BLS-Planung stösst Stadt vor den Kopf

Das geplante BLS-Depot in Riedbach hat im Gemeinderat eine hitzige Debatte entfacht: Jetzt kritisiert auch Tschäppät den «Alleingang» der BLS. Derweil bringt Finanzdirektor Schmidt einen neuen Standort ins Spiel.

Die BLS will in Buech bauen. Zu weit im Westen, findet Schmidt.

Die BLS will in Buech bauen. Zu weit im Westen, findet Schmidt.

(Bild: Valérie Chételat)

Adrian Müller@mueller_adrian

Mitten auf der grünen Wiese will die BLS bei Riedbach eine 20 Hektare grosse Zug-Werkstätte bauen. Ein Bauernhof würde dem Erdboden gleichgemacht, Landbesitzern droht die Enteignung. Die Pläne haben nicht nur bei den betroffenen Bauern einen Sturm der Entrüstung ausgelöst, sondern lösen auch in der Stadtberner Politik eine hitzige Debatte aus. Der Berner Finanzdirektor Alexandre Schmidt (FDP) bringt nun einen neuen Standort ins Spiel: Die Rangierhalle soll 800 Meter östlich vis-à-vis der Coop-Verteilzentrale entstehen. (siehe Karte unten). Das Gebiet werde bereits industriell genutzt, und es fiele kein Bauernhof zum Opfer, nannte Schmidt in der «Berner Zeitung» mögliche Vorteile des Areals.

Tschäppät kritisiert «Hüftschuss»

Jetzt steht auch Stadtpräsident Alexander Tschäppät dem geplanten BLS-Depot kritisch gegenüber. Die Stadt sei von der BLS vor vollendete Tatsachen gestellt worden. «Die bisherige Planung war ein Alleingang der BLS», sagt er dem «Bund». Er sehe nicht ein, warum ein Lok-Depot mitten in der Natur erstellt werden müsse. «So stellen wir uns die Stadtentwicklung nicht vor.» Das bereits stark bebaute Wangental sei geeigneter. Auch bedauert der Stadtpräsident, dass die BLS zunächst den Standort öffentlich bekannt gab und erst jetzt das Gespräch mit der Stadt sucht. «Umgekehrt wäre besser gewesen.» Zum von Schmidt propagierten Standort will sich Tschäppät nicht weiter äussern. «In so kurzer Zeit ist keine seriöse Prüfung möglich.»

Der Gemeinderatskollege Schmidt prescht mit seinem Vorschlag erneut vor und strapaziert damit das Kollegialitätsprinzip arg – wie er dies bereits bei der Debatte um die Zwischennutzung der alten Feuerwehrkaserne gemacht hat. Dies stösst Tschäppät sauer auf: Der Stadtpräsident findet es «gspässig», dass sich der Finanzdirektor bereits jetzt öffentlich «mit einem Hüftschuss» in die Diskussion einklinken müsse, ohne sich vorher intern erkundigt zu haben. Tschäppät will nun das Steuer in der Angelegenheit wieder übernehmen – er trifft sich nächste Woche, wie auch die involvierten Direktionen, mit BLS-Vertretern zu einer Aussprache.

Stadtplaner widerspricht Schmidt

Schmidt beklagt auch ein «Denk­verbot», welches beim Stadtplanungsamt betreffend des neuen Standorts herrsche. Stadtplaner Mark Werren widerspricht den Vorwürfen: Mit der BLS sei vor 2 Jahren bislang ein einziges fachliches und unverbindliches Gespräch geführt worden, von einem Denkverbot könne daher keine Rede sein. «Aus Sicht der Stadtplanung beurteilen wir einen Standort im Westen Berns ganz grundsätzlich als heikel.» Im Gegensatz etwa zum Wangental mit ­Industrie und Gewerbe entlang der Auto­bahn habe die Landschaftskammer eine grosse Bedeutung sowohl für die Landwirtschaft wie auch als Erholungsgebiet. «Die Stadtplanung hat im Interesse der Stadtberner Landwirte eine kritische Position vertreten und empfohlen, frühzeitig den Dialog zu suchen. Diesen Weg hat die BLS nicht gewählt.» In der Stadt Bern sei man sich sonst ein partizipatives Vorgehen gewohnt. Insbesondere, da in Bern-West viele Leute vom Projekt betroffen seien.

Warum hat die BLS so ein Gross­projekt im stillen Kämmerlein vorangetrieben? Darauf will sie nicht näher eingehen und verweist auf die angesetzten Gespräche mit der Stadt. Für die BLS sei nach wie vor Riedbach der geeignetste Standort. Der Bevölkerung in Riedbach stellen sich die BLS-Verantwortlichen heute Abend an einer ­Infoveranstaltung. Die Wogen dürften erneut hoch­gehen.

Der Bund

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