BLS will mit Ökologie punkten

Um die Bevölkerung von der neuen BLS-Werkstätte im Gebiet Chliforst zu überzeugen, will das Unternehmen die Landschaft im Bau integrieren. Die Idee stösst jedoch auf Skepsis.

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Die geplante BLS-Werkstätte im Gebiet Chliforst im Westen der Stadt Bern soll möglichst gut in die Landschaft integriert werden. Mit dieser Botschaft will das Bahnunternehmen die teilweise sehr skeptische, direkt betroffene Bevölkerung von der neuen Werkstätte überzeugen.

Vergangene Woche gab die Privatbahn bekannt, dass sie sich im Rahmen eines Wettbewerbsverfahrens für ein Projekt der Arbeitsgemeinschaft «ARGE pool Architekten / b p baurealisation AG» entschieden hat.

Aus Sicht der BLS berücksichtigt das Siegerprojekt insbesondere auch die umgebende Landschaft und bezieht diese ein, wie BLS-CEO Bernard Guillelmon am Mittwoch vor den Medien ausführte. Auch für die Bevölkerung könnten Mehrwerte geschaffen werden, etwa in Form eines Wanderwegs oder offen fliessender Gewässer.

Ausstellung für die Bevölkerung

Wie das von der BLS ausgewählte Projekt im Detail aussieht, will die Privatbahn der Bevölkerung im Rahmen einer Ausstellung zeigen. In einem Bahnwagen sind die fünf Projekte ausgestellt, die es in die engere Auswahl des Wettbewerbs geschafft hatten. Der Bahnwagen steht bis am kommenden Samstag auf dem Gelände der heutigen BLS-Werkstätte in der Aebimatt, am 1. und 2. März steht er im Bahnhof Riedbach.

Die Ausstellung macht deutlich, welch unterschiedliche Ansätze die Teams wählten. Während die einen die grosse Anlage hinter einer begehbaren Lehmwand oder so weit wie möglich im Wald verstecken wollten, positionierten sie andere Teams als architektonisch prominentes Objekt in die Landschaft.

«Einen Elefant kann man nicht gut verstecken», sagte Lukas Schweingruber, Fachpreisrichter Landschaft/Raum, zur Projektauswahl. Daher habe sich die Jury für ein Projekt entschieden, das die grosse Anlage weder zu verbergen suche, noch sie in den Mittelpunkt stelle.

Das Siegerprojekt sei angemessen und verhältnismässig, so das Urteil der Jury. Der Baukörper sei zurückhaltend gestaltet und nur dort höher, wo dies aus Funktionsgründen nötig sei. Verbaut werden soll viel Holz, innen wie aussen.

Keine unterirdische Schiesshalle

Die Einfahrt zur Werkstatt liegt zirka einen Meter unterhalb der bestehenden Bahnlinie. Diese leichte Neigung hin zur Halleneinfahrt habe unter anderem den Vorteil, dass beim Bau wesentlich weniger Material zu- und abgeführt werden müsse, führte ein Vertreter des Architektenteams aus.

Weiter kann die BLS im Untergeschoss die Lagerräume und Logistik unterbringen. Der Schwerverkehr kann Waren direkt von der Rosshäusernstrasse aus anliefern. Mit Schwerverkehr rechnen die Verantwortlichen vorwiegend während der Bauzeit, danach reduziere sich dieser stark.

Diskutiert wurde in der Vergangenheit auch über eine Kombination der Werkstätte mit einer unterirdischen Schiessanlage, die die nahe Anlage im Riedbach ersetzen würde. Doch diese Idee ist vom Tisch, wie Guillelmon gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA am Rande der Medienkonferenz sagte.

Die BLS habe eine kombinierte Anlage als Anregung in den Architekturwettbewerb eingespeist. Keines der Teams habe sie aber aufgenommen. Ein solches Projekt wäre sehr teuer und der Bevölkerung ohnehin kein grosses Anliegen gewesen.

Fragezeichen bei Ersatzmassnahmen

Die BLS-Werkstätte stellt einen Eingriff ins Gäbelbachtal dar. Dementsprechend muss das Bahnunternehmen ökologische Ersatzmassnahmen vornehmen, etwa für die Rodung von Wald, wie Bruno Käufeler, Experte für Ökologie im Beurteilungsgremium, ausführte.

Geplant sind unter anderem Magerwiesenstandorte auf dem Dach der Anlage, ein Erlebnisweg, offen fliessende Gewässer, Obstbäume oder eine Sickerwiese für Regenwasser.

Doch wie viele dieser ökologischen Massnahmen tatsächlich umgesetzt werden, ist offen. Denn dafür muss die BLS erst noch die Grundeigentümer, Anwohner und Nutzer der bestehenden Flächen ins Boot holen, wie Käufeler einräumte.

Wolf im Schafspelz

Der Oberbottigen-Leist erteilte am Mittwoch der BLS bereits eine Abfuhr. Renaturierte Bäche, Obstbäume oder eine energieeffiziente Werkstatt änderten kaum etwas an der Zerstörung der intakten Landschaft des Gäbelbachtals. Die Licht- und Lärmimmissionen der Anlage würden damit nicht verschwinden. Auch Mehrverkehr befürchtet der Leist.

Er will das Projekt weiterhin bekämpfen, wie er in seiner Mitteilung schreibt. «Nachhaltigkeit ist begrüssenswert, aber nicht, wenn sie wie ein Wolf im Schafspelz daherkommt.»

crt/sda

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