsteuer. Diese Altlasten habe er aber mittlerweile beglichen, betonte Jakob in der gestrigen Sendung.

chl

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