Bolliger Parteien von links bis rechts wollen ein neues Schulhaus

Morgen stellt Bolligen die Weichen. Die Frage lautet: Neubau im Lutertal oder Sanierung der Schulanlage an der Flugbrunnenstrasse?

Abreissen oder Sanieren? Gemeindepräsident Rudolf Burger posiert mit Gemeinderäten vor dem Flugbrunnenschulhaus. (Adrian Moser)

Abreissen oder Sanieren? Gemeindepräsident Rudolf Burger posiert mit Gemeinderäten vor dem Flugbrunnenschulhaus. (Adrian Moser)

Simon Wälti

Vor der Gemeindeversammlung von morgen Dienstag erhält der Bolliger Gemeinderat Rückenwind. Die Zentralisierung der Unterstufe im Lutertal sei richtig, lautet der Tenor bei SP, SVP, FDP und Bolligen Parteilos. Statt das Schulhaus an der Flugbrunnenstrasse zu sanieren, soll ein Neubau beim Lutertalschulhaus erstellt werden.

«Für uns überwiegen die Vorteile klar», sagt SVP-Präsidentin Marianne Zürcher. Es sei vernünftig, «den Schritt zu wagen», nicht zuletzt wegen sinkender Schülerzahlen. Ein Neubau mit Turnhalle kostet ungefähr gleich viel wie die Sanierung des alten Schulhauses, nämlich rund 12 Millionen Franken – wovon vier Millionen auf die Turnhalle entfallen. Man wäre nicht «glücklich» mit einer Renovierung, sagt Jörg Frei, Präsident von Bolligen Parteilos. «Das gäbe ein Flickwerk.» Frei verweist darauf, dass gerade Singsaal und Turnhalle an der Flugbrunnenstrasse in einem schlechten Zustand sind. Die Turnhalle musste sogar wegen statischer Mängel 2009 vorübergehend geschlossen werden. Erst nach dem Einbau von provisorischen Verstärkungen konnte sie wieder in Betrieb genommen werden.

Möglichkeit für Wohnungsbau

Eine Zusammenlegung habe grosse organisatorische, pädagogische, planerische und finanzielle Vorteile, erklärt FDP-Präsident Urs Klaeger. «Und mit dem Erlös aus dem Landverkauf können wir die Finanzen einigermassen im Lot halten.» Unterstützung für den Gemeinderat signalisiert auch die SP. Längerfristig könne sich Bolligen Betrieb und Unterhalt beider Primarschulanlagen nicht leisten, ist SP-Präsident Thomas Zysset überzeugt. «Es ist richtig, die Unterstufe an einem Ort zu konzentrieren.» Die Gemeinde sei finanziell nicht besonders gut gestellt, eine Sanierung sei zu teuer, bei einem Neubau könne dagegen das Areal der Anlage an der Flugbrunnenstrasse verkauft und für den Wohnungsbau genutzt werden. «Das ist ein wichtiger Beitrag, um die Finanzen der Gemeinde im Gleichgewicht zu halten», sagt Zysset

Ersatz der Gemeindeverwaltung?

Bauland ist in Bolligen nach der in weiten Teilen abgeschmetterten Ortsplanungsrevision knapp. «Dies ermöglicht eine sehr zukunftsträchtige Entwicklung», sagt Klaeger. Auch für SVP und Bolligen Parteilos ist die Möglichkeit zum Wohnungsbau ein Pluspunkt. Auf dem Areal befindet sich auch die Gemeindeverwaltung, deren baulicher Zustand nicht über alle Zweifel erhaben ist. Wird die Gemeindeverwaltung ebenfalls abgerissen, so steht eine grössere Fläche zur Verfügung. Allerdings braucht es dann eine neue Lösung für die Gemeindeverwaltung, zum Beispiel in einem Neubau an einem anderen Ort oder im alten Teil der Schulanlage an der Flugbrunnenstrasse, das aus Gründen des Denkmalschutzes nicht abgebrochen werden darf. Marianne Zürcher, Präsidentin der SVP, will diese Frage noch offen lassen. «Die Schulen sind das Thema und die verschiedenen Varianten wie Neubau oder Sanierung.» Auch die FDP will das «Fuder nicht überladen». Die Möglichkeiten für einen Ersatz der Gemeindeverwaltung sollen deshalb laut Urs Klaeger erst später geprüft werden.

Für die SP ist es sinnvoll, auch die Gemeindeverwaltung in die Pläne miteinzubeziehen, «obwohl auch dies ein happiger Brocken ist», wie Zysset sagt. Bolligen Parteilos findet, es sei richtig, «auf eine neue Lösung zu tendieren». Zum jetzigen Zeitpunkt sei es aber für Entscheide noch zu früh. «Wir sollten nichts übers Knie brechen», sagt Jörg Frei.

Das Problem mit dem Schulweg

Klar ist für die Parteien auch, dass der Schulwegsicherung grosse Bedeutung zukommt. Wird im Lutertal ein neues Schulhaus erstellt, so bedeutet das für die Schülerinnen und Schüler von der östlichen Seite des Dorfes, dass sie die viel befahrene Bolligen-/Krauchthalstrasse überqueren müssen. Für eine sichere Querung der Kantonsstrasse schlägt der Gemeinderat beim Sternenweg einen Fussgängerstreifen mit Ampel und Mittelinsel vor. Dieses Vorhaben wird auch von der SVP unterstützt. «Man kann die Kinder nicht ohne Sicherung über diese Strasse schicken», sagt Marianne Zürcher. «Die Schulwegsicherheit hat für die SP eine ganz hohe Priorität», sagt Zysset dazu. Hier brauche es vonseiten des Gemeinderats aber noch einen «Effort». Als zusätzliche Massnahmen nennt Zysset eine Geschwindigkeitsreduktion und den Einsatz von «Blechpolizisten».

Die bestehende Passerelle beim Dorfmärit reiche nicht aus, sagt Urs Klaeger. Es brauche eine zusätzliche Lösung, wie sie vom Gemeinderat vorgeschlagen werde.

FDP will Projektkredit reduzieren

Beim weiteren Vorgehen will die FDP Retuschen anbringen: Der geplante Projektkredit von 800'000 Franken erscheine relativ hoch, so Urs Klaeger. Darum solle über drei verschiedene Punkte abgestimmt werden. Zuerst über die Zusammenlegung der Schulen im Lutertal, dann über einen reduzierten Kredit von nur 350 000 Franken für Wettbewerb sowie Vorprojekt mit Kostenschätzung. Schliesslich soll festgehalten werden, dass mit diesen Grundlagen spätestens an der Gemeindeversammlung im Frühling 2012 der Entscheid fällt, ob die neue Anlage im Lutertal mit oder ohne Turnhalle gebaut wird.

Der Bund

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