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Blinder Fleck auf der Ferienkarte

Mit Nordkorea präsentiert sich eines der abgeschottetsten Länder der Erde an der Berner Ferienmesse, welche in der nächsten Woche beginnt.

An die Ferienmesse kommt er nicht selbst, kennt aber Bern: Kim Jong-un.
An die Ferienmesse kommt er nicht selbst, kennt aber Bern: Kim Jong-un.
EPA

Das diktatorisch regierte Nordkorea wird international geächtet. Man habe sich gut überlegt, ob man einem solchen Land eine Plattform bieten wolle, sagte Messe-Sprecher Adrian Haut am Dienstag im «Regionaljournal Bern Freiburg Wallis» von Schweizer Radio SRF. «Wir finden, dass jedes Land die Möglichkeit haben soll, diese Plattform zu nutzen. Wir gehen davon aus, dass die Besucherinnen und Besucher mündig genug sind, um selber zu entscheiden, ob sie das Land bereisen wollen oder nicht», sagte Haut.

Dank der Touristen könne sich ein Land auch öffnen, betonte Haut und verwies auf das Beispiel von Burma. Dort habe ein Dialog zwischen Touristen und Einheimischen mitgeholfen, die starren Formen aufzuweichen. Dadurch habe sich die Lage für die einheimische Bevölkerung verbessert.

Öffnung versus «Kontrollwahn»

Die Berner Ferienmesse startet am 15. Januar auf dem Gelände der Bernexpo auf der Berner Allmend. Der Kontakt zu den Nordkoreanern kam durch das Reisebüro Globetrotter zustande, das geführte Reisen in das asiatische Land anbietet. Im vergangenen Juni war eine zwölfköpfige Gruppe mit Globetrotter-Chef André Lüthi in Nordkorea unterwegs.

Immer mehr Europäer wollten das Land mit eigenen Augen sehen, sagte Lüthi nach seiner Rückkehr gegenüber der «Berner Zeitung». Allerdings könne man sich nur in der Hauptstadt frei bewegen. Dieser «Kontrollwahn» schrecke viele ab. Er spüre aber, dass die nordkoreanischen Behörden sich langsam öffneten, sagte Lüthi. «Sie haben gemerkt, dass der Tourismus wichtige Devisen ins Land bringt.»

Möglich sind in Nordkorea einzig geführte und durch das staatliche Reisebüro organisierte Reisen, wie aus den Reisehinweisen des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) hervorgeht. Reisende werden stets durch einen offiziellen Reiseführer begleitet.

Die Schweiz engagiert sich nach Angaben auf der Homepage des EDA in Nordkorea im Rahmen der Friedensförderung und der humanitären Hilfe. Sie war verschiedentlich Gastgeberin für Vermittlungsgespräche zwischen China, den USA und Nordkorea. Nordkorea unterhält eine Botschaft in Bern und eine permanente Mission in Genf.

Staat voller Geheimnisse

Das abgeschottete Nordkorea wird von einem Geflecht aus kommunistischer Arbeiterpartei, Armee und Geheimdienst beherrscht. An der Spitze der bitterarmen Atommacht steht der «Oberste Führer» Kim Jong-un. Von ihm wird berichtet, er habe in seiner Jugend einige Jahre unter einem anderen Namen in Bern eine Schule besucht.

Kim Jong-un hatte seinen im Dezember 2011 verstorbenen Vater Kim Jong-il abgelöst, der seit dem Tod von dessen Vater Kim Il-sung geherrscht hatte. Seit der Gründung der «Demokratischen Volksrepublik Korea» 1948 lässt sich die Kim-Dynastie mit einem Personenkult feiern.

Nord- und Südkorea stehen seit der Teilung nach dem Koreakrieg 1953 formell noch immer im Kriegszustand. Die Demarkationslinie auf dem 38. Breitengrad gilt als äusserst heikle Grenze. Eine Militärdelegation mit Mitgliedern verschiedener Staaten, darunter der Schweiz, überwacht den Waffenstillstand. Die (genehmigte) Überschreitung der Grenze zu Fuss durch die damalige Schweizer Aussenministerin Micheline Calmy-Rey im Mai 2003 war darum ein Aufsehen erregender Akt.

Menschenrechtsorganisationen prangern immer wieder Menschenrechtsverletzungen im Land an. Sie schätzen die Zahl der politischen Gefangenen auf 200'000.

SDA/mdü

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