BLS vergrault Chliforst-Dialoggruppe

In einer neuen Variante möchte die BLS die Zulieferung für ihre geplante Werkstätte in Berns Westen über Oberbottigen und Riedbach führen. Bei den Anwohnern sorgt dies für Unmut.

Wald und Wiese im Chliforst – hier soll die BLS-Werkstätte zu stehen kommen.

Wald und Wiese im Chliforst – hier soll die BLS-Werkstätte zu stehen kommen. Bild: Adrian Moser

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Das Verhältnis zwischen der Bahngesellschaft BLS und den Anwohnern der geplanten BLS-Werkstätte im Chliforst in Berns Westen hat sich ein weiteres Mal verschlechtert. Im Verfahren um den allfälligen Bau selbst kommt es zwar zum nächsten Schritt: Nun entscheidet der Bund, wie es mit der neuen BLS-Werkstatt weitergehen soll. Am Mittwoch hat das Bundesamt für Verkehr (BAV) ein sogenanntes Sachplanverfahren eröffnet. Im Rahmen dieses Verfahrens wird die BLS die Standortgebundenheit des Chliforst nachweisen müssen. Sie wird erklären müssen, dass nur der Chliforst für eine Werkstätte infrage kommt. Die Anwohner wiederum werden da mitwirken können.

Die Einleitung dieses Verfahrens war darum am Mittwoch nicht der Grund für den Unmut. Für Ärger sorgte das erste konkrete Projekt, das die BLS in der Dialoggruppe mit den Anwohnern am Dienstag präsentiert hatte. Die Pläne warten nämlich mit einer neuen Variante für die Zufahrt auf. Diese soll nicht mehr von Mühleberg her über die Hauptstrasse und durch Waldgebiet erfolgen. Im Vordergrund steht stattdessen der Ausbau bestehender Strassen von Brünnen über Nieder- und Oberbottigen sowie Riedbach nach Chliforst. Statt durch den Wald soll die Zufahrt «mitten durchs Siedlungsgebiet» führen, sagt Daniel Lehmann von der IG Riedbach.

Im Dorf Oberbottigen werde dadurch gar ein Schulweg tangiert. Wenig erstaunt, aber dennoch unzufrieden über die neue Zufahrtsvariante ist man auch bei der Quartierkommission Bümpliz-Bethlehem (QBB), die bereits seit längerem aus der Dialoggruppe ausgetreten ist. «Es war von Anfang an klar, dass ein Zugang durch Waldgebiet raumplanerisch unmöglich ist», sagt QBB-Präsident Bernardo Albisetti. Nun wolle die BLS die Erschliessung über den Ausbau von Strassen im Siedlungsgebiet gewährleisten, was die Situation nur verschlimmere. Sie werde dabei nicht nur auf neuen Widerstand der Anwohner stossen. Der betroffene Weiler Riedbach gehöre zum Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder von nationaler Bedeutung. «Ein Standort im Westen der Stadt wird für die BLS kaum realisierbar sein», sagt Albisetti.

Er gehe davon aus, dass dies auch durch das Sachplanverfahren des Bundes bestätigt werde. Widerstand erwartet man auch von anderer Seite: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Stadt eine solche Zufahrt gutheisst», sagt Lehmann.

Gegen «zusätzliche Belastung»

Zu den Plänen für die neu vorgestellte Variante könne er noch nichts sagen, so Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL). Grundsätzlich versuche man, die Belastung für Natur und Anwohner möglichst klein zu halten. «Wir würden uns deshalb nicht freuen, wenn es durch die Anfahrt zu einer zusätzlichen Belastung käme.» Die Stadt werde im Rahmen des Sachplanverfahrens Stellung nehmen. Durch die neue Variante entlastet würde die Gemeinde Frauenkappelen. «Die bisherige Zufahrt hätte bei uns Schulwege und Naherholungsgebiete tangiert», sagt der zuständige Gemeinderat Tobias Straub. Die neue Variante durch bewohntes Gebiet halte er aber auch nicht für sinnvoll.

BLS: Erst «mögliche Variante»

Die BLS selbst relativiert die vorgestellten Pläne: Die neue Erschliessung sei «als mögliche Variante angedacht», so BLS-Sprecher Hugo Wyler. Man wolle über Alternativen nachdenken und dies in der Dialoggruppe transparent diskutieren. «Wir wissen noch nicht, ob und in welcher Form diese Überlegungen in ein solches Projekt einfliessen werden.» Nun würden Machbarkeit, eine mögliche Verkehrsführung sowie nötige Massnahmen – etwa die Schulwegsicherung – für diese Variante untersucht.

Die Ereignisse haben dazu geführt, dass diese Woche «diverse direktbetroffene Anwohner» ihren Austritt aus der Dialoggruppe bekannt gegeben haben, wie es in einer Mitteilung der IG Riedbach heisst. Zu diesen gehört auch Benjamin Schlesinger. Dass die BLS im ersten konkreten Projekt eine andere Erschliessung vorsehe, sei aber nur einer der Gründe für seinen Austritt. «Die BLS erlaubt nicht, dass man in der Dialoggruppe über den Standort diskutiert.» Es werde eine weitere «Welle von Anwohnern» geben, welche die Gruppe verliessen.

«Wir bedauern das», sagt Wyler. Es sei «sicher nicht in unserem Sinn», wenn es zu Austritten komme. Bei der Dialoggruppe gehe es schliesslich darum, die bestmögliche Lösung für die neue Werkstätte zu finden, da seien lokale Kenntnisse «enorm wichtig». Bei der BLS sei man sich zudem bewusst, dass ein solches Bauwerk für Anwohnerinnen und Anwohner eine grosse Belastung darstelle, sagt der BLS-Sprecher. (Der Bund)

Erstellt: 03.05.2017, 20:50 Uhr

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